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Die Digitalisierung der Toilette
24 maggio 2018 |
Die Umweltingenieurin Caroline Saul beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit innovativen Businessmodellen, die mithelfen könnten, Menschen in finanzschwachen Ländern mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu versorgen. Dabei hat sie unter anderem die digitalen Hilfsmittel unter die Lupe genommen, die Anbieter von Container-Toiletten in Entwicklungsländern anwenden. Dies mit gutem Grund, wie ihr Betreuer, Heiko Gebauer, Fachgruppenleiter an der Eawag-Abteilung Umweltsozialwissenschaften, erklärt: «Mehr als zwei Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu hygienisch sicheren Toiletten. Fast eine Milliarde Menschen müssen ihre Notdurft sogar im Freien verrichten.» Dies führe unter anderem dazu, dass Krankheitserreger ins Trinkwasser gelangen.
Container-Toiletten als Chance
Bis 2030 sollen laut der Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen alle Menschen eine Toilette in ihrer Nähe haben. Mit dem Einsatz von Container-Toiletten wäre dieses Ziel möglicherweise zu erreichen. Im Fachjargon spricht man dabei von "container-based sanitation" (CBS), da dieser Begriff nicht nur die Toilette an sich, sondern auch die Entsorgung der Fäkalien umfasst. CBS sind im Vergleich zu den hierzulande gängigen WCs mit Kanalisation billiger und schneller gebaut. Zudem brauchen sie kein Wasser, was besonders in trockenen Regionen ein grosser Vorteil ist. Auch für dicht besiedelte urbane Gebiete sind sie besser geeignet als Latrinen, da sie weniger Platz brauchen und weniger Gefahr laufen, das Grundwasser zu verunreinigen.
"Weltweit gibt es derzeit sieben oder acht grössere CBS-Anbieter", erklärt Heiko Gebauer. "Sie bedienen jeweils zwischen 100 und 1500 Haushalte. Um wachsen zu können und die Kosten möglichst gering zu halten, müssen sie die Prozesse automatisieren." Nur mit digitalen Hilfsmitteln sei es möglich, dass solche Firmen irgendwann vielleicht 10'000 und mehr Haushalte erreichen könnten.
Digitale Lösungen für sämtliche Arbeitsprozesse
Das Eawag-Forschungsteam hat in den vergangenen sieben Jahren intensiv mit mehreren CBS-Anbietern zusammengearbeitet. Einige von ihnen hat Caroline Saul für ihre Dissertation mit Fragebogen befragt und dabei die gesamte sanitäre Wertschöpfungskette untersucht – von der Toilette mit Lagerung der Fäkalien über den Transport der Behälter bis hin zur Behandlung der Fäkalien und deren Weiterverwendung oder Deponierung. Fazit: Alle kontaktierten Anbieter haben bereits einzelne Bereiche ihrer Arbeitsprozesse automatisiert und digitalisiert. Aufgrund ihrer individuellen Unternehmensgeschichten und der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern – Kenia, Madagaskar und Peru – tun sie dies jedoch nicht in derselben Art und Weise.