Abteilung Fischökologie & Evolution

Projet Lac - den Fischen in unseren Seen auf der Spur

Ein Inventar der Schweizer Fischfauna

Ein Inventar der Schweizer FischfaunaFast zwei Drittel der einheimischen Fischarten sind vom Aussterben bedroht. Um die aquatische Artenvielfalt und die nötigen Lebensräume zu erhalten oder gezielt aufzuwerten, ist eine Bestandesaufnahme der bestehenden Arten in den Schweizer Seen notwendig. Die Eawag und ihre Partner, das Bundesamt für Umwelt (BAFU), die Fischereibehörden der Kantone Waadt, Freiburg, Bern, Neuenburg, Graubünden, Tessin, Genf und Wallis und das Office national des eaux et des milieux aquatiques (ONEMA), Fédération de pêche du Doubs et du Jura in Frankreich führen im Projet Lac daher zum ersten Mal eine standardisierte Inventur der Fischfauna der tiefen voralpinen Seen durch.

Ziele

Das Projet Lac ist ein wichtiges Forschungsprojekt, es liefert aber auch wichtige Daten für die Praxis. Die Ziele von Projet Lac sind

  • Erfassung der Artenvielfalt und innerartliche Vielfalt der Fische in den Schweizer Seen
  • Korrelation und Auswertung von aktuellen und historischen Umweltdaten, um Schlüsselfaktoren für die Entwicklung von Artenvielfalt zu ermitteln
  • Beiträge zu einer nationale Monitoringstrategie für Seen (z.B. Modulstufenkonzept für Seen)
  • Bildung einer Referenzsammlung im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern und in der Eawag als Basis für zukünftige Forschung
  • Publikation der wissenschaftlichen Erkenntnisse für angewandte Fragestellungen im Bereich der Ökologie- und Evolutionsforschung
  • Annäherung von Forschung und Praxis auf dem Gebiet des Artenschutzes und des Managements von Fischbeständen
  • Zur Verfügung stellen von Daten über der aktuellen ökologischen Status der untersuchten Seen mit speziellen Fokus auf Fischbestände

Information

Befischung

Räumlich zufällige Verteilung der Befischung

Vertikale und horizontale Multimaschennetze ( = Netze mit verschiedenen, normierten Maschenweiten ) werden in Übereinstimmung mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie in allen Tiefen gesetzt. So sind die Resultate aus dem «Projet Lac» mit denen aus dem EU Raum vergleichbar und es lassen sich daraus Zusammenhänge mit dem Habitat ableiten.

Biometrie

Alle gefangenen Fische werden vermessen, gewogen und für morphologische Messungen fotografiert. Zudem werden spezielle Merkmale beschrieben und Gewebeproben für genetische und ökologische Analysen zurückbehalten. Sämtliche Daten kommen in eine Datenbank, die mit dem Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna koordiniert ist. Nach Abschluss des «Projet Lac» werden alle Daten frei zugänglich sein

Referenzsammlung

Mindestens 30 Individuen pro Art und pro See werden für eine dauerhafte Lagerung im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern präpariert. Sie bleiben so für künftige Forschungsprojekte erhalten.

Hydroakustik

Sowohl tags- als auch nachtsüber werden Hydroakustik Aufnahmen gemacht. Der See wird dabei in regelmässigen Abschnitten abgefahren. Das ermöglicht es, die Fischbiomasse abzuschätzen, ohne dass Fische gefangen werden.

Publikationen

Ein Ziel von Projet Lac ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnissen in Form von Publikationen in Fachmagazinen zu veröffentlichen. Daneben werden die wichtigsten Ergebnisse auch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Alexander,T.J.; Vonlanthen,P.; Périat,G.; Degiorgi,F.; Raymond,J.C.; Seehausen,O. (2015) Estimating whole-lake fish catch per unit effort, Fisheries Research, 172, 287-302, doi:10.1016/j.fishres.2015.07.024, Institutional Repository
Alexander,T.J.; Vonlanthen,P.; Périat,G.; Degiorgi,F.; Raymond,J.C.; Seehausen,O. (2015) Evaluating gillnetting protocols to characterize lacustrine fishcommunities, Fisheries Research, 161, 320-329, doi:10.1016/j.fishres.2014.08.009, Institutional Repository

Berichte