Abteilung Aquatische Ökologie

Ökologie und Diversität von Stichlingen im Bodensee

Im vergangenen Jahrhundert durchlief der Bodensee zahlreiche Umweltveränderungen, die sich auf endemische Fischgemeinschaften auswirken könnten. Dazu gehören Veränderungen der Nährstoffbelastung, Klimaerwärmung, die Einwanderung gebietsfremder Fisch- und Invertebratenarten, Änderungen in der Saisonalität der Planktondynamik und -zusammensetzung sowie Veränderungen der Habitatstrukturen. Eine kürzlich durchgeführte Bestandesaufnahme von Fischgemeinschaften im Bodensee (Projet Lac) zeigte, dass Stichlinge im Bodensee eine sehr hohe Häufigkeit besitzen und flächenmässig weit verbreitet sind. Diese Hyperabundanz von Stichlingen im Bodensee ist einerseits besorgniserregend, aufgrund der potenziellen Konkurrenz mit Felchenpopulationen, aber auch erstaunlich, da Stichlinge in grossen Seen nur selten solch hohe Abundanz erreichen.

Um die Dominanz des Stichlings im Bodensee erklären zu können, benötigen wir ein besseres Verständnis von (i) Adaptationen in der Nahrungssuche von Stichlingen, welche das Ergebnis von Konkurrenz zwischen Stichlingen und Felchen beeinflussen könnten, (ii) dem Einfluss anderer Arten, welche nicht zu den Fischen gehören (z.B. Muscheln, Makrophyten), auf die Leistungsfähigkeit von Stichlingen (z.B. Wachstum), (iii) der räumlichen Struktur der Stichlingsbrutgebiete und (iv) dem Zusammenhang der Populationsstruktur mit wichtigen Habitaten (z.B. litorale Makrophyten, Flussmündungen, Sand und Kiesstrände).

Um diese Wissenslücken anzugehen, verwenden wir eine Kombination aus Feldstudien, Labor- und Teichexperimenten und genetische Analysen. Anhand dieser erhoffen wir uns ein besseres Verständnis dafür, warum Stichlinge im Bodensee in so ungewöhnlich hoher Abundanz in Lebensräume, in denen anderswo in der Schweiz kein Stichling vorkommt, eindringen können.

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