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Der Biber macht Fliessgewässer dynamischer und artenreicher. (Foto: Mark Giuliucci, Flickr, CC BY-NC 2.0)

Auch Bäche in landwirtschaftlichen Gebieten profitieren vom Biber

9. Februar 2021,

Biber sind Baumeister und verändern mit ihren Dämmen und Burgen die Gewässerlandschaften. Wo sie vorkommen, steigt beispielsweise die Artenvielfalt an Wasserlebewesen. Dass dies auch für Bäche in stark landwirtschaftlich genutzten Regionen gilt, zeigt eine Eawag-Studie aus dem Zürcherischen Weinland erstmals. Das macht die Nager zu interessanten Partnern für Gewässeraufwertungen.

Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet, sind Biber heute landauf, landab wieder fast überall anzutreffen. Insbesondere im Mittelland und in den letzten zehn Jahren haben sie sich stark verbreitet, sodass aktuell schätzungsweise fünf bis sechstausend Biber in Schweizern Gewässern leben.

Wahre Baumeister

Die Nager sind bekannt dafür, dass sie die Morphologie aber auch die Hydrologie und Ökologie von natürlichen Fliessgewässern stark verändern und diese dadurch dynamischer und artenreicher machen. Unklar war bisher aber, ob dies in ähnlichem Mass auch auf urbane oder landwirtschaftliche Bäche zutrifft – just jene Bäche also, die die Biber heute vorwiegend besiedeln. Nun konnten Forschende der Eawag und der Universität Lausanne zeigen, dass dem so ist: Biberteiche erhöhten nicht nur die Artenvielfalt zweier landwirtschaftlich geprägter Bäche, sondern veränderten auch das Nahrungsangebot für die Wassertiere. Wie gross der Einfluss des Bibers aber war, hing stark von der Topografie ab.
 

Am Mederbach in der Gemeinde Marthalen schuf der Biber mit seinen Dämmen ein sumpfartiges Feuchtgebiet. (Foto: Christopher Robinson)

Am Mederbach in der Gemeinde Marthalen schuf der Biber mit seinen Dämmen ein sumpfartiges Feuchtgebiet.
(Foto: Christopher Robinson)

Effekt stark von der Topographie abhängig

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden zwei Bäche im Zürcherischen Weinland, an denen Biber vor über zehn Jahren anfingen, mehrere Dämme zu bauen: den Mederbach in der Gemeinde Marthalen sowie den Langwisenbach in der Gemeinde Flaach. Wie die Ergebnisse zeigen, wirkten sich die Biber in vielerlei Hinsicht positiv auf die Bäche aus. So hielten die Teiche Sedimente und Nährstoffe zurück. In einem nicht gestauten Bach hingegen würden diese direkt abtransportiert. Wegen der Teiche standen den Wasserlebewesen auch mehr terrestrische Nahrungsquellen zur Verfügung. Nicht zuletzt entstanden dadurch auch neue Lebensräume. So konnten sich Tiere ansiedeln, die sonst nicht in schnell fliessenden, sondern ruhigen Gewässern zu finden sind. Das erhöhte die aquatische Biodiversität des gesamten Systems. Während all diese Effekte in beiden Bächen beobachtet werden konnten, waren sie am Mederbach ausgeprägter als am Langwiesenbach. Erklären lässt sich dies mit der unterschiedlichen Topografie: Der Mederbach hat ein geringeres Gefälle als der Langwiesenbach und ist seitlich auch nicht durch eine Art Schlucht begrenzt. Der Bach hat damit sozusagen mehr Raum, um sich zu verändern. Insgesamt waren die Biberteiche am Mederbach denn auch viel breiter und weniger tief.
 

Wie stark der Biber seinen Lebensraum verändern kann, hängt von der Topografie des Baches ab. Am Langwiesenbach war die Ausbreitung der Biberteiche durch die Böschung auf beiden Seiten begrenzt. (Foto: Christopher Robinson)

Wie stark der Biber seinen Lebensraum verändern kann, hängt von der Topografie des Baches ab. Am Langwiesenbach war die Ausbreitung der Biberteiche durch die Böschung auf beiden Seiten begrenzt.
(Foto: Christopher Robinson)

Rasch sichtbare Resultate

«Unsere Resultate zeigen, dass Biber auch landwirtschaftlich geprägte Fliessgewässer ökologisch aufwerten können», sagt der Gewässerökologe und Erstautor der Studie, Christopher Robinson. Der Biber als Revitalisierer sei eine einfache und nachhaltige Lösung, die in der Schweiz auch schon verfolgt werde. Viele der positiven Effekte seien zudem bereits im ersten Jahr sichtbar, wie etwa die Besiedlung der neuen Habitate. An den untersuchten Bächen in Marthalen und Flaach waren hier sogar gefährdete Arten, wie Libellenlarven, darunter. Aus der Sicht des Wissenschaftlers ist die Rückkehr der Biber denn auch eine Win-win-Situation. «Wenn sich die Populationen aber weiterhin derart erfolgreich ausbreiten, wird es unweigerlich auch Konflikte geben», gibt Robinson zu Bedenken.
 

Der Biber macht Fliessgewässer dynamischer und artenreicher. (Foto: Mark Giuliucci, Flickr, CC BY-NC 2.0)

Der Biber macht Fliessgewässer dynamischer und artenreicher.
(Foto: Mark Giuliucci, Flickr, CC BY-NC 2.0)

Originalartikel

Robinson, C. T.; Schweizer, P.; Larsen, A.; Schubert, C. J.; Siebers, A. R. (2020) Beaver effects on macroinvertebrate assemblages in two streams with contrasting morphology, Science of the Total Environment, 722, 137899 (9 pp.), doi:10.1016/j.scitotenv.2020.137899, Institutional Repository
Erstellt von Felicitas Erzinger, Andri Bryner