1970-1992
Der
Chemiker Werner Stumm war nach Abschluss seines Studiums bis 1956 selbst
Mitarbeiter der Eawag. Dann wirkte er 14 Jahre lang als Forscher und Lehrer auf
dem Gebiet der aquatischen Chemie an der Harvard Universität in Boston, USA. Ab
1970, als neuer Direktor, räumte Werner Stumm der Grundlagenforschung an der
Eawag noch grösseres Gewicht ein als sein Vorgänger Jaag. Er erkannte früh,
dass die Umweltwissenschaften multidisziplinär betrieben werden müssen und
forderte darum, nicht nur die chemischen, sondern auch die geologischen,
biologischen und ökologischen Gesichtspunkte einzubeziehen. Er motivierte die
Forschenden, die zunehmende Zahl industriell hergestellter Stoffe im Auge zu
behalten und suchte Verbesserungen in den analytischen Möglichkeiten. 1975
setzte die neue Verordnung über Abwassereinleitungen erstmals klare
Qualitätsziele für den Gewässerschutz. Die Eawag hatte die Grundlagen dafür
geliefert, und gleichzeitig war die Verordnung ein Auftrag, an messbaren und
ökotoxikologisch abgestützten Kriterien weiterzuforschen. Dem Vorwurf, man
vernachlässige die Beratung, begegnete Stumm mit einer Stärkung der Aus- und
Weiterbildung samt der Einführung eines Nachdiplomstudiums für
Siedlungswasserbau und Gewässerschutz.