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Aufweitung Ile de Falcon an der Rhone bei Sierre, Kanton Wallis (Foto: Christine Weber, Eawag)

Fliessgewässerrevitalisierung: Wirkungskontrollen mit Wirkung

8. Mai 2020,

In der Schweiz werden vielerorts Fliessgewässer und Seeufer revitalisiert. Die neue Praxisdokumentation «Wirkungskontrolle Revitalisierung» von Eawag und BAFU schafft die Grundlage, um gemeinsam über Projektgrenzen hinweg zu lernen.

Kanalisierung, Abwasserableitung, Wasserkraftnutzung – Fliessgewässer gehören zu den am stärksten beeinflussten Ökosystemen weltweit. Gleichzeitig sind Fliessgewässer hochdynamische Systeme von aussergewöhnlicher biologischer Vielfalt und gesellschaftlicher Bedeutung. In diesem Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung setzt die Schweiz in den kommenden Jahrzehnten zahlreiche Revitalisierungs- und Sanierungsprojekte um. Bis ins Jahr 2090 sollen beispielsweise 4‘000 Kilometer Fliessgewässer und Seeufer revitalisiert werden.

Gemeinsam lernen für die Zukunft

«Revitalisieren bedeutet Experimentieren und Lernen», sagt der renommierte US-Geomorphologen Mathias Kondolf. Ob Flussbauerin, Angler oder Vogelschützerin: Alle können in Revitalisierungsprojekten ihr Wissen über Fliessgewässer, ihre Dynamik und Erholungsfähigkeit erweitern. Gerade die grosse Vielfalt an Projekten in der Schweiz – vom eingedolten Bach in der Kleinstadt bis hin zum begradigten Fluss in der Landwirtschaftszone – bietet die Chance, unterschiedliche Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und damit die Projekte laufend zu verbessern.

Um einen gemeinsamen projektübergreifenden Lernprozess zu erleichtern, hat das Wasserforschungsinstitut Eawag seit Oktober 2015 im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU und in engem Austausch mit drei Begleitgruppen – Eawag-intern, national, international – ein Konzept und eine Praxisdokumentation für die Wirkungskontrolle Revitalisierung der Fliessgewässer erarbeitet. Dabei wurden die Bedürfnisse der Kantone, welche die Arbeiten ausführen bzw. beauftragen, in einem iterativen Prozess abgeholt und in das Konzept eingearbeitet. Seit Januar 2020 folgt die Wirkungskontrolle in der Schweiz nun diesem einheitlichen Vorgehen. So ist sichergestellt, dass

  • Angaben zu Umsetzung und Wirkung der Revitalisierungsprojekte schweizweit verfügbar sind,
  • die Angaben untereinander vergleichbar sind,
  • sowohl kurzfristige Veränderungen wie auch längerfristige Wirkungen erfasst werden,
  • die Ursachen für eine bestimmte Wirkung erschlossen werden (z.B. Einfluss der Länge des revitalisierten Abschnitts, Fragmentierungsgrad).

Die neue Wirkungskontrolle Revitalisierung besteht aus zwei Elementen – der Wirkungskontrolle STANDARD und der Wirkungskontrolle VERTIEFT. Die beiden Elemente ergänzen sich: So wird mit der Wirkungskontrolle STANDARD durch Vorher-Nachher-Vergleiche die Entwicklung zahlreicher Revitalisierungsprojekte verfolgt. Dabei wird möglichst das gesamte Spektrum an Revitalisierungsmassnahmen, Gewässertypen und Regionen abgebildet. Mit der Wirkungskontrolle VERTIEFT können dagegen spezifische Fragen mit sehr konkreten Projektanforderungen zeitnah angegangen werden. Für 2020 bis 2024 liegt der Schwerpunkt auf Revitalisierungen in kleinen Gewässern.

In Verantwortung des BAFU werden die Resultate aus STANDARD und VERTIEFT zusammengeführt und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Damit können zukünftige Revitalisierungen noch kosteneffektiver werden und einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der heimischen Biodiversität leisten.

Weiterführende Informationen

Wirkungskontrolle Revitalisierung – Gemeinsam lernen für die Zukunft (BAFU)

Die Praxisdokumentation ist aktuell in Deutsch und Französisch, ab Sommer 2020 auch in Italienisch und Englisch verfügbar.

 

Erstellt von Bärbel Zierl