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Eawag ist Vorreiterin beim offenen Zugang zu ihrer Forschung

6. Januar 2026 | Claudia Carle

Die Eawag setzt sich seit Jahren dafür ein, dass ihre Forschungsergebnisse «Open Access» sind, also offen und kostenfrei zugänglich. Innerhalb der Schweizer Hochschullandschaft erreicht sie daher Spitzenwerte beim open-access-Anteil ihrer wissenschaftlichen Publikationen.  

Wie lässt sich unser Abwasser noch besser reinigen? Wo müssen wir ansetzen, um die gefährdete Artenvielfalt am effizientesten zu schützen? Oder wie verändert der Klimawandel die Wasserkreisläufe? Meist sind es öffentliche Mittel, die wissenschaftlichen Institutionen wie dem Wasserforschungsinstitut Eawag ermöglichen, Antworten auf solche Fragen zu finden. Wenn das erarbeitete Wissen «Open Access» publiziert wird, also online für jeden und jede sofort und kostenfrei zugänglich ist, kommt es ohne Verzögerung auch wiederum allen zugute. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können in ihrer eigenen Forschung daran anknüpfen, Fachleute und Behörden auf das aktuelle Wissen zurückgreifen, ohne – wie es früher Standard war – Zugang zu teurer Fachjournalen haben zu müssen.

Mehr als 87% Open Access

Die Eawag fördert Open Access seit vielen Jahren und stellt ihre wissenschaftlichen Publikationen seit 2016 auf der Plattform DORA (Digital Object Repository at Eawag) zur Verfügung. «Mehr als 87% der wissenschaftlichen Publikationen der Eawag im Zeitraum von 2020 bis 2024 sind öffentlich zugänglich», sagt Lothar Nunnenmacher, Leiter der Bibliothek der Eawag und der drei anderen Forschungsinstitutionen des ETH-Bereichs, Lib4RI, die DORA entwickelt hat und betreibt. «Das ist ein Spitzenwert innerhalb des ETH-Bereichs und auch verglichen mit anderen Schweizer Hochschulen.»
 

Anteil der öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Publikationen verschiedener Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitute zwischen 2020 und 2024. Institutionen mit Fachgebieten, die vor allem in nationalen Verlagen publizieren, bei den Open Access teilweise noch kein Thema ist, haben es hier schwerer, hohe Anteil zu erreichen. (Grafik: Eawag, Daten: Swiss Open Access Monitor)

Open-access-Publikationen werden viermal häufiger zitiert

Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist die systematische Förderung von Open Access durch die Schweizer Hochschulen und Bibliotheken. So hat die Bibliothek der Eawag, eingebettet in das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken, mit vielen Fachzeitschriften Vereinbarungen aushandelt, damit die Forschenden dort Open Access publizieren können. Vor allem mit den grossen internationalen und stark gewinnorientierten Verlagen ist das kein leichtes Unterfangen und führt je nach Verlag zu verschiedenen Modellen (siehe Grafik). Darüber hinaus unterstützt die Bibliothek der Eawag die Forschenden mit einem umfassenden Service, um sie zu open-access-Publikationen zu motivieren und den damit verbundenen Aufwand zu minimieren. Das bringt nicht zuletzt auch den Forschenden selbst Vorteile, denn open-access-Publikationen werden rund viermal häufiger von anderen Forschenden aufgegriffen und zitiert. Damit steigen die Sichtbarkeit und der Einfluss der eigenen Forschung.
 

Zeitliche Entwicklung der Zugänglichkeit von Veröffentlichungen der Eawag. Der Anteil der öffentlich zugänglichen Publikationen hat dank der konsequenten Förderung über die letzten Jahre deutlich zugenommen. Gold Open Access steht für Publikationen in Fachzeitschriften, die komplett öffentlich zugänglich sind, dafür aber häufig hohe Publikationsgebühren von den Autorinnen und Autoren verlangen. Bei Fachzeitschriften mit Hybrid Open Access sind nur einzelne Artikel frei zugänglich. Mit Green Open Access werden Artikel bezeichnet, die beim Verlag nicht öffentlich zugänglich, aber als Zweitveröffentlichung auf Plattformen der Institute wie DORA verfügbar sind, allerdings meist erst nach einer Sperrfrist von mehreren Monaten oder Jahren. (Grafik: Eawag, Daten: Swiss Open Access Monitor)

Hebel für die weitere Erhöhung von Open Access

Auf der anderen Seite verlangen auch Institutionen, die Forschungsprojekte finanzieren, zunehmend, dass die Forschungsergebnisse Open Access publiziert werden. Hier sieht Lothar Nunnenmacher auch einen wichtigen Hebel, um den Anteil der open-access-Publikationen weiter zu erhöhen. «Die EU fordert das bei ihren Forschungs-Förderprogrammen strikt ein und kürzt gegebenenfalls die Forschungsgelder, wenn die Publikationen nicht Open Access sind.»

Auch Regelungen auf gesetzlicher Ebene könnten helfen, die Interessen von Open Access gegenüber den mächtigen Grossverlagen durchzusetzen. «Holland hat seit bald zehn Jahren ein Gesetz, das den Bibliotheken der Forschungsinstitutionen ermöglicht, Veröffentlichungen unabhängig von den Vorgaben der Verlage nach spätestens sechs Monaten öffentlich zugänglich zu machen.» Eine ähnliche Regelung auf europäischer Ebene wird derzeit verhandelt – sie könnte möglicherweise noch einen Schritt weitergehen und Sperrfristen ganz unterbinden.
 

Open Science

Die Eawag unterstützt die Entwicklung hin zu einem offenen und kostenfreien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Das umfasst neben öffentlich zugänglichen, wissenschaftlichen Publikationen auf der Plattform DORA («Open Access») auch den freien Zugang zu Forschungsdaten inklusive Beschreibungen, Bildern und Software («Open Research Data»). Für letztere hat die Eawag die Plattform ERIC (Eawag Research Data Institutional Collection) aufgebaut.

Titelbild: Wenn mit öffentlichen Mitteln erarbeitetes Wissen «Open Access» publiziert wird, kommt es auch wiederum allen zugute. (Foto: iStock Natali_Mis)