Dezentrale Reinigung und Wiederverwendung von Toilettenabwasser im alpinen Raum
Die Nutzung und Bewirtschaftung der Alpen in höheren Lagen ist
vielfältig und hat sich im letzten Jahrhundert zunehmend von einer rein
landwirtschaftlichen Nutzung hin zu einer verstärkten touristischen
Bewirtschaftung entwickelt. Allein der Schweizer Alpenclub betreibt 153
Berghütten mit jährlich rd. 300`000 Übernachtungen. Dazu kommen etwa 1 Millionen
Tagesgäste, die als Wintersportler das Hochgebirge nutzen.
Aufgrund der besonderen Lage der Infrastrukturen (siehe Bild oben) kommt der Ver-
und Entsorgung von Wasser und Abwasser eine besondere Bedeutung zu. Die
Versorgung mit Schmelz- oder Quellwasser ist in vielen Fällen nicht gegeben. Des
Weiteren ist die Entsorgung des anfallenden Abwassers durch herkömmliche
Entsorgungspfade äusserst schwierig und aufwendig. In vielen Fällen verbleibt
nur eine unterhalts- und kostenintensive Ableitung, da eine örtliche
hinreichende Reinigung mit anschliessender Rückführung in den natürlichen
Wasserkreislauf nicht möglich ist.
Im vorgestellten Projekt wird im Skigebiet von Zermatt (Kanton
Wallis) die höchst gelegene, vollbiologische Kläranlage Europas (in einer
Seilbahnstation auf 3286 m ü. M., siehe Grafik) auf Basis von Membranen mit Wiederverwendung
des gereinigten Abwassers betrieben. Aufgrund der Wiederverwendung und der
weitestgehenden biologischen und physikalischen Reinigung des Abwassers (nur
Urin) gelingt es, die negative Beanspruchung der sensiblen Bergwelt durch den
Abwasseranfall zu minimieren. Im Projekt werden spezielle Fragen zur Aufsalzung
und Färbung des gereinigten Abwassers, zur Problematik der stark saisonal
schwankenden Nährstoffbelastung, der Stickstoffelimination bei geringem
CSB/N-Verhältnis, zur Schlammentsorgung und zum ganzjährigen Unterhalt
derartiger Belebschlammanlagen geklärt. Dem Projekt kommt bei einer globalen
Betrachtung eine besondere Bedeutung zu, da allein im Alpenraum die aufgezeigte
Problematik hundertfach auftritt und in ariden Gebieten einer Wiederverwendung
von Abwasser weltweit grosse Bedeutung zukommen wird. Der Betrieb der Anlage ist
ein Gemeinschaftsprojekt der Zermatt Bergbahnen, der terraLink Gmbh und der
Eawag, unterstützt wird das Projekt durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU).
Die
erzielten Ergebnisse im Projekt konnten die Jury für den zum erstenmal
international ausgeschriebenen Mülheimer Wasserpreis überzeugen,
welcher von der IWA (International Water Association) unterstütz wird [mehr..].
Eine detailierte Zusammenfassung der Projektergebnisse findet sich im Schlussbericht.
Poster [476 KB]
Flyer [115 KB]
Schlussbericht [1,8 MB]

