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Otto-Jaag-Preis für 2025 doppelt verliehen
13. März 2026 |
Dank einer Aufstockung des Otto-Jaag-Gewässerschutzpreises durch die ehemalige Eawag Direktorin, Janet Hering, konnten 2025 gleich zwei Preise für hervorragende Doktorarbeiten ausgerichtet werden. Sie gingen an den Umweltchemiker Johannes Raths und den Evolutionsbiologen Grégoire Saboret.
Nahrungskette dank Isotopenanalyse rekonstruiert
Grégoire Saboret hat an der Eawag in Kastanienbaum geforscht unter der Leitung von Prof. Dr. Carsten Schubert (Abteilung Oberflächengewässer). Unter der Mitbetreuung durch Dr. Jakob Brodersen und Dr. Blake Matthews (Abteilung Fischökologie und Evolution) hat er Isotopenanalysen von Aminosäuren weiterentwickelt und namentlich an Fischen angewendet. So konnte er das Verständnis für Nahrungsnetze erweitern, denn die Marker geben Aufschluss über Primärproduzenten (Algen und Bakterien) und alle Zwischenkonsumenten, von denen sie sich ernährt haben. So hat Saboret unter anderem aufgezeigt, wie die Eutrophierung von Seen die Produktionsquellen in den Nahrungsnetzen der Schweizer Seen beeinflusst oder wie aktuell das Abschmelzen der Gletscher in Grönland die Ernährung der Fische verändert.
Fischaugen mit Jahrringen
Grégoire Saboret hat ein Mobilitätsstipendium des Nationalfonds bekommen und weilt aktuell an der University of California in Santa Cruz. Er forscht und publiziert aber weiterhin auch zusammen mit Eawag Kolleginnen und Kollegen. Zurzeit ist eine Publikation in Vorbereitung, die Kohlenstoff- und Stickstoffisotope aus den Linsen von Fischaugen analysiert. Da die Linsen ringförmig wachsen, bilden diese Ringe, ähnlich wie Jahrringe bei einem Baum, ein Archiv, welches Aufschluss über den ganzen Lebenszyklus des Fischs gibt.
Wie Insekten Schadstoffe aufnehmen
Johannes Raths forschte für seine Dissertation in der Abteilung Umweltchemie, betreut von Dr. Juliane Hollender. Die Arbeit hat toxikokinetische Prozesse in Wasserorganismen untersucht, also zum Beispiel, wie Pestizide und Arzneimittel aufgenommen werden, sich anreichern, sich im Organismus verändern und allenfalls auch wieder ausgeschieden werden. Diese Mechanismen sind eine Brücke zwischen der Verschmutzung von Gewässern auf der einen und deren Wirkung auf aquatische Lebensgemeinschaften und Ökosysteme auf der anderen Seite. «Ein wirksamer Schutz von Gewässern ist eigentlich nur möglich, wenn wir diese Prozesse und ihre Veränderung im globalen Wandel der Umwelt verstehen», sagt Betreuerin, Prof. Dr. Juliane Hollender. Sie ist überzeugt, Raths interdisziplinäre Forschung werde sowohl in Lehrbüchern als auch in der Praxis Niederschlag finden.
Beide ausgezeichneten Forscher konnten leider an der Verleihung, anlässlich des ETH-Tages im vergangenen November nicht teilnehmen. Auf Anfrage sagen sowohl Raths als auch Saboret, sie würden die Auszeichnung als grosse Ehre empfinden und heben die erlebte Unterstützung an der Eawag hervor. Saboret betont, der Preis sei auch eine Anerkennung für eine Arbeit, die den Schutz aquatischer Ökosysteme würdige. Raths stellt derweil das Zusammenspiel von Klimawandel und Umweltverschmutzung in seinen Arbeiten in den Vordergrund: Dieses werde uns in Zukunft noch intensiv beschäftigen.
Neue Kandidatinnen und Kandidaten gesucht
Der Otto-Jaag-Gewässerschutzpreis prämiert die beste Dissertation, in speziellen Fällen auch die beste Masterarbeit, an der ETH Zürich auf dem Gebiet des Gewässerschutzes und der Gewässerkunde. Vorschlagberechtigt für den Preis sind Mitglieder des Lehrkörpers der ETH Zürich. Das Preisgeld beträgt 5'000 Franken. Eingaben für den Preis 2026 können bis zum 1. Juni gemacht werden.
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Titelbild: Das Abschmelzen der Gletscher verändert die Nahrungsnetze in den Gewässern, wie hier in Grönland, aber auch im alpinen Raum. (Foto: Coralie Moccetti)