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Sichere Trinkwasserversorgung senkt Durchfallerkrankungs-Risiko

3. Juni 2026 | Cornelia Zogg

Durchfallerkrankungen kosten global pro Jahr fast eine halbe Million Leben, oft ausgelöst durch verunreinigtes Trinkwasser. Die Vereinten Nationen haben sich im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDG) zum Ziel gesetzt, Trinkwasser für alle verfügbar zu machen. Um Durchfallerkrankungen bei Kindern zu verringern, genügt allein der Zugang zu einer Trinkwasserversorgung jedoch nicht, wie eine Studie der Eawag verdeutlicht.

Eine Studie des Wasserforschungsinstituts Eawag zeigt, welche Aspekte einer sicheren Wasserversorgung bei der Reduktion von Durchfallerkrankungen bei Kindern in Ländern des Globalen Südens am wichtigsten sind. Sichere Wasserversorgung bedeutet, dass das Wasser von einer Quelle stammt, die bewirtschaftet wird und die im Rahmen der SDG definierten Kriterien für sogenanntes «Safely Managed Drinking Water» (SMDW) erfüllen. «Das Risiko einer Durchfallerkrankung sinkt signifikant, wenn alle SDG-Kriterien einer sicheren Trinkwasserversorgung erfüllt sind», erklärt Esther Greenwood, Forscherin in der Eawag-Abteilung Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung.

Die Daten, die Esther Greenwood und Tim Julian, Forscher in der Eawag-Abteilung Umweltmikrobiologie, gemeinsam mit einem internationalen Team analysierten, stammen von Haushaltsbefragungen von UNICEF und umfassen Informationen von 26'796 Haushalten in Afrika, Asien und Amerika. 27% aller Kinder wohnten in einem Haushalt mit einer Trinkwasserversorgung, welche alle SMDW-Kriterien erfüllt. Wasser gilt gemäss der Vereinten Nationen als sicher verwaltet, wenn es von einer Trinkwasserstelle stammt, die konstruktionsbedingt vor Verunreinigungen von aussen schützt, vor Ort (zu Hause) verfügbar und frei von Verunreinigungen durch Fäkalien und Chemikalien ist.  Zudem muss das Wasser dann verfügbar sein, wenn es gebraucht wird – sei es durch eine Wasserquelle direkt vor Ort oder in Form von ausreichenden Wasservorräten.

Unterschiedliche Faktoren begünstigen Erkrankungen

Wird eines dieser Kriterien nicht erfüllt, kann das Risiko für Durchfallerkrankungen bei Kindern ansteigen – aus mehreren Gründen, wie die Forschenden feststellten. «Den grössten Einfluss hat, ob bei Bedarf ausreichende Wassermengen verfügbar sind», so Greenwood. Ist Wasser beispielsweise nur zu bestimmten Tageszeiten oder nur saisonal verfügbar, steigt das Risiko von Erkrankungen. «Wir gehen davon aus, dass die Verfügbarkeit dazu führt, dass sich Personen beispielsweise häufiger die Hände waschen können», erklärt die Forscherin. Allgemein verbessert die Verfügbarkeit von Wasser im Haushalt die hygienischen Bedingungen markant. Ebenfalls deutlichen Einfluss zeigt der Ort der Konsumation. Verschmutzungen von E. coli sind massiv höher im gespeicherten Trinkwasser im Haushalt als direkt an den Trinkwasserzapfstellen. Das weist darauf hin, dass allenfalls Transportcontainer oder Lagerung des Wassers zu stärkerer Kontamination beitragen.

Daten als Entscheidungshilfe

Diese Studie ist die erste länderübergreifende Untersuchung zu den Auswirkungen von sicherem Wasser – im Sinne der SDG – auf Durchfallerkrankungen bei Kindern. Frühere Untersuchungen, die die Bedeutung der Wasserqualität für Durchfallerkrankungen hervorgehoben haben, stützten sich auf weniger umfassende Definitionen von sicherem Wasser oder wurden nur in einer Region oder einem Land durchgeführt. Der Zusammenhang zwischen Durchfallerkrankungen und verschmutztem Wasser ist grundsätzlich also keine bahnbrechende Neuheit, doch: Viele Länder erfüllen die Kriterien der SDG-definierten Qualitätsmerkmale für eine sicher bewirtschaftete Trinkwasserquelle noch nicht. Dafür sind meist hohe Investitionen notwendig. Um diese Investitionen zu rechtfertigen, sind Daten zwingend.

«Wir konnten nachweisen, dass die Nutzung eines höheren Versorgungsniveaus bei Trinkwasser einen Einfluss auf die Gesundheit hat», so Esther Greenwood. «Die nun vorliegende Datenlage kann Verantwortlichen dabei helfen, mögliche Massnahmen oder Investitionen zu priorisieren». Denn die Studie zeigt: Zugang zu Wasser allein ist ein guter Ansatz, aber längst nicht ausreichend. Es ist aus gesundheitlicher Sicht zwingend, nicht nur Zugang zu einer Trinkwasserversorgung zu stellen, sondern dafür zu sorgen, dass es den Kriterien von «Safely Managed Drinking Water» (SMDW) entspricht: Frei von Verunreinigung, gut erreichbar und mit ausreichenden Wasservorräten verfügbar. Zudem sind Optimierungen in Transport und Lagerung notwendig.
 

Auch der Klimawandel spielt eine Rolle

«Unsere Ergebnisse vermitteln ein realistischeres Bild davon, in welchem Umfang gesundheitliche Vorteile zu erwarten sind, wenn die Ziele des SDG 6.1 erfüllt werden», so Greenwood. Was die Auswirkungen einer sicheren Trinkwasserversorgung auf die Gesundheit betrifft, spielt auch der Kontext eine Rolle. Die Forschenden bemerkten einen Zusammenhang zwischen Durchfallerkrankungen und Klima – sei es aufgrund der wechselnden Jahreszeiten oder der sich verändernden Bedingungen durch den Klimawandel. Die Vorteile einer sicheren Wasserversorgung waren in tropischen Regionen ausgeprägter und der Schutz in der Übergangsphase von Trocken- zu Regenzeit geringer. Der Zusammenhang zwischen Trinkwassersicherheit und Klima ist ein Forschungsgebiet, das Greenwood im Rahmen ihrer Forschung nun weiterverfolgt. Kürzlich wechselte sie von der Eawag-Abteilung Umweltmikrobiologie zur Abteilung Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung, wo sie wo sie in der Gruppe für öffentliche Gesundheit, Infrastruktur und Klima unter der Leitung von Karin Gallandat weiter an möglichen Zusammenhängen von Trinkwasser- und Sanitärversorgung, Gesundheit und Klima forscht.
 

Publikation

Safely managed drinking water service useand child diarrhoea based on evidence from24 countries, Esther E. Greenwood, Mathilda Freymond, Andreas Scheidegger, Thomas Lauber, Kamshat Tussupova, Amy J. Pickering & Timothy R. Julian, Nature Water (2026)
 

Titelbild: Copyright: Jess MacArthur, Eawag