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Eawag - Aquatic Research
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Ausbruch aus dem Elfenbeinturm belohnt

Ausbruch aus dem Elfenbeinturm belohnt

27. November 2008

Die Strategie der Eawag, zwischen Spitzenforschung und Praxis Brücken zu schlagen, trägt Früchte: Der mit 75'000 Franken dotierte Preis für transdisziplinäre Forschung geht an das Novaquatis-Projekt zur separaten Urinbehandlung der Eawag. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz zeichnen damit im Rahmen ihres «td-net for Transdisciplinary Research» das Engagement der Projektverantwortlichen aus. Sie haben umwelt-, ingenieur- und sozialwissenschaftliche Disziplinen eingebunden und früh über den Hochschulbereich hinaus mit der Praxis zusammengearbeitet.

tove judith interview

Die Idee an sich ist einfach: Urin macht nur 1% des Abwasservolumens aus, enthält aber bis 80% aller Nährstoffe. Wird er separat behandelt, können Kläranlagen verkleinert, der Gewässerschutz verbessert und Nährstoffe zurück gewonnen werden. Eine separate Behandlung von Abwasserströmen eröffnet neue Möglichkeiten. Vieles spricht also dafür, die NoMix-Technologie grossflächig einzuführen. Das gilt insbesondere für Schwellenländer wie China, wo Kanalisation und Kläranlagen mit der rasanten Entwicklung in den Städten gar nicht Schritt halten können und die Gewässerverschmutzung durch häusliche Abwässer ein verheerendes Mass angenommen hat.

So einfach das Rezept der Eawag-Forschenden tönt, es ist doch nicht selbstverständlich, dass es sich durchsetzt: Bestehende Systeme sind gebaut und lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen umkrempeln; die neuen Toiletten weisen noch Mängel auf; Leitungen können verstopfen, wenn sich Urinstein ablagert; die Sanitärindustrie sieht bisher wenig Marktpotenzial in der NoMix-Technologie und der aus Urin produzierte Dünger kann noch nicht mit dem billigen Kunstdünger konkurrenzieren. Es gibt also noch Hürden zu überwinden. Unterstützt vom Preisgeld wird daher weiter geforscht, welche Wege die besten Realisierungschancen und die beste Umweltverträglichkeit versprechen, um Urin dezentral aufzubereiten und die Nährstoffe konzentriert einer weiteren Verarbeitung zuzuführen. Für Tove Larsen, die heute zusammen mit Judit Lienert den Preis in Zürich im Rahmen der Transdisciplinary Conference 2008 entgegen nehmen durfte ist klar: «Dass wir Grüngut separat einsammeln, ist Standard. Da sollte es doch möglich sein, eines Tages auch die sechs Kilogramm Phosphorkonzentrat, die eine vierköpfige Familie pro Jahr produziert, separat weiterzuverarbeiten.»

Erneut wird diese Forschung in einem transdisziplinären Prozess angegangen. Für Co-Projektleiterin Judit Lienert einer der Pfeiler, auf denen die Arbeiten an der Eawag seit je stehen: «Probleme lassen sich nur unter Einbezug aller Akteure lösen. Dazu gehören Behörden, Ingenieurbüros, Partner aus der Industrie ebenso wie Konsumentinnen und Konsumenten», sagt sie.