Das "abwasserlose" Haus
Die Abwasserbeseitigung basiert heute in den meisten
Industriestaaten auf dem System der Schwemmkanalisation. Dabei wird das
anfallende häusliche Abwasser in weitverzweigten Kanalisationsnetzen gesammelt
und in einer zentralen Kläranlage gereinigt.
Dieses System setzte sich
aufgrund einiger Vorteile durch: über Abwasser verbreitete Seuchen sind
praktisch verschwunden, die Reinigung erfolgt kontrolliert an einem Ort, „aus
den Augen aus dem Sinn“-Prinzip (minimaler Aufwand für die Benutzer).
Trotzdem hat die Schwemmkanalisation auch einige Defizite:
•
Verschmutzung des Grundwassers durch undichte Kanäle
• ein hoher
Wasserverbrauch wird vorausgesetzt, um Feststoffe mitzuspülen
• Verdünnung durch Fremd- und
Regenwasser
• Kosten (insbesondere Bau und Ersatz)
• offene
Nährstoffkreisläufe
• wenig Handlungsspielraum
Es stellt sich nun die Frage, ob es auch Alternativen zu diesem
System gibt, ohne dass sich für die Benutzer wesentlichen Änderungen oder
Einschränkungen ergeben.
Die Anforderungen an ein neues System wären folgende:
• kleinerer Wasserverbrauch oder Wasserrecycling
• tiefere Kosten (Bau,
Unterhalt)
• keine Einbussen aus Sicht des Gewässerschutzes (gleiche
Ablaufqualität)
• geringer Ressourcenverbrauch (Anlagen, Energie, …)
•
gleicher Komfort für die Benutzer
Aufgrund dieser Überlegungen wurde das Projekt „Aquamin“ unter
Führung des Kantons Solothurn initiiert, bei dem in einem Einfamilienhaus in
Zuchwil SO eine Kleinkläranlage installiert wurde und die von der Eawag im
Rahmen einer Dissertation betreut wird. Dabei wird der ganze Wasserhaushalt
untersucht und die anfallenden „Abfallprodukte“ minimiert. Ob und wie es
funktioniert, wird sich bis Ende 2007 weisen.
Die Abwasserreinigung besteht aus folgenden
Teilsystemen:
1. Kleinkläranlage: Sie besteht aus
zwei Behältern von je rund 1 m3 Inhalt und behandelt das gesamte anfallende
Abwasser mechanisch-biologisch. Das gereinigte Abwasser wird über eine Membran
mit Porendurchmesser 0.04 ?m abgezogen. Forschungsfrage: wie wird der Reaktor
ideal betrieben (hohe Reinigungsleistung bei geringem Energieverbrauch)?
2. Urinbehandlung: Der phosphatreiche Urin wird separat gesammelt. Dazu
wurden NoMix-Toiletten installiert. In einem Fällungsreaktor wird der Phosphor
aus dem Urin entfernt und zu einem Düngeprodukt (Struvit) verarbeitet (siehe NOVA 4). Forschungsfrage: ist dieser Aufwand
machbar, nötig, und wie funktioniert das Zusammenspiel mit der Kläranlage? Wie
wird dieser Reaktor optimal betrieben. 3.. Schlammbehandlung: In der Kläranlage besorgen Mikroorganismen
den Abbau der Schmutzstoffe (sog. Belebtschlamm). Ein Teil des Belebtschlamm
wird periodisch in einen Filtersack gepumpt. Die Feststoffe werden dort
zurückgehalten und angetrocknet, während die Flüssigkeit in die Kläranlage
zurückfliesst. Frage: wie ist die Qualität des Klärschlamms bezüglich
Verunreinigungen (Schwermetalle, Mikroverunreinigungen). Kann er kompostiert und
als Humus verwendet werden?
4. Wiederverwertung: Das gereinigte Abwasser wird in einem
Speichertank gesammelt. Aus diesem Tank wird das Wasser für die Toilettenspülung
und die Gartenbewässerung entnommen. Damit kann eine Wassereinsparung von 30 -
40% erreicht werden. Frage: wie ist die Qualität des gereinigten Abwassers? Kann
es bedenkenlos eingesetzt werden?
Weitere Punkte die einer genaueren Betrachtung unterzogen
werden sind die Benutzerfreundlichkeit (kein Mehraufwand), der Wartungsaufwand
(= Kosten), Betriebssicherheit, Überwachung, Wasserhaushalt, Energieverbrauch.
Poster [89,7 KB]
Publikationen:
Abegglen, C., Sigrist, A., Siegrist, H. „Electrochemical
Phosphate Removal for Small-Scale Wastewater Treatment Plants”,
Wat.Sci.Techn., submitted
Abegglen, C., Joss, A., Boehler, M., Buetzer, S., Siegrist, H. (2009).
„Reducing the natural color of membrane bioreactor permeate with activated carbon or ozone”. Wat.Sci.Techn., accepted.
Abegglen, C. (2009). “Membrane bioreactor technology for decentralized wastewater treatment and reuse”, Diss. ETH No. 17998.
Abegglen,
C., Joss, A., McArdell, C.S., Fink, G., Schluesener, M.P., Ternes,
T.A., Siegrist, H. (2009). “The fate of selected micropollutants in a
single-house MBR”, Wat. Res. 43(7): 2036-2046.
Abegglen, C.,
Ospelt, M., Siegrist, H. (2008). „Biological nutrient removal in a
small-scale MBR treating household wastewater”, Wat.Res. 42(1-2):
338-346.
Abegglen, C., Siegrist, H. (2006). “Domestic wastewater treatment with a membrane bioreactor”, Wat.Sci.Techn. 53(3), 69-78.

