Wasserforschung zum Uno Jahr der sanitären Grundversorgung
21. November 2007
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Sanitation und die Schweizer Wasserforschung honorarfrei. Keine Archivierung.
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Eawag - aquatic research
Schweizer Wasserforschung leistet ihren Beitrag
Nicht zuletzt dank einer führenden Wasserforschung gelten Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in der Schweiz als mustergültig. Neuen oder neu ins Blickfeld geratenen Problemen – wie z.B. der Belastung der Abwässer mit Medikamenten – nimmt sich die Forschung rasch an, schätzt Risiken ab und sucht nach praktikablen Wegen, mit ihnen umzugehen. Im "International Year of Sanitation" der Uno 2008 steht aber klar die Verbesserung der Hygiene in Entwicklungsländern im Zentrum. Diese Information will in Ergänzung zur heutigen Medienmitteilung der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit beispielhaft aufzeigen, wie die Schweizer Wasserforschung dazu beiträgt.
Beispiel 1: Gemeinsam mit den Menschen planen
Die Eawag entwickelt und testet derzeit ein neues Konzept zur nachhaltigen Siedlungswasserwirtschaft für die rasch expandierenden urbanen und peri-urbanen Gebiete in Entwicklungsländern, einen haushaltzentrierten Ansatz, household-centred environmental sanitation approach – HCES. Im Fokus der Forschung stehen vor allem die Finanz- und Wasserknappheit mit denen fast alle Städte in Entwicklungsländern konfrontiert sind. In Afrika und Asien ist eine Verbesserung der Siedlungshygiene durch eine Schwemmkanalisation und zentrale Kläranlagen wie bei uns in der Schweiz zumeist keine Option, denn Wasser ist dort eine zu knappe Ressource. So existieren z.B. nur in 250 von Indiens 5000 grössten Städten Schwemmkanalisationen und Kläranlagen. Selbst private Klärgruben kosten einige hundert Dollar und sind für die meisten Familien unbezahlbar.
Der haushaltzentrierte Planungsansatz versucht deshalb kostengünstigere, vor allem aber auch nachhaltigere Lösungsansätze zu propagieren und gemeinsam mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen zu erarbeiten. Der Ansatz ermöglicht eine Abstimmung der verschiedenen Akteure – von der städtischen Wasser- und Abwasserbehörde, anderen kommunalen Behörden über die Gesundheitsämter bis zur betroffenen Bevölkerung. Deren Beteiligung kommt hohe Bedeutung zu, denn so können die Akzeptanz von Massnahmen erhöht und der soziale Zusammenhalt gefördert werden. Es wachsen Partnerschaften zwischen Bevölkerung und öffentlicher Hand.
In Testgemeinden in Costa Rica, Kenia, Tansania und Laos hat sich gezeigt, dass die Quartierbewohner nicht nur die besten Experten sind für die Situation vor Ort – mit ihren Problemen und Potenzialen, sondern sie tragen mit ihrem Engagement die Entwicklung des Gemeinwesens wesentlich mit. Im Stadtteil Changombe in Tansanias Hauptstadt Dodoma werden nun unter Vermittlung der Schweizer Forschenden die Planungsabläufe in offenen Workshops detailliert erprobt und erforscht. Besonderes Augenmerk richtete das Projekt auf Interessenkonflikte zwischen den verschiedenen Behörden. So wird im HCES-Ansatz z.B. der Wunsch vieler Behörden nach einer zentralen Abwasserreinigung nach europäischem Muster kritisch hinterfragt und es wird ein Umdenken angestossen, damit in dieser trockenen und strukturschwachen Region besser angepasste Lösungen zum Durchbruch kommen. Ein Beispiel dafür wäre ein Fäkalschlamm-Management wie es im Pilotprojekt in Dakar (Senegal) umgesetzt wird (siehe Beispiel 2). Bis zum Abschluss des "International Year of Sanitation" Ende 2008 soll für die rund 27'000 Einwohner des Stadtteils ein Aktionsplan vorliegen, der zu einer zuverlässigeren Wasserversorgung und einer bezahlbaren Fäkalschlammentsorgung führt.
Der haushaltzentrierte Planungsansatz wird von der Deza und dem Seco finanziell unterstützt.
Beispiel 2: "Bitte spülen!" gibt es vielerorts nicht
Rund 170’000 Kubikmeter Fäkalschlamm aus Latrinen fallen in der Region Dakar/Senegal pro Jahr an. Schlamm, der behandelt und fachgerecht entsorgt werden muss, damit er für die Bevölkerung der Millionenstadt kein gesundheitliches Risiko darstellt. Leider hapert es damit. Eine Aufbereitungsanlage gibt es zwar, doch Verkehrschaos und andere Umstände verhindern, dass die Sammeltrucks zur Anlage gelangen. Der Schlamm landet oft auf Brachflächen, im Meer oder in Löchern entlang der Strasse. Ein besseres Management ist dringend nötig. Senegals Regierung hat bei der Eawag um Unterstützung angefragt. Seit 2004 arbeitet ein Team am Projekt „Eau à Longue Terme“. Im Sommer 2007 konnte in Dakar eine Pilotanlage* zur Behandlung von Fäkalschlamm eröffnet werden. Hier werden Methoden zur Fäkalschlammbehandlung weiter entwickelt und den lokalen Verhältnissen angepasst. Die Forschenden haben zum Beispiel nachgewiesen, dass eine Kompostierung des Schlamms zusammen mit organischen Abfällen möglich ist, weil Krankheitserreger im Prozess abgetötet werden. Oder sie suchen nach geeigneten Gräsern, welche die Umsetzung der Schlämme zu nutzbarer Erde in bepflanzten Sumpfbeeten optimal fördern. Zusammen mit der öffentlichen Hand werden aber auch Geschäftsmodelle aufgebaut, welche das Schlammmanagement für Kleinunternehmer attraktiv machen. Zentral ist sodann die Aus- und Weiterbildung von senegalesischen Abwasserfachleuten, nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit Dakars Universität. So profitieren ausser Senegal auch andere Westafrikanische Staaten vom neu erarbeiteten Wissen, weil sie Studentinnen und Studenten nach Dakar entsenden.
Die Pilotanlage in Dakar wird von der Velux-Stiftung finanziell unterstützt.
Beispiel 3: Wasser mehrfach nutzen
Nicht alles Abwasser ist so stark verschmutzt, dass es nicht mehr verwendet werden kann. Jeder Haushalt produziert "Grauwasser" – Abwasser aus Küche, Bad und Waschküche mit Ausnahme des Toilettenabwassers. In der Schweiz fliesst dieses Grauwasser durch die Kanalisation zur Kläranlage. Doch in Entwicklungsländern wird es oft ohne Behandlung in offene Gräben, ins nächste Gewässer oder zur Bewässerung auf ein Feld geleitet. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern erhöht auch das Gesundheitsrisiko, denn obwohl Grauwasser weniger belastet ist als Toilettenabwasser, kann es hohe Konzentrationen an Krankheitserregern oder problematischen Stoffen wie Fette und Reinigungsmittel enthalten. Die Eawag hat verschiedene Grauwasser-Aufbereitungssysteme untersucht und in Mali, Jordanien und Nepal den Gründen nachgespürt, weshalb sie zwar eingerichtet werden aber oft nach kurzer Zeit nicht mehr funktionieren. Ihr Fazit tönt schlicht, ist aber entscheidend: Schuld ist zumeist die vernachlässigte Wartung. Nur wer "sein" Grauwassersystem versteht, kann den nötigen Unterhalt leisten. Nur angepasste und technisch möglichst einfach gehaltene Systeme können also zusammen mit einer Schulung der Nutzer dafür sorgen, dass die "Ressource" Wasser nachhaltiger und sicherer mehrfach genutzt werden kann.
- UNO-Seite zum International Year of Sanitation 2008
- pdf-Dokument [120 KB] dieser Medieninformation
- Gemeinsame Medienmitteilung [pdf, 58 KB] von Bund [Deza, Bafu, BAG, Seco], Eawag, VSA und GRESE





