Dachwasser trinken und mit Abwasser duschen
11. Januar 2010
Self ist eine energie- und wasserunabhängige Raumzelle zum Wohnen und Arbeiten. Das gemeinsame Projekt von Empa, Eawag und der Zürcher Hochschule der Künste wird morgen Dienstag, 12. Januar 2010, das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt – an der Swissbau in Basel.
Self soll zeigen, wie heute mit modernsten Gebäudekonzepten praktisch ohne externe Energiezufuhr und mit einem internen Wasserkreislauf ohne Abstriche am Komfort gelebt werden kann. Kaum etwas an Self entspricht dem heutigen «Stand der Technik». Fast alles besteht aus eigens entworfenen und konzipierten Komponenten, so etwa die Gebäudehülle mit Sandwichplatten aus glasfaserverstärktem Kunststoff und die Wärmedämmung mit hoch isolierenden Vakuumpaneelen. Ein Wärmetauscher wärmt die Frischluft mit der Abluft vor, die Filtration des Regenwassers zu Trinkwasser nutzt nur die Schwerkraft. Die Wasserstofftechnologie wird im Praxiseinsatz fürs Kochen und Heizen erprobt. Solarzellen auf dem Dach liefern den nötigen Strom zur Synthese des Wasserstoffs. Zwischengespeichert wird dieser dann in mit Metallhydriden gefüllten Behältern, eine Neuentwicklung der Empa.
Niederdruck Membrantechnologie als Chance
Die Eawag hat das Wasserkonzept für self mitentwickelt und umgesetzt. Denn
dezentrale Systeme zur Trinkwasseraufbereitung und zum Abwasserrecycling
könnten einen grossen Beitrag leisten zur Erreichung der
Millenniums-Entwicklungsziele. Die Chance dazu bietet vor allem die an der
Eawag erforschte Niederdruck-Membrantechnologie. Die vielversprechenden
Resultate aus Dübendorf zeigen, dass die Ultrafiltration (Filtration durch
Membranen mit Porenweiten von 0.002 bis 0.05 µm) ohne wartungsaufwändige
und energieintensive Pumpen nur mit der Schwerkraft betrieben werden kann. Im
Bereich der Trinkwasseraufbereitung ist das Verfahren bereits so weit, dass
erste Pilotanlagen von grossen Herstellern in Betrieb sind. Im Bereich der
Membranbio-Kleinkläranlagen muss der Praxiseinsatz von self erst noch zeigen,
wie robust ein solches System ist. Der kaum Kühlschrank grosse
Membranbioreaktor im engen Technikraum des Containers soll das Abwasser aus
Küche und Dusche soweit recyclieren, dass es für dieselben Anwendungen und die
Toilettenspülung erneut verwendet werden kann. Einzig das stark verschmutzte
Toilettenabwasser aus der Wasser sparenden Toilette wird dem Kreislauf
entnommen.

- Schema [pdf]
Zahlreiche Projektpartner
Das Konzept zu self wurde von der Empa in
Zusammenarbeit mit der Eawag, Studenten der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
und des Studienganges Energie der FHNW entwickelt. An der Umsetzung sind rund
20 Industriepartner beteiligt. self, mit seinem ganz eigenen Design, verbindet ein
modernes Wohn- und Arbeitskonzept mit praktischer Forschung und gezielten
Informationen für Fachleute.
(Autor: Andri Bryner)
Weitere Informationen
- Das Wasserkonzept im unabhängigen Haus [2 Seiten, pdf]
- Kurzbroschüre [pdf]
- Empa Projektwebseite (zur Zeit nicht aktuell)
- Empa Medienmitteilung vom 11.01.2010 [pdf]
Weitere Bilder
© Eawag; honorarfreie Verwendung nur in Zusammenhang mit einer Berichterstattung zum Projekt self - keine Archivierung.
Der
Ultramembranfilter zur Aufbereitung von Regenwasser
zu Trinkwasser.
Der
enge Technikraum in self. Links die Metallhybridspeicher
für den Wasserstoff,
in der Mitte die Kleinstkläranlage (mit
sichtbarem Membranmodul) und der
Brauchwassertank,
rechts der Wärmespeicher.
Montage
des Membranbioreaktors für das Brauchwasserrecycling.
Das
Membranfiltermodul für den Membranbio-Kläranlage.

