Abteilung Umweltsozialwissenschaften

Management von Ökosystemdienstleistungen

Im Departement für Umweltsozialwissenschaften (ESS) setzen wir uns mit Interaktionen zwischen menschlichem Handeln und aquatischen Ökosystemdienstleisungen auseinander. Dabei wird untersucht, wie verschiedene betroffene gesellschaftliche Akteure Ökosystemdienstleistungen wahrnehmen und bewerten, und wie das Management von Ökosystemen und die Qualität derer Dienstleistungen verbessert werden können. 

Dr. Judit LienertGroup Leader, Cluster: DA (Decision Analysis)Tel. +41 58 765 5574E-Mail senden

Hintergrund

Ökosystemdienstleistungen schreiben der Natur einen Wert zu und sollen dadurch zu deren Schutz beitragen. In der verbreiteten Definition des Millennium Ecosystem Assessment (MEA 2005) sind Ökosystemdienstleistungen als “Vorteile, welche Menschen aus Ökosystemen ableiten“, beschrieben.

Menschliche Aktivitäten haben zu einer starken Beeinträchtigung von Ökosystemen und deren Dienstleistungen geführt. Mehrere wichtige Probleme beziehen sich auf aquatische Ökosystemdienstleistungen. Dazu gehören “der schlechte Zustand vieler der weltweiten Fischvorräte; die Gefahr von Wassermangel, welcher zwei Milliarden Menschen in trockenen Weltregionen ausgesetzt sind; oder die wachsende Beeinträchtigung von Ökosystemen durch den Klimawandel und Verunreinigungen durch Nährstoffe” (MEA 2005). Aquatische Ökosysteme wie Seen, Flüsse oder Sümpfe stellen unterstützende (z.B. Biodiversität oder Nährstoffdurchlauf), bereitstellende (z.B. Nahrung wie Fisch oder Trinkwasser), regulierende (z.B. hydrologische Systeme, Kontrolle von Verschmutzung, Entgiftung), sowie kulturelle Dienstleistungen (z.B. spirituelle oder freizeitbezogene Dienstleistungen; MEA 2005) bereit.

Während es sich beim Verständnis der Bedrohungen von Ökosystemen und der ökologischen Vorteile von Naturschutzmassnahmen typischerweise um naturwissenschaftliche Fragen handelt, ist die Definition eines ausgeglichenen Verhältnisses zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Schutz von aquatischen Ressourcen schlussendlich ein gesellschaftliches Problem. Sozialwissenschaftliche Ansätze sind deswegen für das Verständnis dieses Problemfeldes unabdingbar.

Typische Probleme und Fragestellungen

In ESS betreiben wir Forschung zu drei Kernfeldern im Bereich des Managements von aquatischen Ökosystemdienstleistungen. Alle drei Kernfelder repräsentieren auch jeweils aktuelle politische Probleme.  

Energie und Wasserkraft: Die Schweizer Energiestrategie 2050 sieht vor, die Produktion von Wasserkraft aufgrund des Atomausstiegs zu intensivieren. Damit verbundene Forschungsfragen sind:

  • Was sind Trade-offs zwischen dem Erstellen von neuen Wasserkraftwerken und deren Einflüssen auf die Umwelt?
  • Was ist die Risikowahrnehmung und die Zahlungsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung, wenn es um die Abschwächung von negativen ökologischen Auswirkungen eines Ausbaus der Wasserkraft handelt?
  • Welches sind die Regulierungen und politischen Koalitionen rund um die Priorisierung von Kleinwasserkraftwerken?  

Flussmanagement: In der Schweiz werden bis 2090 rund 4000 km an Flüssen renaturiert. Dies zieht Konflikte um verschiedene Ökosystemdienstleistungen zwischen beteiligten Akteuren mit sich. Damit verbundene Forschungsfragen sind:

  • Welche Governance-Formen eignen sich am besten für die gemeinsame Verwaltung von Ökosystemdienstleistungen in einem Flusseinzugsgebiet? 
  • Wie nimmt die Bevölkerung diese Renaturierungsprojekte wahr, und wieviel ist sie bereit dafür zu bezahlen?
  • Wie können Entscheidungen, z.B. bezüglich der Priorisierung von Renaturierungsprojekten oder Monitoring-Programmen unterstützt werden?

Naturschutz und Biodiversität: Der Bundesrat hat vor kurzem eine Biodiversitätsstrategie und einen entsprechenden Massnahmenplan ausgearbeitet. Unter anderem bedingt das Fördern der Biodiversität den Schutz von aquatischen naturnahen Habitaten. Forschung in ESS befasst sich mit den folgenden Fragen:

  • Welches ist der wirtschaftliche Wert von Ökosystemdienstleistungen, welche von naturnahen (im Gegensatz zu beeinträchtigten) Flüssen oder Seen dargeboten werden?
  • Welche Politikmassnahmen können helfen, naturnahe Ökosysteme aufrecht zu erhalten?
  • Invasive Arten sind auch im Wasserbereich eine ernste Bedrohung für einheimische Arten und deren Lebensräume. Welche Ökosystemdienstleistungen werden von einheimischen Arten dargeboten, wie werden diese von betroffenen Akteuren wahrgenommen, und wie können wir invasive Arten effektiv bekämpfen?

WissenschaftlerInnen

Dr. Judit LienertGroup Leader, Cluster: DA (Decision Analysis)Tel. +41 58 765 5574E-Mail senden
Mario AngstDoktorand, Cluster: PEGOTel. +41 58 765 5391E-Mail senden
Laurence BrandenbergerDoktorandin, Cluster: PEGOTel. +41 58 765 5598E-Mail senden
Dr. Ivana LogarGruppenleiterin, Cluster: EnvEcoTel. +41 58 765 5504E-Mail senden
Dr. Manuel FischerGruppenleiter, Cluster: PEGOTel. +41 58 765 5676E-Mail senden

Dr. Simone D. Langhans
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei IGB
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Isabelle Stadelmann-Steffen, Universität Bern

Clau Dermont, Universität Bern

Philip Thalmann, EPFL

Win Myint, Environmental and Economic Research Institut, Yangon, Myanmar

Stefan Rieder, Interface Politikstudien

Chantal Strotz, Interface Politikstudien

Peter Messerli, CDE Universität Bern

Gudrun Schwilch, Universität Bern

Adrienne Grêt-Regamey, ETH Zürich

Bruno Salomon Ramamonjisoa, University of Antananarivo

Khamla Phanvilay, National University of Laos

San Win, University of Forestry, Myanmar

Publikationen

Langhans, S. D.; Lienert, J. (2016) Four common simplifications of multi-criteria decision analysis do not hold for river rehabilitation, PLoS One, 11(3), e0150695 (27 pp.), doi:10.1371/journal.pone.0150695, Institutional Repository
Kahsay, T. N.; Kuik, O.; Brouwer, R.; van der Zaag, P. (2015) Estimation of the transboundary economic impacts of the Grand Ethiopia Renaissance Dam: a computable general equilibrium analysis, Water Resources and Economics, 10, 14-30, doi:10.1016/j.wre.2015.02.003, Institutional Repository
Klinglmair, A.; Bliem, M. G.; Brouwer, R. (2015) Exploring the public value of increased hydropower use: a choice experiment study for Austria, Journal of Environmental Economics and Policy, 4(3), 315-336, doi:10.1080/21606544.2015.1018956, Institutional Repository
Reichert, P.; Langhans, S. D.; Lienert, J.; Schuwirth, N. (2015) The conceptual foundation of environmental decision support, Journal of Environmental Management, 154, 316-332, doi:10.1016/j.jenvman.2015.01.053, Institutional Repository
Langhans, S. D.; Lienert, J.; Schuwirth, N.; Reichert, P. (2013) How to make river assessments comparable: a demonstration for hydromorphology, Ecological Indicators, 32, 264-275, doi:10.1016/j.ecolind.2013.03.027, Institutional Repository
Renner, R.; Schneider, F.; Hohenwallner, D.; Kopeinig, C.; Kruse, S.; Lienert, J.; Link, S.; Muhar, S. (2013) Meeting the challenges of transdisciplinary knowledge production for sustainable water governance, Mountain Research and Development, 33(3), 234-247, doi:10.1659/MRD-JOURNAL-D-13-00002.1, Institutional Repository
Vermaat, J. E.; Wagtendonk, A. J.; Brouwer, R.; Sheremet, O.; Ansink, E.; Brockhoff, T.; Plug, M.; Hellsten, S.; Aroviita, J.; Tylec, L.; Giełczewski, M.; Kohut, L.; Brabec, K.; Haverkamp, J.; Poppe, M.; Böck, K.; Coerssen, M.; Segersten, J.; Hering, D. (2015) Assessing the societal benefits of river restoration using the ecosystem services approach, Hydrobiologia, 769(1), 121-135, doi:10.1007/s10750-015-2482-z, Institutional Repository

Laufende Projekte

Flussmanagement

Das Projekt hat zum Ziel die Wissenslücke bezüglich dem monetären Nutzen von Flussrevitalisierungen zu schliessen
Das Projekt hat zum Ziel, die Anwendung der multikriteriellen Entscheidungsanalyse auf komplexe Umweltprobleme zu verbessern.
Fragmentierung und Subsysteme in der Schweizer Wasserpolitik

Energie und Wasserkraft

Dieses Projekt untersucht die Präferenzen der Schweizer Bevölkerung für die positiven und negativen Auswirkungen eines Ausbaus der Wasserkraft.
Politikwandel in Richtung alternativer und erneuerbarer Energie

Naturschutz und Biodiversität

Auswirkungen von Tele-Koppelung zwischen verschiedenen Systemen auf die Landnutzung, Ökosystemdienstleistungen und das menschliche Wohlergehen.

Zudem arbeitet die ESS-Abteilung eng mit der Siam-Abteilung in den Bereichen Entscheidungsunterstützung im Umweltmanagement und Modellgestützte Entscheidungsunterstützung zusammen.

Abgeschlossene Projekte

Mit der MCDA können Präferenzen von Expertinnen über Kosten-Nutzen-Abwägungen in ökologische Bewertungen integriert werden.