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ETH-Medaille für Lisa Deutsch
26. Januar 2026 |
Die ETH Zürich zeichnet jedes Jahr hervorragende Master- und Doktorarbeiten mit der ETH-Medaille aus. Eine der Medaillen ging dieses Jahr an Lisa Deutsch für ihre Doktorarbeit «Practicing integration in inter- and transdisciplinary research: The role of enabling conditions and integrative leadership». Die Verleihung der ETH-Medaille fand im Rahmen der Promotionsfeier am 23. Januar statt.
Inter- und transdisziplinäre Forschung in der Praxis
Gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit oder Pandemien sind komplex und lassen sich nicht einfach bewältigen. In ihrer Doktorarbeit zeigt Lisa Deutsch, dass es weniger an Expertinnen und Experten mangelt, sondern vor allem an einer wirksamen Zusammenarbeit über disziplinäre Fachgrenzen hinweg (interdisziplinär) sowie zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis (transdisziplinär). Damit inter- und transdisziplinäre (ITD) Integration gelingt, muss sie proaktiv gefördert und geleitet werden.
Geeignete Rahmenbedingungen, integrative Führung und unterstützende Methoden
Auf Basis einer qualitativen Begleitforschung in drei grossen ITD-Forschungsprogrammen und Netzwerken in der Schweiz zwischen 2020 und 2023 analysierte Lisa Deutsch, wie Integrationsprozesse konkret gestaltet werden können, was förderlich bzw. hinderlich ist. Ihre Ergebnisse zeigen, dass das Ineinandergreifen von drei Faktoren entscheidend ist: geeignete Rahmenbedingungen, integrative Führung und unterstützende Methoden. «Oft konzentriert man sich auf nur einen dieser Faktoren. Mir war wichtig, ihr Zusammenspiel zu untersuchen und daraus konkrete Handlungsansätze auf verschiedenen Ebenen abzuleiten» sagt Lisa Deutsch.
Die drei begleiteten Forschungsprogramme und Netzwerke
(1) ITD-Forschungsprogramm «Extremes» an der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.
(2) Sektorenübergreifendes Netzwerk NCCS (Nationales Zentrum für Klimadienstleistungen, Geschäftsstelle: Bundesamt MeteoSchweiz) und sein ITD-Forschungsprogramm «NCCS-Impacts»
(3) ITD-Programm «Wings» (Wasser- und Abwasserinnovationen für netzunabhängige Lösungen) am Wasserforschungsinstitut Eawag
Ihre Arbeit macht deutlich, dass förderliche Rahmenbedingungen auf mehreren Ebenen ansetzen müssen – von einzelnen Teammitgliedern, Programmleitenden und Direktionen über Programmdesign und Anreizstrukturen in Institutionen bis hin zu den Geldgebern und Entscheidungsträgerinnen in der Wissenschaftspolitik. Zudem arbeitete Lisa Deutsch heraus, dass integrative Führung eine Schlüsselrolle spielt, für die ausreichend personelle Ressourcen und Integrationsexpertise vorhanden sein müssen. Erfolgreiche Leitung von ITD-Programmen bedeutet dabei mehr als Koordination und Moderation: Sie umfasst neben unterstützenden, auch kreative und inhaltliche Beiträge sowie den aktiven Umgang mit vielfältigen Führungsherausforderungen. Ergänzend präsentiert die Arbeit Einsichten in die Anwendung integrativer Methoden wie der „Theory of Change“ auf ITD-Forschungsprogramme und diskutiert, wie diese dabei helfen können, die Integration über inter- und transdisziplinäre Grenzen hinweg zu erleichtern und praktisch umzusetzen.
Cartoons und ein nominierter Kurzfilm veranschaulichen die Ergebnisse
Ihre Erkenntnisse veranschaulichte Lisa Deutsch zudem mit dem Zeichner und Cartoonisten Christof Stückelberger und der Eawag-Forschungsgruppenleiterin Sabine Hoffmann in einer Reihe von Cartoons «Wie inter- und transdisziplinäre Forschung garantiert scheitert». Die dargestellten Szenen geben auf humoristische Art disziplinenübergreifende Denkanstösse. Sie laden dazu ein, das eigene Forschungsverhalten zu überdenken und mit Teammitgliedern zu diskutieren, wie gute ITD-Forschung gelingen kann.
Cartoons: Wie inter- und transdisziplinäre Forschung garantiert scheitert. Szenen aus der inter- und transdisziplinären Forschung. Zu den Cartoons (Cartoons: Lisa Deutsch, Sabine Hoffmann, Christof Stückelberger)
Zudem entstand in Zusammenarbeit mit anderen Nachwuchsforschenden aus dem Forschungsprogramm Wings der animierte Kurzfilm «Verhebets? Ein ressourcenorientierter Apéro», der vom Global Science Film Festival in der Kategorie «Best Short Film 2023» nominiert wurde. Er erklärt das Potenzial der ressourcenorientierten Siedlungswasserwirtschaft und beantwortet häufige Fragen und Bedenken der wichtigsten Interessengruppen.
Animierter Kurzfilm «Verhebets? Ein ressourcenorientierter Apéro»
Insgesamt verbindet die Doktorarbeit von Lisa Deutsch Theorie und Praxis und liefert konkrete, handlungsorientierte Erkenntnisse für alle, die inter- und transdisziplinäre Forschung stärken und ihren Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Zukunftsfragen wirksam gestalten möchten. «Besonders begeistert hat mich der Enthusiasmus und das Engagement, mit dem die Programmleitenden an den regelmässigen Fokusgruppen teilgenommen haben. Dieser Reflexionsraum ermöglichte es, Erkenntnisse aus der Begleitforschung frühzeitig in die laufenden Programme einfliessen zu lassen – statt erst am Ende des Projekts, wo sie potenziell in der Schublade verschwinden können.»
Die Arbeit entstand im Rahmen des Eawag-Programms Wings in der Eawag-Forschungsgruppe Inter- und Transdisziplinäre Forschung (Dr. Sabine Hoffmann) sowie dem Transdisciplinarity Lab (Prof. Christian Pohl) und der Forschungsgruppe Wetter- und Klimarisiken (Prof. David N. Bresch) der ETH Zürich. Aktuell ist Lisa Deutsch für das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich als Stabsmitarbeiterin und Projektleiterin tätig.
Titelbild: Die ETH-Zürich überreicht Lisa Deutsch die ETH-Medaille für ihre Doktorarbeit, die sie an der Eawag und an der ETH Zürich verfasst hat. (Foto: Sabine Hoffmann)