EAWAG news 54d (Februar 2003)
Alpine Fliessgewässer (Gesamtes Heft)
Editorial (
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Alexander J.B. Zehnder
Leitartikel
Die Ökologie alpiner Fliessgewässer
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James V. Ward
Die raue Schönheit alpiner Lebensräume ist auf allen Kontinenten zu finden und fasziniert Geografen und Naturforscher seit jeher. Wissenschaftliche Arbeiten über alpine Tundren beschäftigten sich überwiegend mit Fragen zur Glaziologie, Hydrologie, terrestrischen Ökologie und Klimatologie, dagegen erhielt die Ökologie alpiner Fliessgewässer erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Deshalb initiierte die EAWAG eine umfassende Studie zur Ökologie alpiner Fliessgewässer mit Probenahmen über den gesamten Jahreszyklus. Unsere Ergebnisse zeigen, dass alpine Ökosysteme ein viel grösseres Mass an Heterogenität aufweisen als bisher angenommen, und dass die Dynamik der Auen und des Grundwassers eine wichtige Rolle für die Strukturierung der Lebensräume spielt. Optimale Bedingungen für die biologische Aktivität herrschen in Gletscherbächen vom Spätherbst bis in den Frühwinter.
ForschungsberichteGletscherbäche in der Schweiz: ein dominierendes Element alpiner Landschaften
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Christopher T. Robinson
Gletscherbäche sind wichtige Elemente der alpinen Landschaft in der Schweiz. Die wenigen bisher bekannten ökologischen Untersuchungen in Gletscherbächen wurden fast ausschliesslich während der Sommermonate durchgeführt und beschränkten sich meist nur auf einen Gletscherbach. Ziel unseres Projektes war es deshalb, die zeitliche und räumliche Variabilität verschiedener Gletscherbäche zu erfassen. Dazu wurden Gletscherbäche in den Schweizer Alpen ausgewählt und im Verlauf eines Jahreszyklus hinweg untersucht. Eines der wichtigsten Resultate ist, dass die biologische Aktivität im Herbst und Winter am höchsten ist und nicht wie erwartet im Sommer.Alpine Seeausflüsse: aussergewöhnliche alpine Gewässertypen?
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Mäggi Hieber
Fliessgewässer, die aus Seen austreten, sind einzigartige aquatische Ökosysteme, die sowohl von See- als auch von Bachorganismen besiedelt werden. In alpinen Gebieten können Seeausflüsse entweder rhithralen (gespeist durch Schneeschmelzwasser) oder kryalen (gespeist durch Gletscherschmelzwasser) Ursprungs sein. Obwohl alpine Seeausflüsse ein wichtiges Element alpiner Landschaften sind, ist erstaunlich wenig zur Ökologie dieser charakteristischen Fliessgewässersysteme bekannt. Untersuchungen der EAWAG haben gezeigt, dass sie sich wesentlich von Seeausflüssen tieferer Lagen und anderen alpinen Fliessgewässern unterscheiden.Val Roseg: eine glaziale Schwemmebene in den Schweizer Alpen
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Urs Uehlinger
Das obere Val Roseg in den östlichen Schweizer Alpen beherbergt ein hydro-morphologisch vielfältiges Flussökosystem, das stark durch den Abfluss des Roseg- und Tschiervagletschers geprägt ist. Das Val Roseg bietet einer ausgedehnten glazialen Schwemmebene Platz, die Gegenstand einer umfassenden Ökosystemstudie war.
Habitatdynamik in der Schwemmebene des Val Roseg
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Klement Tockner
Schwemmebenen sind sehr komplexe und dynamische, aber auch stark gefährdete Ökosysteme. Sie zeichnen sich durch eine hohe Habitatheterogenität aus und werden von einer Vielzahl von Organismen besiedelt, die an diese Heterogenität angepasst sind. In der proglazialen Schwemmebene des Val Roseg ergibt sich die Heterogenität aus der grossen Vielfalt an Gerinnetypen und dem ausgeprägten Expansions- und Kontraktionszyklus des gesamten Gewässernetzes.Dynamik organischen Materials in alpinen Fliessgewässern
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Urs Uehlinger
Benthische Algen und organisches Material, das aus der terrestrischen Umgebung eingetragen wird, bilden die Nahrungsgrundlage für die Konsumenten und Destruenten in Fliessgewässern. Beide Ressourcen sind im Einzugsgebiet des Val Roseg stark begrenzt. Experimente mit künstlich exponiertem Falllaub deuten jedoch darauf hin, dass das Potenzial, organisches Material umzusetzen, viel grösser ist als generell angenommen.Ökologische Zeitfenster in glazialen Fliessgewässerökosystemen
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Urs Uehlinger
In alpinen Gewässern und insbesondere Gletscherbächen herrschen fast während des ganzen Jahres harsche Umweltbedingungen. Nur kurze Zeit, nämlich nach Beginn und vor Ende der sommerlichen Gletscherschmelze, sind Abfluss-, Licht-, Temperatur- und Nährstoffbedingungen für benthische Lebensgemeinschaften relativ günstig.Biodiversität in der hyporheischen Zone eines Gletscherbachs
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Florian Malard
Ein wichtiger Lebensraum in Fliessgewässern ist die hyporheische Zone, die unterhalb des Bachbetts liegt und von einer charakteristischen Fauna besiedelt wird. Nur wenig ist jedoch über die hyporheische Zone in Gletscherbächen bekannt. Da die Lebensbedingungen im Gletscherbach sehr harsch sind, erwarteten wir, dass die hyporheische Zone wesentlich zur Diversität der Wirbellosenfauna beiträgt. Unsere Untersuchungen im Rosegbach zeigten, dass eine Reihe aquatischer Taxa permanent in der hyporheischen Zone vertreten sind. Weiter deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die hyporheische Zone der wichtigste Zuwanderungsweg stromaufwärts ist und als Reservoir für die Besiedelung von Lebensräumen an der Gewässersohle dient.Biodiversität der Wirbellosenfauna in Fliessgewässern des Val Roseg
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Peter Burgherr
Alpine Gletscherbäche sind häufige und prägende Elemente der Hochgebirgslandschaft. Wir bestaunen ihre wilde und ungezähmte Natur, sind uns aber kaum bewusst, dass diese harschen Lebensräume von einer vielfältigen und charakteristischen Fauna besiedelt werden. Doch ist die Biodiversität alpiner Fliessgewässer aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber klimatischen Veränderungen und dem stetig zunehmenden Druck durch mannigfaltige menschliche Aktivitäten stark gefährdet.Habitatfragmentierung und genetische Diversität
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Michael T. Monaghan
Die Fragmentierung natürlicher Lebensräume hat wichtige Konsequenzen für die Verbreitung von Organismen und die genetische Struktur der Populationen. In den letzten vier Jahren haben wir untersucht, wie sich die Fragmentierung alpiner Fliessgewässer durch natürliche Seen und künstliche Stauseen auf aquatische Insekten auswirkt. Dabei fanden wir, dass fragmentierte Populationen von Baetis alpinus genetisch unterschiedlich waren; jedoch nur dann, wenn geologisch alte Seen die Populationen trennten. Dagegen zeigten sich keine genetischen Unterschiede zwischen Populationen, die durch Stauseen getrennt waren; dies deutet daraufhin, dass die Zeitspanne seit Fragmentierung zu kurz war, um sich auf genetischer Ebene niederzuschlagen.Wie reagieren Fliessgewässer auf künstliche Hochwasser?
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Christopher T. Robinson
Staudämme verändern das Abflussregime und haben damit oft einen grossen Einfluss auf die Zusammensetzung und Dichte der Lebensgemeinschaft, die im darunter liegenden Fliessgewässer angesiedelt ist. Unsere Frage war deshalb, ob künstliche Hochwasser die ökologische Integrität der so beeinträchtigten Fliessgewässer verbessern können. Zu diesem Zweck wurden drei künstliche Hochwasser im Spöl unterhalb des Lago-di-Livigno-Stausees ausgelöst. Jeweils im Anschluss untersuchten wir die Algen- und Zoobenthospopulationen. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass künstliche Hochwasser die ökologische Situation an abflussregulierten Fliessgewässern verbessern können.Forum
Gewässerforschung im Schweizerischen Nationalpark
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Thomas Scheurer
Seit über 80 Jahren wird im Schweizerischen Nationalpark geforscht. Dabei interessierten sich vor allem Botaniker und Zoologen für dieses von menschlichen Eingriffen weitgehend unberührte Gebiet. Erst der Bau der Spölkraftwerke, bei dem der Spöl im Lago di Livigno aufgestaut wurde, rief auch die Limnologen auf den Plan. Weltweit einmalig ist das zur Zeit durchgeführte Projekt zur Revitalisierung des Spöl durch künstliche Hochwasser. Es hat zum Ziel, das Restwasserregime zu optimieren und den Spöl in einen möglichst ursprünglichen Zustand rückzuführen.
In Kürze
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Publikationen
Wünsche und Anregungen sind an die EAWAG news Redaktion Martina Bauchrowitz zu richten.