Abteilung Umweltmikrobiologie

Projekt LeCo – Legionellen-Bekämpfung in Gebäuden

Legionellen sind gramnegative opportunistische Erreger, die natürlicherweise in Sanitärsystemen von Gebäuden vorkommen und eine Lungenentzündung, die sogenannte Legionärskrankheit, sowie eine mildere, grippeähnliche Erkrankung, das Pontiac-Fieber, verursachen können, wenn bakterienhaltige Aerosole eingeatmet werden. Als Reaktion auf die wachsende Zahl von Legionärskrankheitsfällen in der Schweiz hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Gesundheit (BAG) und Energie (BFE) das Projekt LeCo (Legionellenbekämpfung in Gebäuden) initiiert.

Fünf Schweizer Forschergruppen haben sich zusammengeschlossen, um das Legionellenproblem in diesem breit angelegten, multidisziplinären Forschungsprojekt anzugehen. Das LeCo-Projekt wurde Anfang 2020 lanciert und läuft über vier Jahre. Die Gruppen sind:

Frederik Hammes, Trinkwassermikrobiologie, Eawag

Tim Julian, Krankheitserreger und menschliche Gesundheit, Eawag

Daniel Mäusezahl, Humangesundheit, Schweizerisches Tropen- und Public-Health-Institut

Franziska Rölli, Gebäudetechnik und Energie, Hochschule Luzern

Hans Peter Füchslin, Fachstelle Legionellen, Kantonales Labor Zürich
 

In den nächsten vier Jahren wird sich das Team auf eine Reihe von Themen konzentrieren, darunter Risikobewertung, verbesserte Probenahmestrategien, standardisierte Schnellnachweisverfahren, die Beziehung zwischen Umweltquellen und dem Auftreten von Krankheiten sowie die Erforschung neuer Erkenntnisse über die Umweltreaktion und Ökologie von Legionellen in Trinkwassersystemen. Letztendlich sollen Managementstrategien entwickelt werden, um das Risiko einer Legionellenkontamination in Gebäuden zu reduzieren. Das Projekt wird sich auch auf die Bewusstseinsbildung und die Verbesserung der Kommunikation zwischen den verschiedenen nationalen und internationalen Interessengruppen konzentrieren.

 

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Kontakt

Dr. Tim JulianTel. +41 58 765 5632E-Mail senden

Hauptansprechpartnerin:
Franziska Rölli 
HSLU
Tel. +41 41 349 3844
   E-Mail senden

Prof. Dr. Daniel Mäusezahl
Swiss-TPH
Tel. +41 61 284 8178
   E-Mail senden

Dr. Hans Peter Füchslin    KLZH
Tel. +41 43 244 7160
   E-Mail senden

Interview mit Frederik Hammes

Warum befasst sich die Eawag mit Legionellen?

Erstens zeigen die Daten des Bundesamts für Gesundheit deutlich, dass Legionellen in der ganzen Schweiz ein zunehmendes Problem darstellen. Als Wasserforschungsinstitut des Bundes ist die Erforschung dieses Problems zum einen unser Auftrag, zum anderen haben wir an der Eawag das nötige Fachwissen über die mikrobielle Ökologie in Trinkwasserverteilsystemen von Gebäuden.

Zudem haben wir vor einigen Jahren eine hohe Legionellen-Konzentration in den Sanitäranlagen unserer eigenen Gebäude entdeckt. Wir konnten die Problematik, die in vielen Gebäuden der Schweiz anzutreffen ist, damit quasi vor der eigenen Haustüre untersuchen und am Standort lösen.

Wie erklären Sie sich die starke Zunahme der Legionellose-Fälle in den letzten Jahren?

Es ist wichtig zu erwähnen, dass der gleiche Trend in vielen Ländern Europas sowie den USA zu beobachten ist. Dass die Fallzahlen steigen, ist sicherlich auf eine intensivere Überwachung und ein zunehmendes Problembewusstsein zurückzuführen. Es gibt jedoch eine Vielzahl weiterer Aspekte, die dazu beitragen. So wird vermutet, dass u.a. veränderte Installations- und Betriebsbedingungen von Wasseranlagen sowie klima- und wetterbedingte Faktoren für den Anstieg mitverantwortlich sind.

Das Dilemma Hygiene vs. Energiesparen bleibt wohl bestehen, oder zeichnet sich eine Lösung ab?

Es geht darum, Lösungen zu suchen, die es erlauben, beide Aspekte zu berücksichtigen. Es gibt definitiv wissenschaftlich/technische Lösungen für dieses Dilemma. Es braucht jedoch einen aktiven und konstruktiven Dialog zwischen den verschiedenen Interessengruppen und eine klare Bereitschaft, das Problem anzugehen.

Geprüft werden nur öffentliche Bäder, Schulen oder Altersheime. Muss ich auch meine private Dusche prüfen lassen?

Es ist ein grosser erster Schritt, dass die öffentlichen Wassersysteme kontrolliert werden, aber das gleiche Bewusstsein ist auch in den privaten Haushalten nötig. Doch Legionellen-Probleme werden nicht allein durch die Überwachung verhindert. Das heisst, ihre Entdeckung löst das Problem nicht und hält es auch nicht einfach auf. Um die Verbreitung von Legionellen in Gebäudesystemen, insbesondere dort, wo gefährdete Personen leben, zu minimieren, müssen die Lösungen durch ingenieurtechnische und operative Ansätze kommen. Einerseits sollen solche technischen Massnahmen die Vermehrung von Legionellen verhindern, andererseits müssen Legionellen bei erhöhten Werten konsequent und nachhaltig eliminiert werden und der Erfolg der Sanierung nachfolgend überprüft werden.

Sie leiten nun ein vier Jahre dauerndes Forschungsprogramm zu Legionellen in Gebäuden - was ist denn die wichtigste Frage, die in diesem Programm beantwortet werden soll?

Die Weiterentwicklung, Optimierung und Standardisierung der Probenahme und nachfolgenden Analytik stellt sozusagen das Fundament dar, um weitere Fragestellungen zielführend bearbeiten zu können. Aber gerade die Legionellen-Thematik erfordert das Zusammenführen «verschiedener Fäden», um Fortschritte machen zu können. Genau dies ermöglicht uns nun das Projekt: Wir werden die Thematik sowohl aus mikrobiologischer, medizinischer wie auch technischer Sicht beleuchten. Zudem ist es uns wichtig, die Sensibilisierung und den Wissenstransfer zwischen verschiedensten Akteuren, von der Wissenschaftlerin zum Sanitärfachplaner, dem Hausarzt und der Immobilienbewirtschafterin zu fördern.

Sie wollen untersuchen, wie das Legionellen-Vorkommen und die Häufigkeit von Infektionen zusammenhängen – stösst die Eawag in das Gebiet der Epidemiologie vor?

Nein, nicht direkt. Das Legionellen-Problem ist multidimensional, und deshalb ist unser neues Projekt multidisziplinär. Wir haben gezielt Gruppen mit unterschiedlichen Fachkenntnissen einbezogen. Dazu gehören die Gruppe von Daniel Mäusezahl (SwissTPH), die sich mit der Epidemiologie und Humangesundheit befasst, die Gruppe von Franziska Rölli (HSLU), die die Gebäudetechnik fokussiert, die Gruppe von Tim Julian (Eawag), die sich mit um die Risikobeurteilung kümmert, und die Gruppe von Hans Peter Füchslin (Kantonales Labor Zürich), die sich mit der routinemässigen Überwachung und mit Fragen der Gesetzgebung befasst.