EAWAG news 53d (April 2002)
Risikofaktoren im Wasser (Gesamtes Heft)
Editorial
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Hans-Peter Kohler(hkohler@eawag.ch)
Leitartikel
Umgang mit Risikofaktoren
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Walter Giger (walter.giger@eawag.ch)
Die moderne Gesellschaft hängt stark von den verschiedensten Chemikalien ab. Dass viele von ihnen schwere Umwelt- und Gesundheitsschäden verursachen, wurde jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkannt. Erste Massnahmen bestanden darin, das Umweltrisiko für ausgewählte Chemikalien zu überprüfen, und je nach Ergebnis wurden in verschiedenen Staaten gesetzliche Regelungen eingeführt. Heute ist man sich einig, dass prinzipiell alle verwendeten Chemikalien beurteilt werden müssen. Dies ist jedoch aufgrund der grossen Anzahl von Stoffen nicht möglich. Deshalb wählt man mittels geeigneter Priorisierungsverfahren die besonders gefährlichen Chemikalien aus und unterzieht sie einer umfassenden Risikoanalyse. Seit einigen Jahren werden vermehrt Anstrengungen unternommen, das Schadstoffproblem auf internationaler Ebene zu lösen.
ForschungsberichteDie Strategie der OSPAR-Kommission gegen den Eintrag gefährlicher Stoffe in die Meere
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Heinz-Jochen Poremski, Suzanne Wiandt
Die Vertragsparteien der OSPAR-Konvention zum Schutz des Nordost-Atlantiks haben 1998 die Strategie gegen den Eintrag gefährlicher Stoffe in die Meere beschlossen. Sie hat zum Ziel, die Einträge gefährlicher Stoffe in die Meeresumwelt kontinuierlich zu reduzieren und binnen einer Generation ganz zu unterbinden. Hierzu entwickelte die OSPAR-Arbeitsgruppe DYNAMEC, ein transparentes und methodisch abgesichertes Verfahren zur Auswahl- und Priorisierung von gefährlichen Stoffen. Auf dieser Grundlage beschloss die OSPAR-Kommission bis heute, den Eintrag von insgesamt 42 prioritär gefährlichen Stoffen in die Meere bis zum Jahr 2020 zu beenden.Klärschlamm: Dünger oder Abfall?
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Franz X. Stadelmann
Die Verwertung von Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft ist umstritten. Wichtigster Nutzen der Klärschlammdüngung ist die Rückführung von wertvollen Pflanzennährstoffen vom Konsum- in den Agrarraum. Dagegen steht das Risiko, die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe in die Umwelt einzutragen. Deshalb gilt es, Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Kurzfristig sind nur noch die qualitativ besten Klärschlämme einzusetzen. Langfristig sind Systeme und Techniken zu entwickeln, die es erlauben, das Nachhaltigkeitsprinzip (Nährstoffrezyklierung) und das Vorsorgeprinzip (Umweltschutz) unter einen Hut zu bringen.Arsen im Trinkwasser - neuer Brennpunkt Vietnam
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Michael Berg (michael.berg@eawag.ch)
Arsen ist in einigen Ländern die wichtigste chemische Verunreinigung im Grund- und Trinkwasser. Besonders betroffen ist das Gebiet des Bengal-Deltas, wo 35 Mio. Menschen bereits seit 20-30 Jahren arsenhaltiges Wasser konsumieren und heute 1 Mio. Menschen an chronischer Arsenvergiftung leiden. Im Delta des Roten Flusses rund um die vietnamesische Hauptstadt Hanoi hat die EAWAG kürzlich ein weiteres Gebiet mit stark arsenbelastetem Grundwasser identifiziert. Im Extremfall ist in Vietnam die Belastung bis zu 300-mal höher als der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Richtwert von 10 µg Arsen pro Liter. Massnahmen zur Lösung des Arsenproblems umfassen die Entwicklung von kostengünstigen Nachweismethoden und Verfahren zur Arsenentfernung, aber auch die Information von Fachleuten und Beratung der politischen Instanzen.Arsen im Trinkwasser - auch ein Schweizer Problem?
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Hans-Rudolf Pfeifer und Jürg Zobrist (juerg.zobrist@eawag.ch)
In der Schweiz findet man vor allem im Jura und in den Alpen Gebiete mit erhöhten Arsengehalten. Durch Verwitterung und Erosion von arsenhaltigen Gesteinen gelangt Arsen in Böden, Sedimente und Gewässer. Im Trinkwasser wird der schweizerische Grenzwert von 50 µg Arsen pro Liter nicht überschritten. Hingegen werden in lokal begrenzten Gegenden in den Kantonen Tessin, Graubünden und Wallis Gehalte über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert für Trinkwasser von 10 µg Arsen pro Liter gefunden.Gefährdet der Benzinzusatz Methyl-tert-butylether (MTBE) das Grundwasser?
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Torsten Schmidt
Methyl-tert-butylether (MTBE) ist weltweit eine der wichtigsten synthetischen Chemikalien. Obwohl einfache Verteilungsmodelle voraussagen, dass MTBE sich überwiegend in der Atmosphäre aufhält, zeigt sich, dass MTBE in Analogie zu den chlorierten Lösungsmitteln vor allem eine Gefahr für das Grundwasser darstellt. An der EAWAG werden Eintragspfade und Langzeitverhalten dieser sehr mobilen und schlecht abbaubaren Substanz untersucht.Antibiotika: Kehrseite der Medaille
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Christa S. McArdell (christa.mcardell@eawag.ch)
In der Human- und Veterinärmedizin breit eingesetzte Antibiotika sind heute in Schweizer Abwässern und Gewässern nachweisbar. An der EAWAG durchgeführte Untersuchungen zeigen die unterschiedlichen Eintragspfade von Human- und Veterinärantibiotika in die aquatische Umwelt auf: Humanantibiotika findet man im Ablauf der Kläranlagen und in tieferen Konzentrationen auch in Oberflächengewässern. Sie werden in der Abwasserreinigung nicht vollständig entfernt und gelangen so in die Gewässer. Veterinärantibiotika dagegen findet man kaum in Kläranlagenabläufen, wohl aber in bestimmten Oberflächengewässern. Sie werden mit den tierischen Exkrementen und der Gülle direkt von den Feldern in die Gewässer geschwemmt. Noch unklar ist, welche Auswirkungen Antibiotika auf die aquatischen Ökosysteme und den Menschen - insbesondere im Hinblick auf die Verbreitung von Resistenzen - haben.Wie wirkt die Pille auf den Fisch?
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Marc J.-F. Suter (marc.suter@eawag.ch)
Stoffe mit estrogener Wirkung - so genannte Umwelthormone - werden heute unter anderem für die Verweiblichung männlicher Fische verantwortlich gemacht. Im Rahmen des EU-Programms COMPREHEND hat die EAWAG die Wirkung von Wasser aus Kläranlagenabläufen auf männliche Regenbogenforellen untersucht und dabei erhöhte Vitellogeninkonzentrationen festgestellt. Dieser Vorläufer des Eidotterproteins kommt in grossen Mengen natürlicherweise nur in weiblichen Fischen vor. Gleichzeitig wurden Wasserproben aus den Kläranlagenabläufen analysiert. Mittels chemischer Ultraspurenanalytik konnten in einigen Proben erhöhte Hormonkonzentrationen und mit Hilfe eines Hefetestsystems estrogene Aktivitäten nachgewiesen werden.Krankheitserreger im (Trink-)Wasser?
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Wolfgang Köster (wolfgang.koester@eawag.ch)
Trotz allgemein guter Trinkwasserqualität in den meisten Industrieländern gab es, verursacht durch mikrobiell kontaminiertes Wasser, in den letzten Jahren weltweit immer wieder «Unfälle» mit zum Teil epidemieartigen Krankheitsauswirkungen. Zur Kontrolle der mikrobiologischen Qualität des Trinkwassers wird routinemässig die Anzahl so genannter Indikatororganismen bestimmt. Dazu gehören z.B. harmlose Enterobakterien, die zur normalen Darmflora des Menschen und bestimmter Säugetiere gehören. Für einige in den letzten Jahren vermehrt auftretende Krankheitserreger ist das derzeitige Indikatorkonzept jedoch unzureichend. Molekulare Techniken, die auf biochemischen, genetischen und immunologischen Prinzipien basieren, gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Sie erlauben den selektiven Nachweis bestimmter Pathogene und sind zudem oft sensitiver und schneller als herkömmliche Kontrollmethoden.
Forum
Herausforderungen in der ökologischen Risikobeurteilung
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Joop Hermens
In ihrem Weissbuch «Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik» empfiehlt die EU, die mehr als 100 000 so genannten Altstoffe auf ihre Gefährlichkeit für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu überprüfen. Dafür gilt es Testmethoden sowie Modellierungs- und Screeningverfahren zu entwickeln oder bestehende Techniken zu verbessern. Darüber hinaus müssen dringend auch die Auswirkungen der Chemikalien auf Ökosysteme untersucht werden.In Kürze
Hannes Wasmer und sein Wirken an der EAWAG, Kurzmitteilungen
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Publikationen und Bücher
Wünsche und Anregungen sind an die EAWAG news Redaktion Martina Bauchrowitz zu richten.