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Flohkrebse: Wundersamer Zuwachs an Biodiversität

10. September 2020 | Andri Bryner

Bis vor kurzem ging man von rund 20 Flohkrebsarten aus, die in der Schweiz heimisch sind. Ein Projekt des Wasserforschungsinstituts Eawag und der Universität Zürich hat nun gezeigt, dass es über 40 Arten sind. Genau hinschauen lohnt sich, denn nur was man kennt, kann auch geschützt werden.

Die erfreuliche Botschaft über die grosse Vielfalt der Flohkrebse (Amphipoden) ist kaum auf ein effektives Wachstum der Biodiversität zurückzuführen, sondern vielmehr auf das genauere Hinschauen der Forschenden. Sie haben in einem gross angelegten Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Altermatt die Flohkrebse der Schweiz untersucht. Dabei wurde in allen Umgebungen, auch im Grundwasser und in Höhlen, nach den millimeter-grossen Tierchen gesucht und dabei bisher mindestens 40 eigenständige Arten bestimmt. Sechs Arten wurden im Rahmen des Monitorings weltweit erstmals gefunden und neu beschrieben.
 

Video auf youtube zum Projekt Amphipod.CH
(Eawag; Jonas Steiner, Andri Bryner; 4 min)

Online Bestimmungsschlüssel jetzt aktiv

Die Forschungsergebnisse wurden schon 2019 in einem Buch über die Flohkrebse der Schweiz in der Reihe Fauna Helvetica

zusammengefasst. Jetzt ist auch der online Bestimmungsschlüssel bereit. Auf: ekey.amphipod.ch können Fachleute und interessierte Laien «ihren» Flohkrebs selbst bestimmen.

Die Zeichnungen im Buch zeigen die grosse Vielfalt innerhalb der Flohkrebse. (Eawag, CSCF)

Für Gewässermonitoring nutzen

Flohkrebse gehören zu den wichtigsten wirbellosen Organismen im Wasser. Sie haben zentrale ökologische Funktionen, beispielsweise als Nahrung für Fische oder beim Abbau von Laub. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum und die Wasserqualität. So könnten sie noch viel besser als heute für das Gewässermonitoring genutzt werden.

Viele Helferinnen und Helfer

Dass bisher erstaunlich wenig bekannt war über die Flohkrebse liegt nicht nur an der Grösse der Tierchen, sondern auch daran, dass sie teils gut versteckt leben. «Es ist überraschend, wie es auch in Mitteleuropa noch grosse Lücken im Biodiversitätswissen gibt», sagt Florian Altermatt, «einer der Gründe, warum ich vor acht Jahren das Projekt lanciert habe». Die Mithilfe von Höhlenforscherinnen und -forschern sowie von Wasserversorgern im Projekt www.amphipod.ch hilft den Wissenschaftlern daher sehr. «Wir rechnen damit, dass noch einige Arten dazukommen in nächster Zeit», sagt Dr. Roman Alther, welcher an der Eawag Abteilung für aquatische Ökologie massgeblich im Projekt mitarbeitet. Aber Alther weiss auch, dass einige der Arten bereits bedroht sind. Umso wichtiger sei das Projekt, damit man eine Grundlage habe, um Veränderungen überhaupt zu bemerken. «Denn», so sagt Alther im kurzen Video, «schützen kann man nur, was man kennt.»
 

Bilder, Zeichnungen und Verbreitungskarten (hier von Gammarus fossarum) sind zentrale Teile im Buch.

Titelbild: Jonas Steiner, Eawag

Originalpublikation

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         0 described species globally. About 20% of these are freshwater species, wit
         h half of them found in the West Palaearctic. Amphipods inhabit almost all f
         reshwater ecosystems, including lakes, rivers, streams, as well as cave and
         groundwater systems, and can be the dominant macroinvertebrates in these hab
         itats. They exhibit essential roles in the functioning of aquatic ecosystems
         , contributing to leaf litter breakdown and serving as important prey for fi
         sh. Furthermore, they are commonly used as indicator taxa for biomonitoring
         and in ecotoxicological studies. Many amphipod communities are currently und
         ergoing rapid changes due to various drivers of global change, and some amph
         ipod species are among the most successful nonnative invasive invertebrates.
         <br />Despite their ecological and economic significance, the knowledge on a
         mphipods in Switzerland was hitherto limited, and until now no checklist, di
         stribution maps, or broadscale estimates on genetic, functional, and morphol
         ogical diversity of all amphipod species in Switzerland existed. All hithert
         o available literature on the ecology, faunistics, and taxonomy of amphipods
          in Central Europe is either outdated by many decades (Chevreux &amp; Fage,
         1925; Schellenberg, 1942), does not cover all species (Ginet, 1995; Eggers &
         amp; Martens, 2001, Piscart &amp; Bollache, 2012), or is only targeting neig
         hboring countries (Vornatscher, 1965; Karaman, 1993; Eggers &amp; Martens, 2
         001; Piscart &amp; Bollache, 2012, Zettler &amp; Zettler, 2017). This lack o
         f appropriate baseline information on the ecology, distribution and faunisti
         cs of amphipods in Switzerland is a serious limitation for fundamental ecolo
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Altermatt, F.; Alther, R.; Fišer, C.; Švara, V. (2019) Amphipoda (Flohkrebse) der Schweiz. Checkliste, Bestimmung und Atlas, 389 p, Institutional Repository

Bestellung (72 CHF) über den Webshop von info fauna.

Finanzierung / Kooperationen

Das Projekt wird unterstützt von

  • Eawag
  • Universität Zürich
  • CSCF (Schweizerisches Zentrum für die Kartografie der Fauna)
  • Bundesamt für Umwelt BAFU
  • Dr. Bertold Suhner-Stiftung für Natur-, Tier- und Landschaftsschutz
  • Wolfermann-Nägeli-Stiftung