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Klimaforschung: Auf Spurensuche im Engadin

Klimaforschung: Auf Spurensuche im Engadin

4. Juni 2007

Gegen 150 Wissenschafterinnen und Wissenschafter von 12 Hochschulen und Forschungsinstitutionen arbeiten im Nationalen Forschungsschwerpunkt Klima zusammen. Einer der Brennpunkt liegt im Oberengadin. Klimaarchive, wie die von der Eawag untersuchten Seesedimente, erlauben dort Aussagen, welche Verhältnisse zu Zeiten Napoleons oder gar Jürg Jenatschs geherrscht haben.

Nur wenige Themen beschäftigen die Schweizerinnen und Schweizer zurzeit so stark wie der Klimawandel. Damit ist auch die Arbeit der Klimaforschung ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Aus diesem Grund haben sich das Bündner Naturmuseum und der Nationale Forschungsschwerpunkt Klima (NFS Klima) entschlossen, in leicht verständlicher Form aufzuzeigen, weshalb das Engadin für die Wissenschaft von besonderem Interesse ist. Das Resultat dieser gemeinsamen Initiative ist die Broschüre „Klimaforschung – auf Spurensuche im Engadin“, die heute in Chur vorgestellt wurde.

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[pdf Download: 1.4 MB]

Die reich illustrierte Publikation stellt eine ganze Palette von Forschungsaktivitäten im Bündner Hochtal vor: Die Themen der Artikel reichen von der Bedeutung der natürlichen Klimararchive für das Verständnis des Klimas der Zukunft, über die zum Teil abenteuerlichen Feldarbeiten bis zum aktuellen Wissensstand rund um Gletscherrückgang und tauenden Permafrost. Wissenschaftlicher Höhepunkt ist ein Blick in die Klimavergangenheit: Mit weltweit einzigartiger Genauigkeit konnten die Forscher des NFS Klima nämlich die lokalen Temperaturen bis ins Jahr 1580 rekonstruieren. Ausgangspunkt der aufwendigen Rekonstruktion waren Sedimente vom Grund des Silvaplanersees.

Kühle Sommer zu Jenatschs Zeiten

Im Geburtsjahr von Jürg Jenatsch (1596) war das Klima im Engadin ziemlich unfreundlich. Im Sommer lagen die Temperaturen durchschnittlich um mehr als 1° C tiefer als im 20. Jahrhundert (zum Vergleich: in den letzten 100 Jahren betrug die weltweite Temperaturzunahme 0,6°C) Auch die Herbsttemperaturen waren damals niedriger als heute. Die Sommer vor 1600 waren praktisch ausnahmslos kalt und nass. Zahlreiche Schneefälle bis ins Tal, vorstossende Gletscher und Missernten in Serie waren die harten Folgen.

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Mehr Regengüsse nach Vulkanausbrüchen?

Einen bisher nicht bekannten Zusammenhang zwischen dem Wetter im Engadin und grossen Vulkanausbrüchen konnte Eawag-Forscher Alex Blass nachweisen: Auf sieben von acht Vulkanausbrüchen (von Krakatau 1883 bis zu Pinatubo 1991) folgten deutlich gröbere Ablagerungen im Sediment des Silvaplanersees. Blass vermutet nun, dass die stärkeren Herbstniederschläge in den Jahren nach grossen Vulkanausbrüchen zu einer stärkeren Erosion führen, was im Sediment ablesbar ist. Artikel im Journal of Paleolimnology [pdf 0.5 MB]

Selbst klare Bergseen nicht frei von Schadstoffen

Zusammen mit der Empa hat die Eawag auch Sedimente aus noch höher gelegenen Engadiner Seen untersucht, so etwa des Lej da Tscheppa (2616 müM.). Obwohl keine Schadstoffe via Abwasser in diesen See eingetragen werden können, fanden die Forschenden Spuren von organischen Langzeitgiften, wie etwa des bromierten Flammschutzmittels PBDE. Wie, seit wann und in welchem Ausmass solche Stoffe über die Atmosphäre in derart abgelegene Gebiete gelangen, ist Gegenstand laufender Untersuchungen.

Die Broschüre „Klimaforschung – auf Spurensuche im Engadin“ kann beim Bündner Naturmuseum gratis bezogen werden: info@bnm.gr.ch oder 081 257 28 41.