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RIF Methode

RIF Methode

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Ziele

Elemente und Zielsetzungen der Vorgehensweise:

  • die Diskussion einer breiten Auslegeordnung von möglichen Optionen als Auswahlgrundlage, darunter auch Alternativen, die im Moment noch utopisch erscheinen,
  • die Erarbeitung von Umfeldszenarien der Abwasserwirtschaft in 25 Jahren, um zukünftige Herausforderungen frühzeitig erkennen zu können,
  • die Formulierung von Zielen der Abwasserwirtschaft, um die verschiedenen Zieldimensionen der Nachhaltigkeit ausgewogen zu berücksichtigen
  • eine breite Abstützung des Strategieprozesses durch Beteiligung ausgewählter Interessenvertreter in einzelnen Projektphasen (zwei Workshops und Ab­schlussveranstaltung).
  • die Ableitung eines Strategiekonzepts im Sinne einer Empfehlung über grundsätzliche Ausrichtungsmöglichkeiten einer zukunftsfähigen Abwasserwirtschaft in der Region
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Vorgehen

Im Detail läuft der Strategieentwicklungsprozess folgendermassen ab (vgl. Abb.).

In den interessierten Gemeinden oder Abwasserverbänden wird ein Kernteam aus zwei bis drei Planungsverantwortlichen der Siedlungswasserwirtschaft gebildet. Dies können beispielsweise ein ARA-Betreiber, ein Planungsingenieur und relevante Gemeindepolitiker sein. Diese müssen motiviert sein, offen in die langfristige Zukunft hineinzudenken und daraus Schlussfolgerungen für die Ausrichtung der regionalen Abwasserwirtschaft zu ziehen.

strategieentwicklungsprozesse

Abbildung: Ablauf des ‚RIF’-Strategieentwicklungs-Prozesses

Für die zwei zentralen RIF-Workshops werden mehrere regionale Interessenvertreter in den Planungsprozess einbezogen. Dies können beispielsweise Gemeindevertreter von weiteren Gemeinden sein, Beteiligte aus lokalen Agenda 21-Projekten oder Vertreter von Grosseinleitern (Industriebetriebe). Sie sollten bereit sein, einen konstruktiven Beitrag für die Planung zu leisten. Die kommunale Öffentlichkeit sollte über den Prozess und seine Ergebnisse informiert werden. In einzelnen Phasen mit offener Diskussion unter den Teilnehmern der Workshops bietet es sich jedoch an, Vertraulichkeit über Argumente und Ergebnisse zu bewahren.

In der Vorbereitungsphase wird mit dem Kernteam eine Bestandsaufnahme (Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse) zu Organisation (Betrieb und Planung) und Technik der vorhandenen Infrastruktur erstellt. In einer weiteren Analyse werden die Beteiligten und Anspruchsgruppen von Entsorgungsplanung und -betrieb identifiziert und daraus die Teilnehmer für die Workshops festgelegt. Ausserdem werden allgemeine Einflussfaktoren, welche die Rahmenbedingungen der zukünftigen Abwasserentsorgung beeinflussen, aus bestehenden Studien zusammengetragen und lokal-/regionalspezifische Faktoren ermittelt.

In einem ersten Workshop werden gemeinsam mit Kernteam und Interessenvertretern mögliche Bilder der Zukunft der regionalen Abwasserentsorgung entwickelt. Für die als besonders wichtig erachteten Einflussfaktoren werden unterschiedliche mögliche Zukunftsentwicklungen bestimmt und daraus konsistente Kombinationen abgeleitet und zu Zukunftsbildern verdichtet. Die Beteiligung von Interessenvertretern an dieser Szenarioentwicklung ist besonders wichtig, da durch die unterschiedlichen Blickwinkel zusätzliche Sichtweisen und Reflexionen eingebracht werden.

In der Nachbereitungsphase werden die Szenarien im Kernteam aufbereitet und der voraussichtliche Handlungsdruck auf die Siedlungswasserwirtschaft durch neue in der Zukunft entstehende Herausforderungen bestimmt. Bezogen auf diese Herausforderungen werden mögliche Massnahmen diskutiert. Neben Standardtechnologien und -organisationsformen und ihren Varianten werden auch Optionen berücksichtigt, die erst in der Entwicklungsphase sind und erst in einigen Jahren Marktreife erreichen können.

In einem zweiten Workshop mit den Interessenvertretern werden diese Handlungsoptionen in Bezug auf zukünftige Herausforderungen bewertet und besonders robuste Optionen ausgewählt. Als robust gelten die Optionen dann, wenn sie eine geeignete Lösung für mehrere mögliche Szenarien darstellen. Schliesslich werden mögliche Optionenbündel diskutiert, welche die Grundlage einer langfristigen Strategie im Umgang mit den zukünftigen Herausforderungen bilden könnten. Durch die Einbeziehung der Interessenvertreter in dieser Stufe werden mögliche Vorbehalte gegenüber bestimmten Lösungen schon in einer frühen Phase erkundet und die Akzeptanz unkonventioneller Lösungen erhöht.

In der Nachbereitung wird die Bewertung der Handlungsoptionen im Kernteam nochmals verfeinert und zu einem Strategieplan verdichtet, an dem sich die langfristige Planung des Abwasserinfrastruktursystems orientieren kann. Der Strategieplan stellt ein Produkt zur Vorbereitung der Planungen dar, der die Optionenbündel technischer und organisatorischer Lösungen (mit ihrem geeigneten Realisierungszeitpunkt). Dieser Plan wird in einer Abschlussveranstaltung den Workshopteilnehmern vorgestellt und nochmals diskutiert. Daran anschliessend kann er der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Damit setzt dieses Instrument in einer sehr frühen Planungsphase an und bietet den Entscheidungsträgern rechtzeitig Überblick über mögliche Zukunftsentwicklungen sowie Zeitpunkt und Art möglicher zukunftsfähiger Lösungsvarianten.

Mit der Durchführung eines solchen Vorausschauprozesses erhöht sich die Planungssicherheit, da verschiedene auch unsichere mögliche zukünftige Entwicklungen berücksichtigt werden. Dies ist ein „Denken auf Vorrat“, um vorbereitet zu sein auf Zukünfte, die nicht der Fortschreibung der heutigen Trends entsprechen. Bei den Handlungsoptionen werden mehr und flexiblere Alternativen erwogen als im konventionellen Planungsprozess, was die Handlungskompetenz erhöht. Durch die Teilnahme am Vorausschauprozess selbst verbessert sich die Kompetenz der Planer und Entscheidungsträger zur Entwicklung und Bewertung von Strategien, da Erfahrungen mit Techniken komplexer zukunftsoffener Planungsprozesse gewonnen werden. Durch die Einbeziehung von Interessenvertretern in einzelnen Phasen kommen die Politiker und Planer der Forderung nach, Betroffene am Planungsprozess zu beteiligen und diesen transparent zu gestalten. Ausserdem erhalten sie dadurch selbst Einblick in Beurteilungsmassstäbe von Anspruchsgruppen.

Dies ist ein Auszug aus dem Artikel: Störmer, E., Herlyn, A. 2006. Nachhaltige Strategieplanung für die kommunale Abwasserentsorgung. Zukunftssichere Strategien. Umwelt Perspektiven, Oktober 2006, 11-15. [pdf]