Biodiverse und Klimaresiliente Seen: KlimBioS


Seen sind ein wichtiger Teil des Kultur- und Naturerbes der Schweiz sowie bedeutende Hotspots der Biodiversität. Das Bundesgesetz schreibt vor, dass Seen als naturnahe Lebensräume erhalten bleiben müssen, weshalb zahlreiche Massnahmen zur Verbesserung ihres Zustands ergriffen wurden. Dennoch erfüllen fast 40% der grossen Seen der Schweiz noch immer nicht die gesetzlichen Anforderungen, und viele Uferbereiche befinden sich weiterhin in einem schlechten morphologischen Zustand. Zusätzliche Belastungen durch den Klimawandel und die Energieerzeugung sowie invasive Arten wie die Quagga-Muschel bedrohen diese Ökosysteme zusätzlich.

Historischer und politischer Hintergrund

Auf Bundesebene legen das Gewässerschutzgesetz (GSchG) und die Gewässerschutzverordnung (GSchV) die Ziele für den Erhalt der Seen als geeignete Lebensräume für naturnahe Gemeinschaften von Flora und Fauna fest. Sie spezifizieren Zielwerte für Wasserqualitätsparameter, darunter die Sauerstoffkonzentration in der Wassersäule und das Niveau der Primärproduktion (Aufbau von Biomasse).

Seit dem Höhepunkt der Seen-Eutrophierung (übermässige Nährstoffbelastung) in den 1970er Jahren wurden zahlreiche Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität umgesetzt. Die daraus resultierende Verringerung der Phosphatbelastung führte in vielen Seen zu einer Re-Oligotrophierung (Reduzierung des Nährstoffgehalts) und somit zu einer Verbesserung der Wasserqualität.

Dennoch sind die gesetzlichen Anforderungen (mindestens 4 mg/L Sauerstoff im ganzen Wasserkörper und höchstens mittlere Primärproduktion) und die damit verbundenen Nährstoffziele in fast 40% der grossen Seen nicht vollständig oder nur dank künstlicher Belüftung erfüllt.

In weiteren 15 % der Seen ist unklar, ob die tiefen Sauerstoffkonzentrationen natürlichen Verhältnissen entsprechen.

Bei grösseren Seen ist zudem mehr als die Hälfte der Ufer verbaut und befindet sich in einem morphologisch schlechten Zustand.

Programmziele: Aktualisierung der Empfehlungen zum Seemanagement

Damit die Schweizer Seen auch in Zukunft artenreich und widerstandsfähig bleiben, muss das Seemanagement den neuen Herausforderungen angepasst werden. Vor diesem Hintergrund verfolgt das gemeinsame Forschungsprogramm KlimBioS (Abb. 1), geleitet von der Abteilung Wasser des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der Eawag, folgende Ziele:

  1. Zustandsbeschreibung: Bewertung des aktuellen Zustands der 25 grössten Schweizer Seen sowie der wichtigsten Typen von Kleinseen
  2. Handlungsempfehlungen: Erarbeitung wissenschaftlich fundierter und vollzugsorientierter Empfehlungen für biodiverse und klimaresiliente Seen in den vier Bereichen:
    • Wasserqualität
    • Biodiversitätsmonitoring und Beurteilung des Seezustands
    • Revitalisierung von Seeufern
    • Nachhaltige Fischerei

Im Rahmen von KlimBioS werden dazu zahlreiche Projekte und Aktivitäten durchgeführt, die bestehendes Wissen bündeln, neue wissenschaftliche Grundlagen schaffen und den Austausch zwischen Forschung und Vollzug fördern.

KlimBioS ist Teil der zweiten Phase des Aktionsplans Biodiversität Schweiz, Massnahme 2: «Biodiverse und resiliente Seen im Klimawandels» und wird in enger Zusammenarbeit mit der Konferenz der Umweltämter (KVU), den Kantonen und weiteren Akteuren des Seenmanagements durchgeführt.

Dialog und Zusammenarbeit mit Interessengruppen

KlimBioS legt grossen Wert auf den kontinuierlichen Austausch mit Fachpersonen aus der Praxis, um vollzugsrelevante Prioritäten zu definieren und wirksame Umsetzungsstrategien zu entwickeln.

Das Programm stützt sich auf das Fachwissen der Eawag-Forschungsgemeinschaft für Seen, anderer Schweizer Forschungseinrichtungen, kantonaler und eidgenössischer Behörden sowie weiterer gesellschaftlicher Akteure, die für die Bewirtschaftung und den Erhalt von Seen zuständig sind. Dazu gehören:

Organisation

Steuerung

BAFU: P. Eschmann, C. Leu
Eawag: C. Stamm, S. Hoffmann
Kantone: C. Minkowski (BE), S. Haertel-Borer (SG), N. Solcà (TI), D. Thiel (TG)

Führung

BAFU: B. Lundsgaard-Hansen, C. Dönz
Eawag: A. Narwani, M. Schmid
Praxisbeirat: Je 1 bis 2 (Leitungs-)Personen aus den vier Bereichen

Ausführung & Begleitung

Programmkoordination & Integration
Leitung: D. Knapp (Eawag)

Begleitgruppe Wasserqualität & Monitoring
Leitung: Y. Schindler und B. Lundsgaard-Hansen (BAFU)
Kombiniert mit Begleitgruppe NFP 82
Fachpersonen aus Kantonen und Wissenschaft

Begleitgruppe Fischerei
Leitung: C. Dönz (BAFU)
Fachpersonen aus Kantonen und Wissenschaft

Begleitgruppe Revitalisierung
Leitung: G. Thomas (BAFU)
Fachpersonen aus Kantonen und Wissenschaft

Programm Koordination

Dr. Deborah Knapp Programmkoordination & Integrations Leitung +41 58 765 5293 E-Mail senden

Programm-Leitung

Dr. Christian Stamm Stellvertretender Direktor +41 58 765 5565 E-Mail senden
Dr. Sabine Hoffmann Gruppenleiterin, Gruppe: ITD +41 58 765 6818 E-Mail senden