Governance von Infrastrukturen
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Governance ist ein Schlüsselkonzept in den Sozialwissenschaften, insbesondere in der Politikwissenschaft, womit Regulation, Deregulierung, Liberalisierung und Transformationsprozesse theoretisch und empirisch erforscht werden können. Der Forschungsschwerpunkt der Gruppe beschäftigt sich mit den gleichzeitig sehr grundlegenden und dennoch aktuellen Fragen in der Governance von Infrastruktursystemen, wie öffentliche Daseinsvorsorge konstituiert, gesteuert, organisiert und verändert wird. Die Transformation von Governance ist dabei ein zentraler Gegenstand in den Forschungsaktivitäten. Governance durch den Staat hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt von der Zentralisierung und Monopolisierung der Produktion öffentlicher Güter in nationalen Institutionen hin zu der Verteilung dieser Aufgabe unter verschiedene andere Akteure, der Inklusion gesellschaftlicher Akteure und dem Auftauchen neuer Institutionen und Strukturen. Neue Mehrebenensysteme mit neuen institutionellen Arrangements und Akteuren übernehmen Organisations- und Entscheidungsmacht. Dennoch bildet der Staat die zentrale Voraussetzung für Mehrebenensysteme und hat die letztendliche Verantwortung für die öffentliche Daseinsvorsorge.
Vor diesem Hintergrund richtet die Forschungsgruppe ein besonderes Augenmerk auf die folgenden Themenbereiche:
- Leistungsfähigkeit von Governance-Formen, -Prozessen und -Strukturen hinsichtlich Legitimation, Effektivität und Effizienz;
- Transformation des Staates in Bezug auf technischen, politischen und ideellen Wandel;
- Internationalisierung in Richtung auf mehr inter-, supra- und transnationale Institutionen und Akteure;
- Governance-Mechanismen und -Dynamiken bezüglich Regulierung, Deregulierung, Privatisierung sowie Partizipation von Experten, Stakeholdern und Öffentlichkeit; und
- Integration von neuen Governance-Akteuren wie beispielsweise Unternehmen, öffentlich-private Partnerschaften, assoziative Netzwerke, regionale staatliche Akteure, EU und internationale Institutionen.
Der Anwendungsbereich konzentriert sich auf das öffentliche Gut Wasser in der Schweiz und Europa. Dabei werden die Fragen der Eigentumsrechte sowie der Steuerung, Kontrolle und Organisation der Verteilung und Nutzung von Ressourcen oft kontrovers diskutiert. Der geographische Blick richtet sich auch auf die OECD-Staaten und in manchen Fällen auf Transitions- und Entwicklungsländer. Zudem richtet sich das Forschungsinteresse auf andere Infrastruktursektoren wie z.B. Energie sowie auf Umwelt- und Risiko-Governance. Der Vergleich von verschiedenen Anwendungsbereichen und Politikfeldern erlaubt es, Folgerungen zu ziehen, die verallgemeinerungsfähige Aussage- und Erklärungskraft für die Governance-Forschung in Infrastruktursystemen und die Transformation des Staates besitzen. Es werden dabei auch inter- und transdisziplinäre Ansätze verfolgt, indem Perspektiven und methodologische Ansätze aus anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen sowie aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften zusammengebracht werden.

