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Abb. 1: Der Grossbrand in Schweizerhalle hatte eine katastrophale Umweltverschmutzung zur Folge. 30 Jahre danach lässt sich aus Sicht des Gewässerschutzes jedoch eine insgesamt positive Bilanz ziehen.

Der Rhein rot, die Fische tot – 30 Jahre nach dem Sandoz-Brand

31. Oktober 2016,

Am 1. November 1986 ist in Schweizerhalle eine Lagerhalle mit Chemikalien abgebrannt. Rot gefärbtes giftiges Löschwasser hat das Leben im Rhein katastrophal geschädigt. Die offen sichtbaren Folgen an der Flussbiologie – Bilder der toten Fische gingen um die Welt – haben zu grossen Fortschritten geführt im Bereich der chemischen Überwachung der Wasserqualität, der gesetzlichen Vorschriften sowie bei den Risikoreduktionsmassnahmen in der chemischen Industrie.

Der Brand bei Sandoz hat das Vertrauen in die Selbstkontrolle der chemischen Industrie erschüttert. Massnahmen der Behörden wie die Schweizerische Störfallverordnung und die Schaffung von Chemiekontrollstellen waren unmittelbare Folgen. Wesentlich verstärkt wurden die Bemühungen der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins vor Verunreinigungen. Wenn man von den unmittelbaren Schäden absieht, lässt sich heute, 30 Jahre danach, aus Sicht des Gewässerschutzes eine insgesamt positive Bilanz ziehen.

Die Fachleute der Eawag haben 1986 intensiv mitgearbeitet, den Zustand des Rheins chemisch und biologisch zu analysieren und die Auswirkungen des Brandes zu dokumentieren. Wie sie – entgegen anderen Ansichten – richtig vorhergesehen hatten, erholten sich das dynamische Fliessgewässer-System und die Organismen in relativ kurzer Zeit, das heisst innerhalb einiger Monate. Unterstützt wurde dies durch Einwanderung von Organismen aus Oberlauf, Zuflüssen und Seitenarmen und weil Hochwasser den verschmutzten Rhein rasch durchgespült hatten.

Das Risiko eines erneuten Chemieunglücks in der Grösse von Schweizerhalle ist gesunken. Umso mehr rücken heute chronische Verunreinigungen ins Blickfeld, etwa durch den kontinuierlichen Eintrag von persistenten Haushalt- und Agrochemikalien oder Arzneimitteln. Um toxische Stoffe frühzeitig zu erkennen, hat die Eawag in den letzten Jahren eine neue Mess- und Analysetechnik entwickelt. Dank hoch auflösender Massenspektrometrie gekoppelt mit Flüssigchromotografie lassen sich auch bisher unbekannte Stoffe erfassen.

Die internationale Rheinüberwachungsstation Weil am Rhein bei Basel, die als Folge des Chemieunfalls im Jahr 1992 in Betrieb genommen wurde, setzt die neue Messtechnik bereits seit einigen Jahren erfolgreich ein. Die tägliche Messung erfasst Schadstoffspitzen im Rhein zeitnah und kann die Identität und Herkunft der Stoffe im Idealfall aufklären. Die neue Mess- und Analysetechnik hat eine präventive Wirkung auf potentielle Verursacher von Gewässerverunreinigungen und soll nun auch an anderen Standorten entlang des Rheins eingesetzt werden.

Intensiv untersucht wurde und wird auch das Grundwasser im Bereich der Unfallstelle, denn nicht weit entfernt stehen Trinkwasserpumpwerke für die Region. Zu den Herausforderungen in der Wasserversorgung informieren der Kanton Basel-Land, die Eawag und weitere Partner an einer Fachtagung am 11. November.

Abb. 2: Die giftigen Chemikalien der Firma Sandoz gelangten mit dem Löschwasser in den Rhein und führten zu einem Massensterben der Fische.

Erstellt von Martina Schürmann