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Grundwasser aus dem Karst punktuell stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet

4. August 2026 | Julia Schindlbauer

Pflanzenschutzmittel können ins Grundwasser und weiter ins Trinkwasser gelangen – mit negativen Wirkungen auf Mensch und Umwelt. Grundwasser in Karstgebieten ist aufgrund der dünnen Bodenschicht besonders anfällig für Verunreinigungen. Eine Studie mit stark erhöhter Messfrequenz zeigt nun, dass das Grundwasser aus Karstquellen im Jura besonders nach Regenfällen stark belastet sein kann. Bis zu sechs Prozent der Trinkwasserproben aus dem Schweizer Jura könnten über dem Grenzwert liegen.

Rund 18 Prozent des Schweizer Grundwassers kommt aus Karstgrundwasserleitern, hauptsächlich im Jura und in den Alpen.  Obwohl diese Regionen auf Grund ihrer Topografie und ihrer Bodenbeschaffenheit weniger intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, gibt es auch dort Flächen, wo intensiver Pflanzenbau betrieben wird. Bei einer solchen landwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere im Ackerbau und in Spezialkulturen wie Obst- und Weinbau, werden häufig Pflanzenschutzmittel (PSM) eingesetzt. Gelangen sie ins Grundwasser, können sie bereits in geringen Mengen Mensch und Umwelt schädigen.

Normalerweise wirkt die Erdschicht als natürlicher Schutzfilter, der Chemikalien zurückhalten kann. In Karstgebieten mit ihren nur dünnen Deckschichten und lokalen Schluckstellen kann Niederschlagswasser jedoch rasch und nahezu ungefiltert – über Spalten und Höhlen - ins Grundwasser gelangen.

Starke Schwankungen und erhöhte Werte nach Regenfällen

Im Rahmen seiner vom Bundesamt für Umwelt finanzierten Doktorarbeit konnte Johannes Schorr vom Wasserforschungsinstitut Eawag teilweise stark erhöhte Pflanzenschutzmittel-Rückstände mit extremen Konzentrationsschwankungen im Karst nachweisen. Zeitlich hochfrequente Messungen mit dem an der Eawag entwickelten mobilen und automatisierten Massenspektrometers MS2field zeigten, dass insgesamt elf Pflanzenschutzmittel an zwei Karstquellen im Schweizer Jura den Grenzwert von 0,1 µg/l zeitweise deutlich überschritten. Zwar wurde diese erhöhte Belastung nur nach starken Regenfällen und nur kurzfristig nachgewiesen, doch unterstreichen diese Ergebnisse die besondere Anfälligkeit von Karstquellen. Die Schwankungen liessen sich dank der hohen Frequenz von Probenentnahmen, alle 20 Minuten beziehungsweise alle zwei bis drei Stunden, nachweisen. In den üblicherweise genommenen Stichproben oder über mehrere Tage oder sogar Wochen gemittelten Sammelproben, sind solche Konzentrationsspitzen oft nicht ersichtlich.

Um die Ergebnisse auf den gesamten Jurabogen übertragen zu können, wurden vom Schweizerisches Institut für Speläologie und Karstforschung anhand von Vulnerabilitätskriterien und der landwirtschaftlichen Nutzung Hochrechnungen vorgenommen. Die Berechnungen deuten darauf hin, dass ein bis sechs Prozent der Trinkwasserfassungen im Schweizer Jura ein potenzielles Risiko für eine erhöhte Belastung durch Pflanzenschutzmittel aufweisen.

Nationale Grundwasserbeobachtung zu Qualitätssicherung

Um die Qualität des Schweizer Grundwassers zu sichern, werden Pflanzenschutzmittel und ihre Um- oder Abbauprodukte – welche teilweise ebenso problematisch sein können – von der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA ein- bis vier-mal im Jahr an rund 550 Messstellen im Land untersucht. Die vom Bundesamt für Umwelt finanzierte Pilotstudie «Pflanzenschutzmittel-Rückstände im Karst» sollte in den Jahren 2021 und 2022 prüfen, ob die derzeitige Beobachtungsstrategie auch im Karst geeignet ist. Die nun in der Zeitschrift «Aqua & Gas» publizierten Ergebnisse zeigen, dass das heutige NAQUA Langzeitmonitoring zumindest für diese Region und ihre Beschaffenheit ungenügend ist.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass Karstquellen nach starken Regenereignissen besonders genau überwacht werden sollten. Gezielte Stichproben nach starken Regenereignissen könnten helfen, Belastungsspitzen an Karstquellen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung zu erkennen», sagt Juliane Hollender, Gruppenleiterin der Abteilung Umweltchemie an der Eawag.
 

Der an der Eawag entwickelte mobile und automatisierte Massenspektrometer MS2field ist schweizweit im Einsatz. (Fotos: Eawag [1,2] und Jean Fernex [3])


Titelbild: Schweizer Karstlandschaft. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der dünnen Erdschicht kommt Regenwasser hier schnell und ohne natürlichen Filter ins Grundwasser. (Foto: Adobe Stock)
 

Originalpublikation

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         cides and their transformation products. To date, continuous, temporally hig
         hly resolved in-situ monitoring to decipher concentration dynamics for a bro
         ad range of pesticides is missing. Therefore, a transportable HPLC-HRMS/MS s
         ystem (MS<sup>2</sup>field) was positioned at two karst study sites in the S
         wiss Jura. Water samples were collected and analyzed for pesticides and thei
         r transformation products in-situ every 20 min for 6 weeks in 2021 and 8 wee
         ks in 2022. During the spraying season in 2021, six rain events at site 1 an
         d three at site 2 in 2022 were captured. Concurrently, the water quality par
         ameters electrical conductivity, pH, nitrate, turbidity, and water level, we
         re monitored continuously at high temporal resolution. Further, bacterial ce
         ll counts were monitored via online flow cytometry.<br />In 2021, several pe
         sticides and pesticide transformation products were detected in peak concent
         rations after rain events, of which metamitron showed the highest concentrat
         ion of up to 1000 ng/L. In one rain event, the Swiss federal and EU drinking
          water limit of 100 ng/L was exceeded for up to 38 h. Compared with highly f
         requent MS<sup>2</sup>field samples collected every 20 min, 42-hours composi
         te samples severely underestimated peak concentrations for all compounds, es
         pecially for labile ones. Therefore, it was demonstrated that exceedences of
          the regulatory limit would have been missed if just composite sampling woul
         d have been conducted. Peak concentrations of pesticides coincided with peak
         s in nitrate concentration and bacterial cell counts following rain events.
         The correlation analysis showed strong correlations between the three analyz
         ed contaminants (pestici...
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Schorr, J.; Jud, F.; la Cecilia, D.; Beck, B.; Longree, P.; Singer, H.; Hollender, J. (2024) Tracing pesticide dynamics: high resolution offers new insights to karst groundwater quality, Water Research, 267, 122412 (11 pp.), doi:10.1016/j.watres.2024.122412, Institutional Repository

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