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Martin Wegelin spendet ganzes Preisgeld

29. November 2012,

Er hat es schon angedeutet, als die Stiftung J. E. Brandenberger ihn im Oktober als Preisträger für 2012 bekanntgab. An der feierlichen Preisverleihung vom Samstag, 24. November in Chur hat Martin Wegelin nun bestätigt, dass er das gesamte Preisgeld von 200'000 Franken für das Sodis Projekt (150'000.-) und für die Organisation Terres des femmes (50'000.-) zur Verfügung stellt.

Die Verleihung im Saal des Bündner Grossen Rats fand vor rund 70 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Forschung statt, musikalisch würdig umrahmt vom Ensemble Quatro Colori der Kammerphilharmonie Graubünden. Die Laudatio hielt Martin Weglins langjähriger direkter Vorgesetzter an der Eawag, Roland Schertenleib. Da der Geehrte den Preis für sein Lebenswerk und nicht allein für das bekannte Sodis-Projekt erhielt, zeichnete Schertenleib Wegelins ganze Laufbahn nach. Einen Schwerpunkt legte er dabei auf die Untersuchung und Einführung horizontaler Kiesfilter zur Vorreinigung von trübem Wasser für die weitere Aufbereitung zu Trinkwasser. Das sei eine wegweisende Arbeit gewesen. Das Prinzip wird heute noch angewendet, unter anderem auch in der Schweiz – hier allerdings zur Grundwasseranreicherung. „Ein schönes Beispiel“, so Schertenleib, „wie Entwicklungshilfe auch von Süd nach Nord funktioniert.

Auch Martin Wegelin selbst blickte in seiner Rede weit zurück. Zum Beispiel auf seine Hassliebe zu den Steinen, die er in Vaters Rebberg zusammenlesen musste, die ihn dann aber auch zur Idee mit den Kiesfiltern geführt hätten. Doch die zentrale – und durchaus emotionale – Botschaft des Preisträgers galt der Humanität. Als er vom Rednerpult weglief und die Anwesenden fragte, wie es ihnen gehe, wurde es ganz ruhig im Saal. Da sprach einer, der bewegt ist und bewegen kann. Einander helfen, dort Unterstützung leisten, wo sie am nötigsten ist, und in der Gemeinschaft mit Freunden die Wärme und Zufriedenheit ernten, die daraus wächst. Das war der zentrale Inhalt von Martin Wegelins Vortrag. Einen ganz besonderen Dank richtete Wegelin dabei an die vielen Frauen, denen oft das Wasserholen obliegt und die sich darum in den Projekten wie Sodis speziell engagieren, zum Beispiel Elsa Sanchez, die Direktorin der Fundacion Sodis in Bolivien.

Alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter liess es sich als Präsident des Stiftungsrates anschliessend nicht nehmen, die Vergabe des Preises mit einem flammenden Aufruf zur Förderung angewandter Forschung zu verknüpfen. Mit Blick auf den ebenfalls anwesenden ETH-Rats Präsidenten und ehemaligen Kollegen aus dem Ständerat, Fritz Schiesser, betonte Schmid, wie wichtig etwa neben der hochspezialisierten Erforschung von Elementarteilchen auch die Suche nach angepassten Problemlösungen für humanitäre Defizite sei. „So gesehen ist die Eawag genauso wichtig und gut wie das CERN“, schloss Schmid seinen Appell.

Erstellt von Andri Bryner