BAFU Projekt "Strategie MicroPoll"
Mikroverunreinigungen in aquatischen Systemen können als "neue" Verunreinigungen bezeichnet werden. Einerseits sind es Substanzen die neu auf den Markt kommen und so erst seit kurzem überhaupt in die Umwelt gelangen. Andererseits trägt die moderne chemische Analytik dazu bei, dass auch "alte" Verbindungen in sehr tiefen Konzentrationen nachgewiesen werden können, im Bereich Mikro- bis Nanogramm pro Liter. Da Mikroverunreinigungen auch im Trinkwasser nachgewiesen werden konnten und bereits geringste Mengen negative Effekte auf Wasserlebewesen haben können, rückten sie nicht nur in den Fokus der Forschung sondern auch ins Bewusstsein der Bevölkerung. Beispiele wie die Verweiblichung männlicher Fische lassen nachdenklich stimmen. Konventionelle Reinigungsverfahren in Kläranlagen eliminieren heute schon einen Teil dieser Mikroverunreinigungen, obwohl sie ursprünglich nicht darauf ausgelegt wurden. Mit dem interdisziplinären Projekt "Strategie MicroPoll" unter der Federführung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) soll eine Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, um die folgenden Fragen beantworten zu können:
- Stellen Mikroverunreinigungen aus der Siedlungsentwässerung ein Problem für die Qualität der Gewässer dar?
- Ist die heutige Abwasserreinigung ausreichend? Braucht es eine zusätzliche Reinigungsstufe?
- In welchen Bereichen machen gezielte Massnahmen an der Quelle Sinn im Vergleich zu den kurz- bis mittelfristige "end-of-pipe" Lösungen?
Die Ingenieurwissenschaften unterstützen das Projekt
massgeblich mit der Erstellung eines gesamtschweizerischen Stoffflussmodells.
Der Belastungszustand der Oberflächengewässer durch Mikroverunreinigungen aus
der Siedlungsentwässerung dient zur Identifikation kritischer
Gewässerabschnitte. Mit der Planung und Optimierung einer zusätzlichen
Reinigungsstufe im grosstechnischen Massstab auf einer bestehenden Kläranlage
wird ein weiterer wichtiger Beitrag zum Gelingen des Projektes geleistet.
Bild: Die
vorläufigen Berechnungen identifizieren über 150 Einleitstellen wo der
Verdünnungsfaktor kleiner als 10 ist - Annahmen: Der durchschnittlicher
Trockenwetterabwasseranfall pro Einwohner und Tag beträgt 400 Liter und die
Abflüsse im Gewässer sind interpolierte Q347-Werte (Daten und
Interpolationsmethode BWG, 2002). Die betroffenen Abwasserreinigungsanlagen
sind von sehr unterschiedlicher Grösse (200 bis 200'000 natürliche Einwohner)
und behandeln das Abwasser von ca. 20% der gesamten Bevölkerung.

