Separate biologische Faulwasserbehandlung
Idee
Üblicherweise wird während der Faulung in kommunalen
Kläranlagen etwa 40-50% des im Frischschlamm gebundenen Stickstoffs als Ammonium
freigesetzt, wodurch Konzentrationen im Faulwasser zwischen 600-1000 g NH4-N/m3
resultieren. Die Rückführung des ammoniumreichen überstehenden Wassers der
Nacheindicker und der Entwässerung in die Wasserstrasse führt zu einer
Stickstoff-Rückbelastung in der Grössenordnung von 15-20% bezogen auf den im
Zulauf zur Kläranlage enthaltenen Gesamtstickstoff. Durch eine separate
Behandlung dieser Teilströme wird die biologische Stufe substantiell entlastet,
wodurch überschüssiges Beckenvolumen für die Denitrifikation und evtl. für die
biologische Phosphor-Elimination zur Verfügung steht.
Ziel
Mittels
Versuchen mit einer Pilotanlage (Reaktorvolumen 4.0 m3) werden nacheinander drei
verschiedene Verfahren zur biologischen Entstickung des Faulwassers ausgetestet.
Ziel der drei Versuchskampagnen ist es, die jeweils massgebenden Prozesse zu
identifizieren und darauf basierend ein mathematisches Modell zu entwickeln und
zu kalibrieren. Der Wärmeeintrag resp. der Wärmeverlust dieser Verfahren und die
daraus resultierende Reaktortemperatur ist sehr stark mit der
Prozessgeschwindigkeit verknüpft. Zur Sicherstellung eines stabilen Betriebes
dieser Anlagen wird deshalb neben der Kinetik auch der Wärmehaushalt und dessen
Einflussfaktoren untersucht.
Drei verschiedene biologische
Verfahren
In einer ersten relativ kurzen
Versuchsphase wird die vollständige Nitrifikation/Denitrifikation mit Methanol
resp. Primärschlamm als C-Quelle in einem Sequencing Batch Reactor (SBR) auf der
ARA Au (St. Gallen, CH) und ARA Werdhölzli (Zürich, CH) untersucht. Erste
Ergebnisse zeigen, dass sich mit einem Austauschvolumen von 10-15% und einer
Zykluslänge von ca. drei Stunden eine vollständige Nitrifikation und
Denitrifikation ohne Alkalinitätslimitierung erreichen lässt. Dies bedeutet,
dass die im Faulwasser bereits vorhandene Alkalinität zusammen mit der infolge
der Denitrifikation produzierten Alkalinität ausreicht und somit keine aktive
pH-Kontrolle, z.B. durch eine Laugendosierung, notwendig wird.In der zweiten
Versuchsphase wird versucht, Ammonium nur bis zum Zwischenprodukt Nitrit zu
oxidieren, und den zweiten Teilschritt der Nitrifikation, die Oxidation vom
Nitrit zum Nitrat, zu unterbinden. Der Sauerstoffverbrauch der Nitrifikation
reduziert sich dadurch um 25%. Bei der anschliessenden Denitrifikation von
Nitrit zu elementarem Stickstoff kann noch einmal 40% der erforderlichen
externen Kohlenstoffquelle eingespart werden.
Reaktorkonfigurationen zur Untersuchung der
autotrophen Stickstoffelimination
Neuste
Untersuchungen an Biofilmverfahren deuten darauf hin, dass eine
Stickstoffelimination auch völlig ohne C-Quelle möglich ist. Unter anaeroben
Bedingungen wird dabei Nitrit von langsam wachsenden, autotrophen Bakterien mit
Ammonium im Verhältnis 1:1 zu elementarem Stickstoff oxidiert. Für die dritte
Versuchsphase wird deshalb die Pilotanlage als Kaskadenreaktor betrieben (siehe
Abbildung). Die Bereitstellung des erforderlichen Nitrits erfolgt durch einen
vorgeschalteten aeroben Reaktor mit suspendierter Biomasse. Dabei soll ca. 50%
des Ammoniums zu Nitrit oxidiert werden. Im darauf folgenden unbelüfteten
Reaktor lassen sich auf einem geeigneten Trägermaterial autotrophe Bakterien in
Form eines Biofilms züchten, welche das gebildete Nitrit zusammen mit dem noch
vorhandenen Ammonium vollständig zu elementarem Stickstoff umwandeln.
Beteiligte Personen
I. Brunner (Abteilung Verfahrentechnik,
Eawag),
K. Egli (Abteilung Mikrobiologie, Eawag),
C. Fux (Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag),
A. Hofmann (Stadtentwässerung,
Zürich),
G. Koch (Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag),
Ph. Huber
(Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag),
H. Siegrist (Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag),
J.R. Van der Meer (Abteilung Mikrobiologie,
Eawag),
M. Wehrli (Stadtentwässerung, Zürich),
Publikationen
Koch G. und Siegrist H. (1998). Separate biologische
Faulwasserbehandlung - Nitrifikation und Denitrifikation. VSA (Verband
Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute), Verbandsbericht,
522, 33-48.
Siegrist H., Reithaar S., G. Koch und Lais P. (1998). Nitrogen loss in a nitrifying rotating contactor treating ammonium-rich wastewater without organic carbon. Wat.Sci.Tech., 38(8-9), 241-248.
Koch G., Egli K., Van der Meer J.R. and Siegrist H. (2000).
Mathematical modeling of autotrophic denitrification in a nitrifying biofilm of
a rotating biological contactor. Wat. Sci. Tech., accepted.
G. Koch, C. Fux, P. Huber, I. Brunner, K. Lange, A. Monti
und H. Siegrist (1999). Biologische Entstickung von Faulwasser. VSA
Fortbildungskurs 1999 in Engelberg-Nährstoffelimination auf
Kläranlagen.

