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Grüne und blaue Nahrungsnetze sind unterschiedlich geknüpft
7 novembre 2022 |
Biodiversität geht nicht nur aus der Summe aller vorkommenden Arten hervor, sondern vielmehr aus den Interaktionen zwischen den Arten. Die grundlegendste Form der Interaktion ist die Fressbeziehung. Zeichnet man alle Fressbeziehungen zwischen den Arten eines Ökosystems auf, entsteht ein mehr oder weniger dichtes und komplexes Netzwerk, ein sogenanntes Nahrungsnetz. Dass sich Nahrungsnetze unterscheiden, wird beim Blick auf terrestrische (grüne) und aquatische (blaue) Ökosysteme deutlich – in einem Fluss leben schliesslich andere Artengemeinschaften als auf einer Wiese. «Diese Feststellung wirkt auf den ersten Blick banal», sagt Florian Altermatt, Professor für Aquatische Ökologie an der Universität Zürich und Gruppenleiter an der Eawag. «Tatsächlich aber wussten wir bisher nur wenig darüber, wie grüne und blaue Nahrungsnetze aufgebaut sind, welche Unterschiede sich in ihren Strukturen zeigen und ob sie anders auf Landnutzung und Klimaeinflüsse reagieren.» In bisherigen Studien wurden Nahrungsnetze entweder nur begrenzt auf einen bestimmten Standort oder isoliert für eine bestimmte Tier- oder Pflanzenart untersucht – eine grossflächige, viele Arten umfassende Analyse fehlte bisher.
Diese Lücke wollten Altermatt und Eawag-Postdoktorand Hsi-Cheng Ho gemeinsam mit Forschenden der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, der ETH Zürich sowie der Universitäten Bern und Zürich schliessen. Im Rahmen der Forschungsinitiative Blue-Green Biodiversity untersuchten sie erstmals für ein grosses, zusammenhängendes Gebiet – die Landesfläche der Schweiz – wie grüne und blaue Nahrungsnetze aufgebaut sind und wie sie sich als Reaktion auf klimatische und menschliche Einflüsse verändern.