Vollständige Rückgewinnung der Nährstoffe aus Urin
Die
meisten Nährstoffe werden mit dem Urin ausgeschieden: ca. 90% des Stickstoffs
und Kaliums, ungefähr 60% des Phosphors und beinahe 100% des Schwefels. Es wäre
ökologisch aber auch wahrscheinlich wirtschaftlich sinnvoll, die Nährstoffe aus
dem Urin direkt in die Landwirtschaft zu rezyklieren, aber eine direkte
Ausbringung von Urin ist nur für einige ländliche Gebiete eine gangbare Lösung:
der hohe Wassergehalt macht den Urintransport teuer und die hohen Konzentrationen
an Ammoniak (NH3) verursachen Geruchsbelästigungen und
Nährstoffverlust. Der Urin muss vorgängig behandelt werden, um ihn zu
stabilisieren und die Nährstoffe aufzukonzentrieren. Struvitausfällung (STUN) ist eine einfache und effektive Technologie,
um Phosphor als festen Dünger wiederzugewinnen, aber abgesehen von einem
kleinen Anteil Ammonium, wird eben nur ein Nährstoff aus dem Urin
wiedergewonnen. Eine vollständige Wiedergewinnung aller Nährstoffe ist jedoch
in einem Verdampfungsreaktor möglich.
Festes Düngerprodukt aus stabilisiertem Urin, nachdem 98% des Wassers verdampft wurde. (Photo: Stefan Kubli, Zürich)
Salzproduktion
mittels Verdampfung ist ein bekannter und vergleichsweise einfacher Prozess,
aber Urin muss zuerst vorbehandelt werden. Falls gelagerter Urin direkt in
einem Verdampfungsreaktor behandelt wird, bildet sich wegen der hohen Mengen
organischer Stoffe eine viskose Masse und der Stickstoff verflüchtigt sich als
Ammoniak. Diese Probleme lassen sich lösen, wenn der Urin zuerst nitrifiziert
wird (Stickstoffstabilisierung). Während
der Nitrifikation wird die Hälfte des Ammoniums zu Nitrat oxidiert, der pH
sinkt auf Werte zwischen 6 und 7 und 90% der organischen Stoffe werden
abgebaut.
In
Laborexperimenten konnten wir zeigen, dass bei der Verdampfung von
nitrifiziertem Urin praktisch alle Nährstoffe in einem trockenen Pulver
wiedergewonnen werden können; weniger als 3 % des ursprünglichen Stickstoffs
gehen während der Verdampfung verloren. Dank der hohen Temperaturen im
Verdampfungsreaktor ist das Produkt auch frei von Krankheitserregern. Der
theoretische Energiebedarf ist ungefähr 700 Wh/L, er kann aber mit modernen
Verfahren (Brüdenkompression) bis zu 90% reduziert werden. In unserer weiteren
Forschung werden wir die thermische Stabilität des produzierten Düngers
(Ammoniumnitrat) untersuchen und Möglichkeiten zur Reduktion des Energiebedarfs
abklären.
Vorträge
Udert, K.M., Waechter, M. (2010) Complete Nutrient Recovery from Source-Separated Urine. 7th IWA Leading-Edge Conference on Water and Wastewater Technologies, 2-4 June 2010, Phoenix, Arizona.

