Geschichte

Eawag Hauptgebäude 1970
Eawag Hauptgebäude um 1970

Heute können Menschen in Schweizer Gewässern sorglos schwimmen, trinken sauberes Wasser und müssen sich auch um die Reinigung ihres Abwassers keine Sorgen machen. Das war nicht immer so. Noch in den sechziger Jahren waren schäumende Flüsse und belastete Seen Realität.

Die Eawag hat die Forschung, Beratung und Lehre in den Bereichen der aquatischen Ökologie, des Umweltverhaltens von Stoffen und der Siedlungswasserwirtschaft nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa und vielen aussereuropäischen Staaten massgebend mitgeprägt. Sie blickt auf eine vielfältige und dynamische Geschichte zurück. Von der Beratungsstelle der ETH Zürich mit drei Angestellten entwickelte sie sich zu einer international anerkannten Forschungsanstalt mit heute über 400 Mitarbeitenden an zwei Standorten in der Schweiz.

75 Jahre Eawag

Im Jahr 2011 feierte das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs das 75-Jahr-Jubiläum mit Stolz und mit einem offenen Blick für die Zukunft des Wassers. Die Eawag präsentierte sich an verschiedenen Events und veranstaltete Anlässe. Die im Jubiläumsjahr erschienene Broschüre «Streiflichter auf die Eawag» gibt einen Einblick in die Wasserforschung von gestern, heute und morgen.

Eawag heute

Während in der Vergangenheit der Aufbau von funktionierenden Wasserinfrastrukturen, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und der Gewässerschutz im Vordergrund standen, bilden heute Fragen nach der Balance zwischen den menschlichen Bedürfnissen an das Wasser und den Voraussetzungen für ein gesundes und funktionierendes Ökosystem den Schwerpunkt der Forschung.

100 Jahre Hydrobiologisches Labor Kastanienbaum

1916 gründete die Naturforschende Gesellschaft Luzern das Hydrobiologische Laboratorium in Kastanienbaum am Vierwaldstättersee. 1960 wurde es von der Eawag übernommen. mehr

Jubiläumsbroschüre 75 Jahre Eawag

Die Broschüre «Streiflichter auf die Eawag» gibt Einblick in die Wasserforschung von gestern, heute und morgen. Die Broschüre kann direkt als Flash-Version durchgeblättert oder als pdf-File (6.5 MB) heruntergeladen werden.

Gedruckte Exemplare können unter info@eawag.ch gratis bestellt werden.

Entwicklungsphasen der Eawag

Die Eawag hat die Forschung, Beratung und Lehre in den Bereichen der aquatischen Ökologie, des Umweltverhaltens von Stoffen und der Siedlungswasserwirtschaft in den letzten 75 Jahren nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa und vielen aussereuropäischen Staaten massgebend mitgeprägt. Sie blickt auf eine vielfältige und dynamische Geschichte zurück. Die Geschichte des Instituts lässt sich grob in fünf Entwicklungsphasen der Eawag einteilen. Eine Chronik gibt zudem Auskunft über die Wechselwirkung zwischen den Aktivitäten der Eawag und den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Schweiz. Die Jahresberichte der Eawag von 1946 bis heute geben einen tieferen Einblick in die Forschungsanstalt.

1936-1952: Dr. Ulrich Corti

Dr. Ulrich Corti
Dr. Ulrich Corti

Durch die verbesserte Wasserversorgung in den Städten zu Anfang des letzten Jahrhunderts entstanden Problem der Entsorgung. Die Abwässer wurden ungereinigt oder höchstens mechanisch geklärt, in die Bäche geleitet. Der Schweizerische Fischereiverein forderte deshalb 1933 vom Eidgenössischen Departement des Inneren Massnahmen gegen die zunehmende Wasserverschmutzung und eine Beratungsstelle für Abwasserreinigung. Am 1. Januar 1936 gründete der Bundesrat die «Beratungsstelle der ETH für Abwasserreinigung und Trinkwasserversorgung». Das Hygiene-Institut mit Prof. Willi von Gonzenbach und die Versuchsanstalt für Wasserbau unter Leitung von Prof. Eugen Meyer-Peter waren die Träger der neuen Institution. Im Zentrum standen neben der Beratung die Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Abwassertechnik sowie die Überwachung der Gewässerqualität als Kontrolle für die Funktion der Anlagen.

1945 wurde aus der Beratungsstelle ein mit der ETH verbundenes Institut, die Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz unter Leitung des Chemikers Dr. Ulrich Corti.

1952-1970: Prof. Dr. Otto Jaag

Prof. Dr. Otto Jaag
Prof. Dr. Otto Jaag

1952 übernahm Prof. Otto Jaag die Spitze der Eawag. Er unterrichtete an der ETH Zürich neben spezieller Botanik auch Hydrobiologie und Limnologie und engagierte sich schon früh und nachhaltig für den gesetzlich verankerten Gewässerschutz. An der Eawag baute Jaag eine Abteilung für Limnologie auf und stärkte parallel die Beratungstätigkeit sowie die Lehre, vor allem für die Bauingenieure. 1955 erweiterte er das Institut mit der Abteilung für Müllforschung, eine Folge der sichtbaren Zusammenhänge zwischen der damaligen Abfallentsorgung und der Verschmutzung von Gewässern und Grundwasser.

Ab den 1960er Jahren besann sich die Eawag vermehrt auf ihren Auftrag als Forschungsstelle. Es entstanden grundlegende Arbeiten zur Überdüngung der Seen, zur Selbstreinigung von Gewässern oder zur Bemessung biologischer Kläranlagen. Die naturwissenschaftlichen Bereiche wurden 1960 gestärkt, als die Eawag von der Naturforschenden Gesellschaft Luzern das «hydrobiologische Laboratorium» in Kastanienbaum am Vierwaldstättersee übernehmen konnte. Direktor Jaag fand dank seines Netzwerks die nötigen Finanzen für Renovation, Ausbau und moderne Ausstattung dieser Station, die 1969 auch Sitz für die neue Abteilung Fischereiwissenschaften wurde.

1970 wurde die Eawag von einem Institut der ETH Zürich zur Annexanstalt der Eidgenössischen Technischen Hochschulen, und im gleichen Jahr – wenige Monate nach Jaags Pensionierung – konnte der Neubau in Dübendorf bezogen werden.

1970-1992: Prof. Dr. Werner Stumm

Prof. Dr. Werner Stumm
Prof. Dr. Werner Stumm

Der Chemiker Werner Stumm war nach Abschluss seines Studiums bis 1956 selbst Mitarbeiter der Eawag. Dann wirkte er 14 Jahre lang als Forscher und Lehrer auf dem Gebiet der aquatischen Chemie an der Harvard Universität in Boston, USA. Ab 1970, als neuer Direktor, räumte Werner Stumm der Grundlagenforschung an der Eawag noch grösseres Gewicht ein als sein Vorgänger Jaag. Er erkannte früh, dass die Umweltwissenschaften multidisziplinär betrieben werden müssen und forderte darum, nicht nur die chemischen, sondern auch die geologischen, biologischen und ökologischen Gesichtspunkte einzubeziehen. Er motivierte die Forschenden, die zunehmende Zahl industriell hergestellter Stoffe im Auge zu behalten und suchte Verbesserungen in den analytischen Möglichkeiten.

1975 setzte die neue Verordnung über Abwassereinleitungen erstmals klare Qualitätsziele für den Gewässerschutz. Die Eawag hatte die Grundlagen dafür geliefert, und gleichzeitig war die Verordnung ein Auftrag, an messbaren und ökotoxikologisch abgestützten Kriterien weiterzuforschen. Dem Vorwurf, man vernachlässige die Beratung, begegnete Stumm mit einer Stärkung der Aus- und Weiterbildung samt der Einführung eines Nachdiplomstudiums für Siedlungswasserbau und Gewässerschutz.

1992-2007: Prof. Dr. Alexander Zehnder

Prof. Dr. Alexander Zehnder
Prof. Dr. Alexander Zehnder

Als 1992 der Biochemiker Prof. Alexander Zehnder die Führung der Eawag übernahm, stand ihm eine intensive Zeit bevor. Das ETH-Gesetz war geändert worden, und 1993 wurde die Eawag zur selbstständigen Institution, wie die beiden ETH Zürich und Lausanne sowie die anderen drei Forschungsanstalten Empa, WSL und PSI. Mit seinem wissenschaftlichen Engagement, seiner Botschaftertätigkeit und weltweiten Kontakten zu angesehenen Instituten motivierte Zehnder viele Mitarbeitende, sich mit eigenständigen, innovativen Forschungsarbeiten zu profilieren. Unter seiner Leitung begann sich die Eawag mit der Verfügbarkeit des Wassers zu befassen, insbesondere für die Nahrungsmittelproduktion. Starke Zeichen hat er in den Bereichen Schadstoffabbau, Biofilme und Korrosionsschutz gesetzt. In der Ökotoxikologie forderte er den Wechsel zum Prozessverständnis, statt nur Effekte zu beschreiben. Noch deutlicher als Stumm förderte Zehnder die Zusammenarbeit über alle Disziplinen sowie den Einbezug von Vollzug und Praxis, zum Beispiel in Initiativen wie Fischnetz (Fischrückgang in der Schweiz) oder Greenhydro (umweltgerechte Wasserkraftnutzung).

Als Prof. Alexander Zehnder im Sommer 2004 zum Präsidenten des ETH-Rats gewählt wurde, übernahm sein Stellvertreter, Kulturingenieur Ueli Bundi, interimistisch die Leitung der Eawag.

2007-heute: Prof. Dr. Janet Hering

Prof. Dr. Janet Hering
Prof. Dr. Janet Hering

Seit 2007 steht die Eawag unter der Leitung der Umweltchemikerin Janet Hering.

Die Forschungsanstalt ist heute ein international anerkanntes Wasserforschungsinstitut. Ihre Stärke und ihr Erfolg basiert auf der seit langem gepflegten Verknüpfung von Forschung, Lehre und Weiterbildung sowie Beratung und Wissenstransfer.

Die Kombination von Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften erlaubt eine umfassende Erforschung des Wassers und der Gewässer, von relativ ungestörten aquatischen Ökosystemen bis hin zu voll technisierten Abwassermanagementsystemen.

Chronik der Eawag-Geschichte

Die Chronik der Eawag-Geschichte zeigt die wichtigsten Stationen der Eawag seit ihrer Gründung. Sie gibt Auskunft über die Wechselwirkung zwischen den Aktivitäten der Eawag und den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Schweiz.

1936 Der Schweizerische Fischereiverein gelangte 1933 an das Eidgenössische Departement des Inneren, damit Massnahmen gegen die zunehmende Wasserverschmutzung getroffen und eine Beratungsstelle für Abwasserreinigung eingerichtet wird.
Die Eröffnung der Beratungsstelle für Abwasserreinigung und Gewässerschutz an der ETH Zürich ist die Geburtsstunde der EAWAG. Zu Beginn arbeiten ein Chemiker, ein Biologe und ein Ingenieur in der Beratungsstelle.
1946 Die Beratungsstelle wird in ein mit der ETH verbundenes Institut umgewandelt, das den Namen «Eawag» (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz) erhält.
Die Leitung der Annexanstalt übernimmt Dr. Ulrich Corti.
Die Eawag gliedert sich in vier Fachbereiche:
  • Chemie
  • Biologie
  • Grundwassergeologie
  • Bautechnik
 
1952 Prof. Dr. Otto Jaag wird neuer Direktor der Eawag. Unter ihrem neuen Direktor ist die Eawag vor allem in der Beratung tätig. Es gilt, die anstehenden Probleme möglichst rasch zu lösen. Vor allem sollen Kläranlagen verhindern, dass weiterhin ungeklärtes Abwasser in die Gewässer gelangen konnte.
Es entsteht die neue Abteilung «Hydrobiologie - Limnologie»
1955 Gründung der Abteilung «Feste Abfallstoffe»
1957

Die Eawag spielt bei der Umsetzung des ersten Wasserschutzgesetzes der Schweiz eine entscheidende Rolle, indem sie Projekte, welche Kanalisationen, Kläranlagen und andere Gewässerschutzmassnahmen betreffen, beurteilt.

1960 Übergabe des Hydrobiologischen Laboratoriums in Kastanienbaum an die Eawag durch die Naturforschenden Gesellschaft Luzern.
--> Ausbau der Forschung im Bereich Limnologie und Hydrobiologie
1961

Die Kritik des Bundesamtes für Gewässerschutz, die Eawag betreibe zu wenig Forschung und zu viel Beratung, führte zu Forschungsarbeiten im Bereich «Eutrophierung von Seen», «Selbstreinigungskraft der Gewässer», «Biologische Kläranlagen»

1962

Otto Jaag publiziert laufend in Fachzeitschriften über Gewässerschutz und Gewässerreinigung und knüpft während seiner Zeit als Direktor der Eawag viele internationale Kontakte.

1969 Gründung der Abteilung «Fischereiwissenschaften»
1970 Der Chemiker Prof. Dr. Werner Stumm wird neuer Direktor der Eawag. Die Eawag wird von einem Institut der ETH Zürich in eine Annexanstalt der Eidgenössischen Technischen Hochschulen umgewandelt.
Die Grundlagenforschung tritt in den Vordergrund.
Die Eawag bezieht den Neubau in Dübendorf.
1975 Die Eawag unterstützt die Quantifizierung der Gewässerschutzziele.
1977 Der Neubau in Kastanienbaum (Kanton Luzern) wird bezogen.
1979

Der Nachdiplomstudiengang «Siedlungswasserbau und Gewässerschutz» entsteht an der ETH Zürich.

1987 Die Forschungsgruppe für aquatische Ökotoxikologie wird gegründet.
1992 Der Biochemiker Prof. Dr. Alexander Zehnder übernimmt die Leitung der Eawag. Er lanciert die Diskussion um Nachhaltigkeit im Umgang mit Wasser und Energie
Die Eawag konzentriert sich ausserdem stärker auf transdisziplinäre Projekte.
1993 Die praxisorientierten Eawag-Kurse (PEAK) werden erstmals angeboten.
2004
Gründung der Fischereiberatungsstelle an der Eawag
2006 Der Neubau Forum Chriesbach in Dübendorf wird bezogen.
2007 Prof. Dr. Janet Hering wird Direktorin der Eawag.
2008 Gründung der Wasser-Agenda 21
Die Geschäftsstelle der Wasser-Agenda 21 wird an der Eawag eingerichtet.
Gründung Oekotoxzentrum an der Eawag.