Künstliche Hochwasser für Defizite mitverantwortlich
20. Dezember 2005
Der Schwallbetrieb von Wasserkraftwerken ist in vielen schweizerischen Gewässern zunehmend zum Problem geworden für die Gewässerökologie, ganz besonders für die Fische. Von den grösseren Fliessgewässsern ist jedes vierte durch diese künstlichen Abflussschwankungen im Tages- und Wochenrhythmus beeinflusst. Zusammen mit den Flussverbauungen zählt der Schwallbetrieb unterhalb von Speicherkraftwerken zum Beispiel in der Rhone zur Hauptursache für biologische Defizite. So haben die Forscherinnen und Forscher an der Rhone auf Schwallstrecken eine wesentlich dünnere Besiedlung und eine geringere Artenvielfalt unter Fischen und anderen Wasserorganismen nachgewiesen als auf unbeeinflussten Strecken. Typische Auswirkungen der Schwall-Sunk-Situation sind auch eine erhöhte Trübung, wenig durchlässige Gewässersohlen und kurzfristige Temperaturschwankungen. Wasserorganismen werden mit dem raschen Pegelanstieg aus Schwallstrecken abgeschwemmt. Und wenn der Pegel wieder sinkt, stranden sie auf trockenfallenden öden Flächen.
Gesetzliche Regelungen zum Schwallbetrieb existieren bisher weder in der Schweiz noch in anderen Staaten, in denen Fliessgewässer durch Schwallbetrieb beeinflusst werden. Zur Schwalldämpfung kommen betriebliche und bauliche Massnahmen in Frage. Die Untersuchungen im Rohne-Thur Projekt haben gezeigt, dass unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft der Bau von Rückhaltebecken oder –kavernen oft am sinnvollsten ist.
Für viele der festgestellten ökologischen Defizite kann nicht allein der Schwallbetrieb verantwortlich gemacht werden. Vielmehr tragen die verarmte, eintönige Flussmorphologie und andere anthropogene Einflüsse ebenfalls zu den Defiziten bei. Umgekehrt stellt jedoch der Schwallbetrieb für die Revitalisierung von Fliessgewässern eine zusätzliche und erschwerende Randbedingung dar. So ist etwa bei Flussraumaufweitungen drauf zu achten, dass ausreichend Strukturen – Kiesbänke, Totholz etc. – vorhanden sind und nicht lediglich diejenigen Flächen zunehmen, die bei Sunk immer wieder trocken fallen. Richt- oder Grenzwerte, die eine gewässerökologische Beurteilung der Schwall-Sunk-Auswirkungen erlauben würden fehlen jedoch ebenfalls und es ist noch zu wenig bekannt über die Wechselwirkungen des Schwallbetriebs mit anderen Defiziten an den Gewässern.
Medienmitteilung [pdf]
Syntheseberichte: www.rivermanagement.ch

