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Janet Hering, Direktorin der Eawag (Foto: Eawag)

«Ich empfinde den Klang von Wasser als sehr beruhigend»

Der heutige Weltwassertag steht unter dem Motto «Wert des Wassers – Was bedeutet Wasser für Sie?». Damit wollen die Vereinten Nationen das Bewusstsein für Wasser als lebenswichtige Ressource schärfen und die Menschen dazu aufrufen, sich Gedanken über den Wert des Wassers zu machen. In einem Interview erklärt die Eawag-Direktorin Janet Hering, welche Bedeutung Wasser für das Wasserforschungsinstitut Eawag und auch für sie persönlich hat.

Welche Bedeutung hat Wasser für Sie persönlich?

Für uns in den Industrieländern ist der Zugang zu sauberem Wasser ein so normaler Bestandteil des täglichen Lebens, dass wir ihn schnell als selbstverständlich ansehen. Ich persönlich empfinde den Klang von Wasser – vor allem das eines rauschenden Wasserfalls oder eines rauschenden Meeres – als sehr beruhigend. Sogar der Klang von Wasser in der Küchenspüle, wenn ich Geschirr spüle, erinnert mich an seine Bedeutung und seinen Wert.

Und was bedeutet Wasser für Sie als Direktorin der Eawag?

Wasser ist der zentrale Fokus in Forschung, Lehre und Beratung der Eawag. Die Eawag spielt national und international eine führende Rolle bei der Entwicklung wissenschaftlicher Grundlagen für das nachhaltige Management von Wasserversorgung, Wasserressourcen und Wasserökosystemen.

Was sind aus Sicht der Wasserforschung die grössten Herausforderungen bezüglich Wasser in der Schweiz?

Wir haben in der Schweiz ein Infrastruktur-System aufgebaut und Strategien für das Wassermanagement etabliert, die uns in vielerlei Hinsicht gute Dienste geleistet, aber auch einiges gekostet haben. Wir haben unter anderem mit dem Verlust der Biodiversität dafür bezahlt. Die grösste Herausforderung: Wir müssen akzeptieren, dass vergangene Praktiken und Strategien möglicherweise nicht für die Zukunft geeignet sind.

Und was sind die aktuellen und zukünftigen Herausforderung weltweit?

Anders als in der Schweiz ist Wasser in vielen Länder eine sehr unsichere Ressource, teilweise aufgrund völlig unzureichender Infrastruktur. Die Vereinten Nationen haben 2010 das Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung anerkannt. Dennoch haben schätzungsweise 790 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 1,8 Milliarden Menschen keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung. Die rasche und wenig regulierte Industrialisierung hat in Schwellenländern auch zu verschmutzten Gewässern und Wasserstrassen geführt.

Wie kann die Eawag den Wert des Wassers hervorheben und helfen, Wasser wirksam zu schützen? 

Wasser ist ein lebenswichtiges Gut. Ohne Wasser überleben wir nicht. Wir sind zudem auf die Ökosystemdienstleistungen angewiesen, die Gewässer und Wasserkreisläufe für uns erbringen. Um Menschen und Gesellschaften zum Schutz dieser lebensnotwendigen Ressource zu ermutigen, informiert die Eawag darüber, wie sich unsere Aktivitäten auf die Wasserumwelt auswirken.

Was kann die Eawag dazu beitragen, das Ziel 6 der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle zu gewährleisten?

Die Eawag, vor allem unsere Abteilung «Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung (Sandec)», hat über Jahrzehnte zu Verbesserungen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) beigetragen. Diese Arbeit ist im neu erschienenen Bericht «A Sanitation Journey – Principles, Approaches & Tools for Urban Sanitation» beschrieben. Die Forschung der Eawag entwickelt auch neue Methoden zur Beurteilung der Wasserqualität und Technologien zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für Wasser. Damit trägt sie zur Verbesserung der Wasserqualität bei

Die Eawag ist eines der führenden Wasserforschungsinstitute der Welt. Wie macht die Eawag ihr Wissen anderen Ländern, der Fachwelt und der Politik zugänglich?

Die Eawag veröffentlicht ihre Ergebnisse vor allem in wissenschaftlichen Publikationen. Sie sind vor allem für die Fachwelt nützlich, bilden aber auch die Grundlage für weitere Publikationen, wie Faktenblätter, Videos, Blogs, Pressemitteilungen und Artikel in Zeitschriften von Fachverbänden. Natürlich ist es hervorragend, wenn die Medien unsere Arbeit aufgreifen, da die Eawag dadurch eine viel breitere Öffentlichkeit erreicht. Darüber hinaus bieten wir zusammen mit der EPFL die MOOC-Reihe «Sanitation, Water and Solid Waste for Development» an, ein Open-Access eLearning-Programm. Damit konnten wir bis heute fast 160'000 Personen weltweit erreichen.

Erstellt von Bärbel Zierl