Abteilung Umweltsozialwissenschaften

Politik- und Entscheidungsanalyse in der Schweizer Pestizid Steuerung und
Regulierung

Pestizide werden weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt, um Ertrag und Erntequalität zu sichern. Die damit verbundenen Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt geben jedoch zunehmend Anlass zur Sorge. Die Verringerung der Risiken wird deshalb in der aktuellen Schweizer Wasser- und Landwirtschaftspolitik heiss debattiert. Die Steuerung und Regulierung des Pestizideinsatzes zur Verringerung der Risiken stellt ein komplexes sozio-ökologisches Entscheidungsproblem dar: Es gilt, zahlreiche Ziele wie z.B. die Versorgungssicherheit oder den Umwelt- und Gesundheitsschutz zu berücksichtigen. Um diese Ziele zu erreichen, gibt es wiederum verschiedene Politik- und Managementoptionen. Da nicht alle Optionen alle Ziele erreichen, sind Kompromisse zwischen den Zielen (sog. Trade-offs) nötig. Zudem sind verschiedene Akteure involviert, die unterschiedliche Werte und Präferenzen in Bezug auf Ziele und Optionen haben, – und letztlich existieren ebenso viele Unsicherheiten. Um solch anspruchsvolle Entscheidungsprobleme lösen zu können, müssen zugrunde liegende Faktoren und die Struktur von sozialen Netzwerken verstanden werden, welche die Entscheidungsfindung und somit effektive Steuerung und Regulierung beeinflussen.

In diesem Projekt analysieren wir, welche Akteure für die Entscheidungsfindung in der Steuerung und Regulierung von Pestiziden in der Schweizer relevant sind, welche Ziele verfolgt werden und welche Präferenzen und Risikoeinstellungen die Hauptakteure hinsichtlich der Erreichung dieser Ziele haben. Wir untersuchen, welche Faktoren zu Zusammenarbeit, Informationsaustausch, Einfluss und Konflikten zwischen den Akteuren führen und wie sich dies auf Entscheidungen bzgl. der Steuerung und Regulierung von Pestiziden auswirkt. Zudem analysieren wir, welche Rolle Präferenzen, Risikoeinstellungen und Einfluss der Akteure bei der Suche nach Konsens-Optionen spielen. Wir möchten gegenwärtige bzw. zukünftige Optionen finden, die für viele verschiedene Akteure auf unterschiedlichen Ebenen und aus verschiedenen Sektoren am besten geeignet sind. Dabei werden wir sowohl die Präferenzen und Risikoeinstellungen der Akteure als auch wissenschaftliche Erkenntnisse und Vorhersagen von Expertinnen über die Auswirkungen der Optionen berücksichtigen.

Das Projekt folgt dem Prozess einer multikriteriellen Entscheidungsanalyse (engl.: «Multi-Criteria Decision Analysis»; MCDA) und baut auf Theorien der Politikanalyse wie dem «Advocacy Coalition Framework» (ACF) auf. Qualitative und quantitativere Methoden, die ihren Ursprung in der Politik- und Entscheidungsanalyse haben, werden kombiniert. Das Projekt beinhaltet daher Akteursanalysen, Soziale Netzwerkanalysen (SNA), Umfragen und Workshops. Es bedient sich der multi-attributiven Werte-Theorie, bzw. Nutzen-Theorie (engl.: «Multi-Attribute Value / Utility Theory»; MAVT / MAUT) und erforscht Verhaltensaspekte (engl.: «Behavioral Operational Research»; BOR). So werden u.a. Entscheidungen und deren Verzerrungen im Gruppenkontext untersucht. Mit diesem Projekt wollen wir zu einem besseren Verständnis des Entscheidungsproblems in der Steuerung und Regulierung von Pestiziden in der Schweiz beitragen und Perspektiven zur Verringerung der Pestizidrisiken in der Landwirtschaft aufzeigen.

Dieses Dissertationsprojekt ist Teil des TRAPEGO Projekts.

Team

Milena WigetDoktorandinTel. +41 58 765 6749E-Mail senden
Dr. Judit LienertGroup Leader, Cluster: DA (Decision Analysis)Tel. +41 58 765 5574E-Mail senden
Prof. Dr. Karin IngoldGruppenleiterin, Cluster: PEGOTel. +41 58 765 5676E-Mail senden

Kontakt

Milena WigetDoktorandinTel. +41 58 765 6749E-Mail senden

Projektinformationen

Projektstart: Februar 2021
Projektdauer: 4 Jahre