Infotag

Der Eawag-Infotag beleuchtet jährlich ein aktuelles Forschungsthema. Er richtet sich an alle Interessierten, besonders an Fachleute aus der Praxis. Forschende der Eawag sowie externe Fachleute geben Einblicke in ihre Arbeit und aktuelle Entwicklungen. Die Veranstaltung dient dem Austausch zwischen Forschung und Praxis und bietet Gelegenheit zu Diskussionen und Gesprächen.

Infotag 2026

Energie - Wasser - Zukunft

Die Rolle des Wassers in der Energiewende


Dienstag, 8. September 2026, Verkehrshaus Luzern

Mit der Energiewende soll eine Abkehr stattfinden von fossilen Energieträgern. Damit verknüpft ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien, auch der Wasserkraft. Doch diese ist in der Schweiz bereits stark ausgebaut und neben der Klimakrise als wichtigstem Auslöser für die Energiewende sind wir auch mit einer Biodiversitätskrise konfrontiert. Beiden Herausforderungen gleichzeitig zu begegnen, führt zu Konflikten, die sich an den Gewässern besonders ausgeprägt zeigen. Auch Netto-Null-Strategien, der Abbau von für die Wende kritischen Rohstoffen oder die Nutzung der Geothermie können sich auf das Wasser auswirken. Die Eawag-Forschung trägt dazu bei, diese Zielkonflikte transparent zu machen und um faktenbasiert an Lösungen arbeiten zu können. Für die Politik liefert sie Entscheidungsgrundlagen, für ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entscheidungen.

infotag@eawag.ch

zur Anmeldung

Programm Infotag 2026

Die Sprache der Vorträge ist jeweils angegeben: Deutsch (D), Französisch (F)  

ab 9:00 Registrierung, Kaffee und Gipfeli
09:30 Begrüssung (D)
Prof. Dr. Martin Ackermann, Direktor Eawag
09:35 Moderation
Dr. Manuel Fischer, Umweltsozialwissenschaften
Andri Bryner, Kommunikation (D)
09:40 Die Rolle des Wassers in der Energiewende (Einleitung, D)
Dr. Christian Stamm, Stellvertretender Direktor der Eawag


Forschen für eine nachhaltige Nutzung der Wasserkraft

10:00 Wie Fische Wehre überwinden und wo sie aufgeben (D)
Dr. Jakob Brodersen, Dr. Sara Süess, Abt. Fischökologie und Evolution
Fische wollen zu ihren Laichgründen wandern oder kühlere Zonen aufsuchen, wenn das Wasser im Sommer zu warm wird. Doch über 100'000 Wehre und andere Querbauwerke erschweren dies in den Schweizer Flüssen. Im Projekt Flussfischwanderung untersucht die Eawag zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt und kantonalen Fischereifachstellen die Fischbewegungsmuster im Aare-Rhein-System. Der Vortrag stellt erste Antworten dazu vor, wie sich solche Muster mit dem Klimawandel verändern und welchen Einfluss die künstlichen Barrieren haben.
10:20 Kluge Standortwahl für Wasserkraftwerke kann Lebensräume erhalten (D)
Dr. Philipp Falke, Dr. Martin Schmid, Dr. Katharina Lange, Abteilung Oberflächengewässer
Kraftwerke fragmentieren Gewässernetzwerke. Doch es gibt Standorte, welche die Vernetzung der Lebensräume mehr und solche, die sie weniger beeinflussen. Ein neuer Modellansatz zur Standortwahl von Kraftwerken in einem Einzugsgebiet unterstützt dabei, einen möglichst guten Kompromiss zwischen Investitionskosten, Energieproduktion und regionalen ökologischen Auswirkungen zu finden. Er ist sowohl bei der Evaluation von Neubauprojekten wie auch bei der Priorisierung des Rückbaus als ökologische Ausgleichsmassnahme anwendbar.
10:30

Networking-Kaffeepause mit Ausstellung im Foyer

11:15 Mit spitzer Feder: Intermezzo (D)
Jonas Raeber, Live-Cartoonist
11:20 Nervöse Flüsse: Häufigkeit von Schwall und Sunk ist zentral (D)
Dr. Nico Bätz, Dr. Christine Weber, Abt. Oberflächengewässer
Wird Wasserkraft zur kurzfristigen Regulierung zwischen Angebot und Nachfrage im Strommarkt eingesetzt, sind künstliche Abflussschwankungen oder Schwall-Sunk-Ereignisse im Gewässer die Folge. Wer ein Kraftwerk betreibt, ist vom Gesetz verpflichtet, den Abfluss so zu gestalten, dass Lebensräume und Arten möglichst wenig beeinträchtigt werden. Bisher ging man davon aus, dass bei Sanierungen vor allem der Anstieg und Rückgang des Abflusses aus den Turbinen verlangsamt werden muss, um die Belastung für die Ökosysteme zu reduzieren. Neue Untersuchungen zeigen nun, dass auch die Häufigkeit des An- und Abschwellens eine zentrale Rolle spielt.
11:40 Restwasser: Angemessen oder nur ein Rest? (D)
Nicole Bongni, Dr. Martin Schmid, Dr. Christine Weber, Abt. Oberflächengewässer
Gemäss Verfassung sorgt der Bund für angemessene Restwassermengen. Doch je mehr Wasser Kraftwerke zum Schutz der Gewässer ungenutzt «bachab» schicken müssen, umso weniger Kilowattstunden Strom produzieren die Turbinen. Daher ist es wichtig, genau hinzuschauen, was unter dieser Formulierung «angemessen» zu verstehen ist und wie der Restwasserabfluss schliesslich ausgestaltet werden muss, um den Gewässern eben gerade nicht «den Rest zu geben», sondern ihre breit vernetzten Funktionen zu garantieren.
11:55 Berechnung der restwasserbedingten Minderproduktion (D)
Dr. Tobias Wechsler, WSL, Joint-Initiative Speed2zero
Bisherige Schätzungen der durch die Abgabe von Restwasser verursachten Minderproduktion basieren auf lückenhaften Daten und gehen weit auseinander, je nach Absender und energiepolitischer Lage. Ein Team von Forschenden aus WSL, Universität Bern und Eawag hat nun rechtliche, hydrologische und technische Angaben zu 252 grösseren Wasserkraftanlagen zusammengestellt. Die Datenbank deckt über 80% der Inland-Wasserkraftproduktion ab. Sie erlaubt es, die Minderproduktion präziser in Gigawattstunden zu beziffern – zum einen seit Inkrafttreten der Restwasserbestimmungen bis heute, aber auch mit verschiedenen Szenarien für die bevorstehende Periode bis 2050.

12:15

Mittagessen (und Ausstellung im Foyer)
 


Puzzleteile im Dreieck Wasser-Energie-Klima

13:20 Mit spitzer Feder: Intermezzo (D)
Jonas Raeber, Live-Cartoonist
13:25 CO2-Speicherung: Blick aufs Wasser zum Schutz und zur Kontrolle (F)
Capucine Marion, Prof. Rolf Kipfer, Matthias Brennwald, Abt. Wasserressourcen & Trinkwasser
Ohne Negativemissionen werden die Klimaziele nicht erreichbar sein. Eine Möglichkeit auf diesem Pfad ist die dauerhafte Einlagerung von CO2 im Untergrund. Doch was, wenn sich das in die Tiefe gepresste CO2 zum Beispiel über das Wasser einfach wieder einen Weg an die Oberfläche sucht oder wenn es Salzwasser verdrängt, das seinerseits zur Verschmutzung von Grundwasser führt? Die Eawag kann mit exakten Gasmessungen direkt vor Ort mithelfen, solche Fragen zu klären. Getestet wurde und wird in Island, im Wallis oder im Mont Terri Felslabor im Schweizer Jura.
13:40 Grundwasser & Wärme: Neue Wege in der Tiefengeothermie (D)
Dr. Jannis Epting, Prof. Oliver Schilling, Abt. Wasserressourcen & Trinkwasser und Universität Basel
Die Geothermie ist eine Säule der nachhaltigen Wärmeversorgung. Doch tiefe Bohrungen sind teuer und riskant: Oft trifft man zwar auf Wärme, aber nicht auf Wasser – oder umgekehrt. Zudem erfordert der Schutz sensibler Grundwasservorkommen Sorgfalt bei jeder Bohrung. Statt auf risikoreiche Strategien oder teure Seismik-Kampagnen zu setzen, ermöglichen 3D-Modellierungen, hydrothermale Grundwasserströme präziser zu lokalisieren und gezielter zu erbohren. Regionale Tracermessungen unterstützen die Validierung der Modelle. Der Vortrag stellt Resultate vor aus dem Pilotprojekt Brig im Wallis.
13:50 Rohstoffe für die Energiewende: Abbau belastet Wasser (F)
Dr. Marc Müller, Abt. Systemanalyse & Modellierung
Minerale wie Molybdän, Cobalt, Nickel, Lithium, und seltene Erden sind unverzichtbar für modern Batterien und Infrastrukturen, welche die Energiewende stützen. Doch ihr Abbau führt in den Ländern, wo sich die Minen befinden, regelmässig zur Verschmutzung von Gewässern und Grundwasser, etwa weil Abraumhalden unkontrolliert erodieren. Ein Forschungsprojekt hat ein Mass entwickelt, mit dem sich diese Belastungen vergleichen lassen, und das aufdeckt, wie nachhaltig der Einsatz dieser Mineralien letztlich ist.
14:00 Das Dilemma mit den Legionellen (D)
Dr. Frederik Hammes, Abt. Umweltmikrobiologie
Energiesparen in Gebäudeinstallationen kann zum vermehrten Auftreten von Legionellen im Wassersystem führen. Ein breit angelegtes Forschungsprojekt der Eawag mit der Hochschule Luzern, dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut und dem Kantonalen Labor Zürich hat untersucht, welche Massnahmen dagegen getroffen werden können. Generell zeichnet sich ab, dass der Klimawandel zu mehr Fällen der Legionärskrankheit führt. 
14:15 Networking-Kaffeepause mit Ausstellung im Foyer


Sparen und Vermeiden vor mehr Produzieren

14:45 Warum Schwammstadt mehr ist als begrünte Fassaden (D)
Prof. João Leitão, Abt. Siedlungswasserwirtschaft
Mit blau-grüner Infrastruktur lassen sich bei cleverem Einsatz mehrere Ziele zugleich erreichen: Der Rückhalt von Wasser im und die Begrünung von Stadtraum wirken Hitzeinseln entgegen, reduzieren Schäden bei Starkregen und können den Naherholungsraum für Menschen und den Lebensraum für eine grosse Artenvielfalt verbessern. In vielem davon steckt unter Umständen auch eine Energieeinsparung, etwa weil weniger Klimaanlagen laufen müssen oder weniger Wasser aufbereitet werden muss. Und dann gibt es da auch noch ganz neue Ideen, zum Beispiel, wie Regenrückhaltebecken zu Energiespeichern werden könnten.
15:05 Darfs ein bisschen weniger bequem sein? (D)
Dr. Fabian Dvorak, Dr. Ivana Logar, Abt. Umweltsozialwissenschaften, Joint-Initiative Scene
Im Rahmen des Joint Initiative Projekts «Scene» des ETH-Rats haben Forschende von Eawag und WSL untersucht, wie gross die Bereitschaft der Mieterschaft ist, gezielte Einschränkungen ihres Energiekonsums in Kauf zu nehmen und in welche Schlüsseltechnologien Personen, denen das Haus gehört, m ehesten investieren würden.
15:15 Unterwegs zur Netto-Null-Kläranlage (D)
Simone Bützer, Gewässerschutzverband Region Zug GVRZ, Vorstand VSA
Der Wasser- und Abwassersektor will zu den Netto-Null-Zielen der Schweiz beitragen. Mit einem hohen Stromverbrauch für die Belüftung und mit relevanten Klimagasemissionen tragen die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) unter allen kommunalen Aufgaben eine besondere Verantwortung. Nicht zuletzt deshalb hat der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) seinen Leitfaden «Energie auf ARA» komplett überarbeitet.
15:30

Podium mit Politik und Praxis (D)
Nationalrat Nicolò Paganini (Mitte/SG) - Präsident Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. 
Andreas Stettler – Geschäftsführer Hydrosuisse (bis 2025 Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband)

Christian Stamm – Stellvertretender Direktor Eawag

Welche Rolle spielt die Wissenschaft zwischen dem festen Glauben an Fachleute und Geschäft, zwischen Versorgungssicherheit und Sorge um die Umwelt? Je ein Vertreter aus Politik, Energiepraxis und Forschung diskutieren am Infotag aufgeworfene Fragen aus ihrer Perspektive.

16:00 Mit spitzer Feder: Fazit des Tages (D)
Jonas Raeber, Live-Cartoonist
16:10 Schlusswort (D)
Prof. Dr. Martin Ackermann, Direktor Eawag
16:20 Apéro

Infotag Archiv

Hier finden Sie die Themen, das Programm, die Präsentationen sowie eine Bildergalerie der Infotage seit 2011

Zum Infotag Archiv

Die Infotag-Magazine der letzten Jahre

2024

Infotag Spezial 2024: Blau-grüne Biodiversität erkennen, erhalten, fördern

2023

Infotag-Magazin 2023: Wasserforschung für nachhaltige Entwicklung

2022

Infotag-Magazin 2022: Dynamische Gewässer - Neue Werkzeuge, neue Möglichkeiten