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Grundwassersondierung bei Fehraltorf, ZH (Foto: Robin Weatherl, Eawag)

Landwirtschaft und Grundwasser: Nitrat im Fokus

Zusammen mit dem Zentrum für Hydrogeologie und Geothermie der Université de Neuchâtel hat die Eawag einen PEAK-Kurs zum heissen Eisen «Grundwasser und Landwirtschaft» organisiert. Im Zentrum der Information und der Diskussion stand die Nitratbelastung.

Mit den Praxisorientierten Eawag-Kursen (PEAK) bietet die Eawag, oft gemeinsam mit Partnern, Weiterbildungskurse an, die sich vor allem an Fachleute aus der Praxis wenden;  am 10. November mit dem Centre d’hydrogéologie et de géothermie (CHYN) an der Université de Neuchâtel zum Thema «Nutzungskonflikte im Spannungsfeld von Grundwasser und Landwirtschaft». Konzept und Thema des zweisprachigen Kurses hatten Erfolg: Mit über 80 Beteiligten war der Seminarraum bis auf den letzten Platz belegt. Die Teilnehmenden kamen zu ungefähr gleichen Teilen aus der Romandie und der Deutschschweiz. Ausserdem waren Gäste aus Deutschland, Österreich und Luxemburg angereist.

Anforderungswert vielerorts überschritten

Das Thema bot zwar Potential zu emotionalen Kontroversen, doch verlief der Kurs sehr konstruktiv. In einem ersten Teil wurde die Grundwasserqualität thematisiert. Schwerpunkt bildete die Nitratbelastung, wobei auch andere Arten von Verschmutzung wie Pflanzenschutzmittel, Pharmaka oder Uran angesprochen wurden. Im zweiten Teil ging es um die Grundwasserquantität.

Nitrat ist nicht nur in den Medien immer wieder ein Thema; auch die anwesenden Fachleute bescheinigten besonderes Interesse an dem Düngemittel und seinem Verbleib im Grundwasser. Es wurden Lösungsansätze vorgebracht, welche die Einhaltung der Höchstgrenze ermöglichen könnten. Denn 80 % des Trinkwassers in der Schweiz werden aus Grundwasser gewonnen, und die Gewässerschutzverordnung verlangt, dass im Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird, nicht mehr als 25 Milligramm Nitrat pro Liter vorhanden sind. Doch dieser Wert wird heute vielerorts überschritten.

Erfolgreiches Nitratprojekt in Morges

Einen spannenden Beitrag dazu lieferte der Trinkwasserverantwortliche der Stadt Morges am Genfersee, Alain Jaccard. Er berichtete über das 2002 initiierte Projekt, das Trinkwasser für Morges, aus dem benachbarten Gebiet am Jurafuss zu fassen und in die Stadt zu bringen. Unterstützt von Aurèle Parriaux (emeritierter Hydrogeologe der EPFL) erzählte Jaccard, wie es nach intensiven Verhandlungen gelungen ist, alle Betroffenen vom Wert des Projekte zu überzeugen und den notwendigen Massnahmen zuzustimmen, zum Beispiel einer Änderung der Fruchtfolge und der Bewirtschaftung in der Grundwasserzone. So gelang es die Nitratwerte soweit zu senken, dass eine Trinkwasserversorgung für Morges aus Grundwasser möglich wurde. Diskutiert wurden auch raumplanerische Ansätze: Man könnte die landwirtschaftliche Produktion dort ansiedeln, wo die Nitrat-Belastung gering ist und so Gebiete entlasten, die hohe Konzentrationen verzeichnen. Der Bund finanziert mehrere Projekte, welche mit verschiedenen Möglichkeiten für die Nitratreduktion experimentieren (Bafu Thema Nitrat)

Nur wer weiss, was vorhanden ist, kann damit sorgfältig umgehen

Sauberes Wasser ist das eine – ausreichend Wasser das andere. Der Hitzesommer 2003 hat einen Vorgeschmack darauf gegeben, was in Zeiten der Klimaerwärmung häufiger eintreten könnte: Wasserknappheit aufgrund von Extremwetterbedingungen. Angesichts der Tatsache, dass für 16% der bewässerten Flächen Grundwasser verwendet wird, muss man wissen, woher man wie viel Wasser bezieht und wie gross das entsprechende Reservoir ist. Nur so kann man mit Extremsituationen kompetent umgehen, bzw. gewährleisten, dass immer genügend Wasser vorhanden ist.

Die Landwirtschaft muss also sowohl auf die Grundwasserqualität als auch auf die nachhaltig verfügbaren Grundwassermengen abgestimmt werden. Um den Nutzungskonflikt zu lösen, sind Fingerspitzengefühl, Vertrauen und Austarieren nötig. Dafür ist der Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Fachkräften, Wissenschaftlern und Praxis unerlässlich, auch über Sprach- und Kantonsgrenzen hinweg.

Erstellt von Anselm Schirmer