Eawag News 73d
Eawag News 73d, Dezember 2012
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Editorial
Schneller, spezifischer, empfindlicher und komplexer
Rik Eggen
Fokus
«Wir müssen zu Umweltdaten leichter Zugang haben»
Janet Hering
Informationen über die Umwelt sind für die
Wissenschaft eine grundlegende Ressource. Im Zug der modernen
Informationstechnologien wurden noch nie so viele Umweltbeobachtungsdaten
erhoben wie heute. Allerdings seien viele Daten für Wissenschaft und Praxis nur
sehr eingeschränkt verfügbar, konstatiert Eawag- Direktorin Janet Hering. Sie
macht sich deshalb für einen freieren Zugang stark. [...] Interview:
Andres Jordi
Auf der Suche nach den Unbekannten
Heinz Singer
Organische Mikroverunreinigungen sind in
Gewässern generell unerwünscht. Sie können Gewässerorganismen bereits in sehr
niedrigen Konzentrationen schädigen. Bisherige Analysetechniken mussten sich
technikbedingt auf den Nachweis weniger, bekannter Substanzen beschränken. Mit
neuen Methoden lassen sich auch unentdeckte Stoffe erfassen. [...]
Was Isotope über Schadstoffe aussagen
Thomas Hofstetter
Das Schicksal organischer Mikroverunreinigungen
in Böden und Gewässern ist mit herkömmlichen Methoden schwierig zu verfolgen.
Die Einzelstoff-Isotopenanalyse ermöglicht es, die Isotopenzusammensetzung von
Schadstoffen zu untersuchen. Damit lassen sich zum Beispiel die Herkunft von
Geschirrspülmitteln nachweisen oder die Abbauwege von Sprengstoff bestimmen. [...]
Passiv Proben nehmen
Etiënne Vermeirssen
Passivsammler ermöglichen aussagekräftigere
Analysen von Chemikalienbelastungen in Fliessgewässern als einzelne Stichproben.
Die Methode eignet sich für eine räumlich und zeitlich differenzierte Erfassung
von Schadstoffeinträgen. Damit lassen sich auch Stoffe nachweisen, deren
Konzentrationen im Wasser unter der Bestimmungsgrenze liegen – zum Beispiel PCB
in der Birs. [...]
Silber verändert die Zellregulation
Smitha Pillai
Herkömmliche Methoden erfassen die Auswirkungen
von Umweltgiften auf Lebewesen oft nur ungenügend – insbesondere wenn diese in
geringen Konzentrationen auftreten. Abhilfe können die so genannten
Omik-Methoden schaffen. Mit ihnen lassen sich Effekte auf molekularer Ebene
nachweisen, etwa dass eine Silberbelastung bei Grünalgen die Genaktivität und
das Proteinprofil verändert. [...]
Der automatisierte Blick in den See
Francesco Pomati
Auch Algen haben einen Biorhythmus. Die
Verteilung ihrer Masse, aber auch ihre Artenvielfalt ändern sich im
Tag-Nacht-Wechsel ebenso wie über die Jahreszeit und die Seetiefe. Eine
schwimmende Messplattform der Eawag und der ETH Zürich, unterstützt vom Nationalfonds,
beschafft nun erstmals genügend hoch aufgelöste Daten, um dieser Dynamik und
den treibenden Kräften dahinter auf die Spur zu kommen. [...]
Die Vernetzung bestimmt die Artenvielfalt
Florian Altermatt
Fliessgewässer beherbergen eine hohe
biologische Diversität. Meist kommen in Unterläufen mehr Arten vor als in
Oberläufen, wobei in Letzteren die Artgemeinschaften unterschiedlicher sind.
Ein Experiment zeigt, dass solche Diversitätsmuster durch flusstypische
Netzwerkstrukturen entstehen können. Die Vernetzung von Flusslebensräumen
spielt also für den Erhalt der Artenvielfalt eine wichtige Rolle. [...]
Überdüngung in China - ein europäisches Déjà-vu
Michael Berg
Eine rasante wirtschaftliche Entwicklung und
ein starkes Bevölkerungswachstum führen im Haihe-Flusssystem bei Peking zu
einer massiven Überdüngung der Gewässer. Der Nährstoffeintrag erfolgt
hauptsächlich über das Abwasser. Zwar existieren mancherorts Kläranlagen, doch
viele arbeiten bereits heute über ihren Kapazitätsgrenzen oder eliminieren die
Nährstoffe mangelhaft. [...]
Die Rechnung nicht ohne den Menschen machen
Andres Jordi
Ökologische Probleme haben primär
gesellschaftliche Ursachen. Umweltforschung und -praxis tendieren aber noch
immer dazu, sie einseitig aus natur- und technikwissenschaftlicher Perspektive
anzugehen. Die Probleme auch aus sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln zu
betrachten, verspräche tragfähigere Lösungen. Diese Erkenntnis ist nicht neu,
braucht aber das Verständnis und den Willen aller Beteiligten. [...]
Neue
Abteilung Umweltsozialwissenschaften
(Interview mit Bernhard Truffer)
Im September 2012 hat die neue
Forschungsabteilung Umweltsozialwissenschaften ihre Arbeit aufgenommen. Damit
wolle die Eawag die langjährigen Erfahrungen in diesem Bereich zusammenführen, erklärt
Abteilungsleiter Bernhard Truffer.

