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Vom Flohmittel ins Fliessgewässer

15. Januar 2026 | Karin Weinmann

Das Insektizid Fipronil wurde in Schweizer Fliessgewässern in Konzentrationen nachgewiesen, die für Wasserlebewesen kritisch sind. Als Pflanzenschutzmittel darf es seit Jahren nicht mehr eingesetzt werden. Eine Studie mit Beteiligung der Eawag zeigt nun: die wahrscheinlichste Quelle der Belastung sind Floh- und Zeckenschutzmittel für Haustiere.

Fipronil ist ein Insektizid und Akarizid, ein Biozid zur Bekämpfung von Flöhen und Zecken. Es wirkt aber nicht nur gegen Schädlinge, sondern ist auch für aquatische Organismen hochtoxisch: Wenn diese über mehr als zwei Wochen einer Konzentration von bereits 0,77 Nanogramm Fipronil pro Liter Wasser ausgesetzt sind, können schädigende Effekte nicht mehr ausgeschlossen werden, wie das Oekotoxzentrum zeigte. Diese Schwelle gilt als chronisches Qualitätskriterium (CQK).

Fipronil ist in der Schweiz seit 2014 als Pflanzenschutzmittel und seit 2023 auch als Biozid (z. B. gegen Ameisen oder Schaben) nicht mehr zugelassen. Der Verkauf bestehender Biozidprodukte ist noch bis Januar 2026 erlaubt. Als Antiparasitenmittel für Haustiere hingegen bleibt der Wirkstoff weiterhin zugelassen.

Hohe Belastung in Schweizer Fliessgewässern

Messungen im Rahmen des nationalen Fliessgewässermonitoring (NAWA TREND MV) zeigen, dass der CQK-Wert in zahlreichen Gewässern überschritten wird. Damit stellt Fipronil für die Wasserlebewesen ein Risiko dar. Im Messjahr 2022 führte kein anderes Pestizid zu so vielen Überschreitungen des CQK wie Fipronil.

Woher stammt das Fipronil?

Forschende des Wasserforschungsinsituts Eawag und der VSA-Plattform Wasserqualität analysierten Daten des nationalen Monitorings sowie einer zusätzlichen Messkampagne. Da Fipronil laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) kaum noch als Biozid eingesetzt wird, blieb als wahrscheinlichste Quelle die Tiermedizin: Spot-On-Präparate gegen Flöhe und Zecken bei Hunden und Katzen.
 

Wege ins Gewässer

Nach der Anwendung kann es über verschiedene Wege in die Gewässer gelangen.

  • über häusliches Abwasser, z. B. durch Händewaschen nach dem Auftragen, durch Waschen oder Baden der Tiere oder durch Reinigung kontaminierter Textilien;
  • direkt, etwa wenn behandelte Tiere in Gewässern baden

Um die Bedeutung dieser Eintragswege zu bestimmen, verglichen die Forschenden Proben aus Fliessgewässern mit und ohne gereinigtem Abwasser aus Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Das Ergebnis war eindeutig: Fipronil gelangt fortlaufend mit dem häuslichen Abwasser über ARA in Gewässer.

Weitere Mittel im Verdacht

Fipronil ist nicht das einzige Insektizid in Antiparasitenprodukten für Haustiere. Zu einigen dieser Wirkstoffe fehlen aktuell Messdaten, da die Analytik sehr herausfordernd ist; bei anderen ist die Herkunft nicht klar, da diese auch als Biozide oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Ob auch diese Wirkstoffe die Gewässer durch ihren Einsatz bei Haustieren belasten, ist Gegenstand zukünftiger Forschung.
 

Titelbild: Floh- und Zeckenschutzmittel sind die wahrscheinlichsten Quellen für Fipronil in Schweizer Fliessgewässern. (Bild: Canva / Csaba Deli)
 

Originalpublikation

Barth, S.; Doppler, T.; Ganz, V.; Luong, K.; Singer, H. (2025) Fipronil belastet die Fliessgewässer. Antiparasitäre Tierarzneimittel für Heimtiere als wahrscheinlichste Quelle, Aqua & Gas, 105(10), 90-95, Institutional Repository

Finanzierung / Kooperationen

  • Eawag
  • VSA-Plattform Wasserqualität
  • Bundesamt für Umwelt (BAFU)