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Wissenschaftliche Prüfung für grosse Staudammprojekte

Wissenschaftliche Prüfung für grosse Staudammprojekte

23. März 2006

Den Umweltauswirkungen eines neuen Damms am Nil im Sudan wurde bisher zu wenig Beachtung zugemessen. Projekte in dieser Grössenordnung sollten von unabhängiger Seite evaluiert werden. Sowohl für Bau und Betrieb müssen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt werden. Das sind die wichtigsten Schlussfolgerungen aus einem heute veröffentlichten Eawag-Bericht zum Merowe-Damm Projekt. Dieser 67 m hohe Staudamm, mit einem Investitionsvolumen von rund 1,2 Mrd. Dollar, ist bereits im Bau. Er liegt 800 km unterhalb Khartum, oberhalb des Aswan Staus am Hauptarm des Nils und staut den vierten Nilkatarakt ein, um Spitzenstrom für die grossen Städte des Sudans zu produzieren. Das Grossprojekt wird unter Führung von Lahmeyer International (Deutschland) erstellt, Alstom (Frankreich) liefert die elektro-mechanischen Ausrüstungen, ABB (Schweiz) baut die Übertragungseinrichtungen.

In ihrer unabhängig durchgeführten Analyse des Umweltberichts kommen die Eawag Forschenden zum Schluss, dass der 200 Kilometer lange Merowe-Stausee jährlich rund 130 Mio. Tonnen Sediment zurückhalten wird. Ein Konzept, wie mit dieser Fracht umgegangen wird, fehlt. Ein solches wäre dringend nötig, allein schon, um die Lebensdauer des Reservoirs zu verlängern. Frühere Erfahrungen mit dem Aswan Damm zeigen zudem, dass die Wasserqualität im Stausee und die Emission von Treibhausgasen zu Problemen werden, wenn keine Gegenmassnahmen getroffen werden. Die negativen Auswirkungen des Staus auf die Artenvielfalt der Fische wurden unterschätzt. Tägliche Schwankungen der Wasserführung unterhalb des Damms, als Folge der bedarfsabhängigen Stromproduktion, sollten gedämpft werden, da sonst das Leben im Fluss und die sensiblen Uferbereiche geschädigt werden.

Der Eawag Bericht verlangt ein verbessertes Verfahren, wenn Umweltauswirkungen von grossen Staudamm-Projekten analysiert werden. Derart wichtige Untersuchungen sollten auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, die Berichte von unabhängigen Experten überprüft und ausserdem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Independent Review, Eawag (pdf, 914 KB), short version (pdf, 193 KB)
Nature Artikel (pdf, 491 KB)