Kunst auf dem Campus
Hauptdarsteller an den beiden Standorten der Eawag sind mit Sicherheit die Büro- und Laborgebäude sowie Forschungsinfrastrukturen wie die Versuchshalle ARA Eawag und die Versuchsteichanlage in Dübendorf oder das Bootshaus für die Forschungsboote in Kastanienbaum. Doch wer genau hinschaut, entdeckt in, an und zwischen den Bauwerken einige Nebendarsteller – Kunstwerke, die mehrheitlich als «Kunst am Bau» beim Neubau von Gebäuden entstanden sind. Sie bereichern die von Wissenschaft und Technik geprägten Orte um einen kreativen Blick – auf die Forschungsthemen oder die Geschichte des Ortes – und laden zum Entdecken der Areale ein.
Wassermolekül
Das bedeutendste Element an der Eawag
Als es 2004 um die Gestaltung der Halle des Neubaus «Forum Chriesbach» ging, existierten viele unterschiedliche Meinungen. Einerseits gab es die Puristen, die das Atrium am liebsten leer gelassen hätten. Anderen schwebte ein Wasserfall über fünf Stockwerke vor. Schlussendlich war es der Vorschlag des Teams von Stauffenegger + Stutz (heute Stauffenegger + Partner), der alle Bedürfnisse abdecken konnte. Das überdimensionale, hängende Kalottenmodell eines Wassermoleküls erlaubt eine multifunktionale und uneingeschränkte Nutzung der Halle des Eawag-Hauptgebäudes. Ausserdem thematisiert es das Element Wasser auf eine unkonventionelle, aber doch unmissverständliche Art und Weise. Die beiden Halbkugeln der Wasserstoffmoleküle können dank integrierter Projektoren bespielt und als Kommunikationsmedium genutzt werden.
Künstler/Hersteller: Stauffenegger + Stutz
Entstehungszeit: 2004-2008
Ort: Dübendorf, Atrium des Forum Chriesbach-Gebäudes
Künstler/Hersteller: Ursula Damm und Felix Bonowski
Entstehungszeit: 2021
Ort: Dübendorf, Eingangsbereich des FLUX-Gebäudes
Kontinuum
Zwei Videoprojektionen, die den Chriesbach repräsentieren
«Kontinuum» bringt das Äussere ins Innere, das Wasser ins FLUX-Gebäude, das Objekt der Beobachtung an den Ort seiner Untersuchung. Echtzeitbilder von drei Kameras, die auf den benachbarten Chriesbach blicken, resultieren in zwei verschiedenen Projektionen an den Wänden des FLUX-Gebäudes. Sie kombinieren Aspekte des visuellen Erscheinungsbildes des Bachs aus verschiedenen Zeiten und Blickwinkeln. Die Schwarz-Weiss-Projektion ist eine Live-Simulation eines Flusses. Die Formeln, welche die Dynamik der Simulation bestimmen, werden mit Werten parametrisiert, die aus Echtzeitmessungen der physikalischen Wassereigenschaften im Chriesbach abgeleitet werden. Am rechten Rand jeder Projektion greift die Bildlogik der jeweils anderen Projektion ein, so dass sich die Farbdaten des Live-Streams und die Muster der Schwarz-Weiss-Simulation überschneiden. Die Überschneidung macht deutlich, dass kein Bild und keine «Realität» nur für sich steht und dass es zu allem vielfältige Zugänge gibt.
Globophonium
Das optisch-akustische Kunstwerk eines ehemaligen Empa-Mitarbeiters
Entworfen wurde das farbenfrohe Metallkunstwerk in den Werkstätten der Empa, die sich den Campus in Dübendorf mit der Eawag teilt. Der verantwortliche Empa-Mitarbeiter hiess Arthur Bechtiger und nahm später seine Karriere als freischaffender Künstler mit Namen Giustino Corradini auf. In seinen verschriftlichten Gedanken zum Kunstwerk, das auch liebevoll als «Empa-Tinguely» bezeichnet wird, hielt er damals fest: «Das Globophonium ist mit der Aufforderung verbunden, mit all unseren Sinnen mitzudrehen an der Geschichte unserer Generationen». Und das «Mitdrehen» war wortwörtlich so gemeint: Durch das Kurbeln am Kunstwerk selbst wird dieses in Bewegung versetzt und gibt Musik von sich.
Künstler/Hersteller: Arthur Bechtiger alias Giustino Corradini
Entstehungszeit: 1992
Ort: Dübendorf, Grünstreifen («Grünes Band») zwischen Empa und Eawag
Künstler/Hersteller: Robert Lienhard
Entstehungszeit: 1972
Ort: Dübendorf, Platz vor dem FLUX-Gebäude
Nenuphar
Eine gewaltige Skulptur aus rotem Veroneser Kalkstein
«Nenuphar» bedeutet Seerose. Und tatsächlich erinnert die massive Steinskulptur auf dem Pflastersteinplatz vor dem FLUX-Gebäude an eine Wasserblume im halboffenen Zustand. Robert Lienhard gehörte um 1920 zu den ersten Künstlern in der Region, die sich der abstrakten Kunst zuwandten. Beim Transport aus Italien in die Schweiz bereitete Nenuphar den Transporteuren aber einiges Kopfzerbrechen: Lienhart plante, die Feinarbeit in der Schweiz auszuführen, nachdem er das Objekt in einem Steinbruch in Italien vorerst grob bearbeitet hatte. Doch an der schweizerisch-italienischen Grenze blieb es hängen, denn die Zöllner hielten den grob behauenen Steinblock bereits für ein Kunstwerk, bis Fachleute attestierten, es handle sich noch um einen Stein und nicht schon um Kunst.
Eine Plastik mit Spuren des menschlichen Wirkens
Albert Rouiller war ein Westschweizer Künstler und Mitbegründer des Berufsverbandes Genfer Bildhauer. Sein Werk umfasst Skulpturen, Kunst im öffentlichen Raum, Zeichnungen und Druckgrafiken. Anfangs arbeitete Rouiller vor allem in Stein. Nach 1962 begann eine Phase mit Arbeiten mit diversen Metallen. Plastiken wie «Ohne Titel» auf dem Empa-Eawag-Campus erstellte er oft aus verschiedenen Materialien – in diesem Fall aus Aluminium und Beton. Seine abstrakten Plastiken erinnern an Organisches, manchmal an Mechanisches oder Surrealistisches. Zitat: "Der Mensch hinterlässt auf jedem Werkstoff, den er berührt, die Spur seines Wirkens."
Künstler/Hersteller: Albert Rouiller
Entstehungszeit: 1963
Ort: Dübendorf, Grünfläche hinter der Empa-Akademie
Künstler/Hersteller: Julian Charrière
Entstehungszeit: 2024
Ort: Dübendorf, Platz zwischen dem NEST- und dem Empa-Laborgebäude
Not to Get Lost
Acht Findlinge und in die Physik transferierte Akupunktur
Der schweizerisch-französische Künstler Julian Charrière verbindet in seinen Werken Forschungsthemen aus verschiedenen Bereichen von Naturwissenschaft und Kulturgeschichte. Seine Projekte entstehen oft aus Feldforschungen an abgelegenen Orten wie Eisfeldern oder Vulkanen. Auf dem Empa-Eawag-Campus hat Charrière eine Installation mit Findlingen unterschiedlicher Herkunft, Grösse und Zusammensetzung geschaffen. Verbunden sind die Steine durch metallische Steinkeile, die der Künstler mit einer «in die Physik transferierten Akupunktur» vergleicht. Auf dem Platz zwischen dem NEST-Gebäude und dem 2024 erbauten Laborgebäude der Empa stehen die Findlinge mit den Steinkeilen in ihrer materiellen Ursprünglichkeit den Bauten gegenüber, in denen innovative Materialien und Technologien entwickelt werden.
Die Sage von Kastanienbaum
Ein Wandbild, dass die Geschichte des Ortsnamens erzählt
1992 verewigte der ortsansässige Künstler Marcel Nuber auf der Fassade des Eawag-Bootshauses in Kastanienbaum eine Szene aus der Sage von Kastanienbaum. Sie erzählt, wie der Ortsteil zu seinem Namen kam: Demnach versorgte eine lokale Bäuerin zwei italienische Wanderer auf der Durchreise mit Essen und einem Dach über dem Kopf. Als Dank schenkten ihr die beiden zwei Kastanien aus ihrer Heimat, welche die Bäuerin zu Kastanienbäumen heranzog. Bald kamen immer mehr dieser Bäume hinzu, so dass die Einheimischen irgendwann den Ort danach benannten. Über die Jahre haben dem rund 50 m2 grossen Wandbild Wetter und Feuchtigkeit zugesetzt. Daher wurde es 20025 aufwändig restauriert.
Künstler/Hersteller: Marcel Nuber
Entstehungszeit: 1992
Ort: Kastanienbaum, Bootshaus
((evtl. Karte mit Standorten))