Kein Glarner Mineralwasser vom Kloster Fahr
01. Juli 2008
Das Wasser der Quelle beim Kloster Fahr an der Limmat stamme möglicherweise aus den Glarner Alpen, haben Einheimische vermutet. Jetzt zeigen Wasserforscher der Eawag, dass sich diese Vermutung nicht erhärten lässt: Das Wasser kommt aus Gesteinsschichten der Umgebung.
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Neben
dem Kloster Fahr – einer Aargauer Enklave mitten im zürcherischen
Unterengstringen – entspringt eine stattliche Quelle. Ihr Wasser sprudelt
selbst nach langen Trockenzeiten immer noch kühl und ergiebig. Und weil dieses
Wasser nach Angaben von Einheimischen zudem ab und zu nach Schwefel riecht,
wurde spekuliert, es stamme aus den weit entfernten Glarner Alpen.
Wissenschafter vom Wasserforschungsinstitut Eawag wollten es genau wissen und
haben Wasserproben analysiert |
(im Bild die Entnahme von Proben aus dem Quellschacht; Foto: Daniel von Känel, Limmattaler Zeitung).
«Nur» 8 bis 9 Jahre im Untergrund
Umweltphysiker Rolf Kipfer hat das Alter des Quellwassers bestimmt. Genutzt hat er dazu die Tatsache, dass kleinste Spuren von Tritium und Helium im Wasser enthalten sind, deren Verhältnis sich in einer eindeutig definierten Rate verändert. 8 - 9 Jahre lautet das Resultat. So lange muss ein versickerter Regentropfen oder Wasser aus einem Bach im Boden und Gestein unterwegs gewesen sein, bis er bei Fahr wieder an die Oberfläche kommt. «Leider ist diese Zeit im Untergrund viel zu kurz, als dass das Wasser von den Alpen kommen könnte», sagt Kipfer.
Alle Indizien sprechen dieselbe Sprache
Parallel zur Altersbestimmung im Labor hat Hydrogeologe Eduard Hoehn überprüft, auf welchen Fliesswegen sich das Wasser im Untergrund bewegt haben könnte. Die Aufenthaltszeit lässt darauf schliessen, dass das Wasser in einem Umkreis von 1,5 bis 2 Kilometer um Weiningen versickert ist. Das ergibt eine Fliessgeschwindigkeit bis zum Kloster Fahr von rund einem Meter pro Tag – laut Hoehn «ein absolut plausibler Wert für Grundwasser in kiesig sandigem Lockergestein.» Mit 500 mg pro Liter entspricht auch der Gehalt an Mineralien einem typischen Wasser aus den hier liegenden eiszeitlichen Ablagerungen. Schliesslich haben die Forscher mit Hilfe der im Quellwasser gelösten Gase auf die Lufttemperatur beim Versickern geschlossen. Die errechneten 10°C entsprechen gut der mittleren Jahrestemperatur von Weiningen. Sämtliche Indizien zeigen also: Dass das Fahrer Wasser aus den Alpen kommt, ist unrealistisch.
Kein Mineralwasser und schon gar nicht aus den Glarner Alpen sprudelt bei Fahr. Würde sich eine Fassung der Quelle nicht dennoch lohnen, statt das Wasser wie heute ungenutzt in die Limmat zu leiten? «Für Trinkwasser nicht», sagt Hydrogeologe Hoehn, «mit der Autobahn, den Siedlungen und der Landwirtschaft in der Nähe der Quelle wäre es kaum möglich, die dafür nötigen, ausreichend grossen Grundwasserschutzzonen festzulegen.»

