Infotag

Der Eawag-Infotag widmet sich jedes Jahr einem aktuellen Forschungsthema. Er richtet sich an alle am Thema interessierten Personen, insbesondere an Fachleute aus der Praxis. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Vorträge von Expertinnen und Experten der Eawag, ergänzt mit spezifischen Beiträgen von externen Referierenden. Der  Eawag-Infotag dient als Plattform für den Austausch zwischen Forschung und Praxis. Er bietet ausreichend Zeit für Diskussionen im Plenum sowie informelle Gespräche.

Infotag 2019

Gewässer in Zeiten der Energiewende

3. September 2019, Luzern

Die vom Bund erarbeitete Energiestrategie 2050 hat zum Ziel, den Energieverbrauch der Schweiz zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und die erneuerbaren Energien zu fördern. Auch das revidierte Energiegesetz sieht vor, die Wasserkraft und andere erneuerbare Energieträger verstärkt zu nutzen. Die Nutzung unserer Gewässer für die Stromproduktion, die Energiespeicherung, zum Heizen und Kühlen beeinflusst jedoch die Wassertemperatur, den Wasser-, Geschiebe- und Feststoffhaushalt und damit die Lebensgemeinschaften in den Gewässerräumen. Wasserkraftwerke stellen ausserdem für viele Wasserorganismen unüberbrückbare Hindernisse dar. Vor diesem Hintergrund werden am Eawag-Infotag Auswirkungen der Energienutzung auf die Gewässer aufgezeigt. Es werden Möglichkeiten diskutiert, wie die Ansprüche der Gewässer besser berücksichtigt werden könnten.

Leitung: Dr. Martin Schmid, Dr. Anne Dietzel

Programm Infotag 2019

ab 9.00 Registrierung, Kaffee und Gipfeli

9.30 Begrüssung
Prof. Dr. Janet Hering, Direktorin der Eawag

9.40 – 9.55
Einleitung und Moderation
Prof. Dr. Bernhard Wehrli, Abteilung Oberflächengewässer, Eawag
Prof. Dr. Bernhard Truffer, Abteilung Umweltsozialwissenschaften, Eawag

Kleinwasserkraft

9.55 – 10.15
Was kann die Schweizer Wasserkraft zur Energiestrategie 2050 beitragen?

Dr.-Ing. Klaus Jorde, Forschungsprogramm Wasserkraft, Bundesamt für Energie
Die Energiestrategie 2050 basiert unter anderem auf einem im Vergleich zu heute erhöhten Beitrag der Wasserkraft zur Schweizer Stromversorgung. Die Beiträge sollen sowohl aus grossen wie auch aus kleinen Wasserkraftwerken kommen. Wo könnten diese Potenziale realisiert werden, welche Hemmnisse gibt es, welche Umweltauswirkungen wären zu erwarten? Welche Einflussfaktoren bestimmen überhaupt, ob die Wasserkraft ihr heutiges Erzeugungsniveau halten und darüber hinaus den Erwartungen gerecht werden kann?

10.15 – 10.35
Ökologische Auswirkungen der Kleinwasserkraft

Dr. Katharina Lange, Abteilung Oberflächengewässer, Eawag
Der Neubau von Kleinwasserkraftwerken erlebt derzeit einen Aufschwung, auch weil angenommen wird, dass die ökologischen Auswirkungen klein sind. Aber ist das wirklich so? Vorhandenes Wissen ist lückenhaft und systematische Studien fehlen. Wir stellen eine Feldstudie an acht Kleinwasserkraftwerken und Kontrollstrecken vor, zeigen lokale Auswirkungen auf Lebensräume und Organismen im und am Wasser und diskutieren Effekte, die über die Restwasserstrecke hinausgehen.

10.35 – 11.00 Kaffeepause

Pumpspeicher und neue Speicherseen

11.00 – 11.20
Potenzial von Wasserspeichern zur Verminderung von Wasserknappheit

Dr. Manfred Stähli, Gebirgshydrologie und Massenbewegungen, WSL
Mit dem Klimawandel dürfte es in Zukunft im Sommer vermehrt zu regionaler Wasserknappheit kommen. Gleichzeitig ändert sich der natürliche Wasserabfluss aus alpinen Regionen. Eine nationale Studie zeigt auf, wo in der Schweiz die bestehenden Wasserspeicher effektiv einen Beitrag zur Bewältigung zunehmender Sommertrockenheit leisten können. Eine verstärkte oder zusätzliche Nutzung von Wasser aus Speichern wird sich auch auf die Wasserkraft auswirken.

11.20 – 11:40
Seen als ideale Zwischenspeicher für elektrische Energie?

Dr. Martin Schmid, Abteilung Oberflächengewässer, Eawag
Strom aus neuen erneuerbaren Quellen fällt nicht immer dann an, wenn er gebraucht wird. Pumpspeicherkraftwerke können diese überschüssige elektrische Energie zwischenspeichern, indem sie Wasser von einem tiefer in einen höher gelegenen See pumpen. Welche Auswirkungen hat das für die beiden Seen? Und werden diese Auswirkungen durch den Klimawandel noch verstärkt? Diese Fragen werden anhand von Beispielen aus der Praxis diskutiert.

Erneuerbare Energien und Gesellschaft

11.40 – 12.10
Akzeptanz erneuerbarer Energie

Prof. Dr. Karin Ingold, Abteilung Umweltsozialwissenschaften, Eawag und Institut für Politikwissenschaft, Universität Bern
Dr. Ivana Logar, Abteilung Umweltsozialwissenschaften, Eawag

Die Realisierung der Energiewende und der Energiestrategie 2050 hängt nicht zuletzt von der Unterstützung der Bevölkerung sowie der dezentralen Entscheidungsträger der Kantone und Gemeinden ab. Forschungsergebnisse aus dem NFP71 zeigen auf, dass verschiedene Energieträger unterschiedlich präferiert werden und dass die Akzeptanz bei Bevölkerung und Behörden zum Teil stark variiert. Nebst geographischen und natürlichen Gegebenheiten, unterscheiden sich die verschiedenen Kantone auch durch positive und negative Erfahrungen mit Fördermassnahmen.

12.10 – 12.30 Diskussion

12.30 – 13.45 Mittagessen

Sanierung Wasserkraft und Revitalisierung

13.45 – 14.10
Sanieren, revitalisieren - gemeinsam durch Planung und Umsetzung

Dr. Christine Weber, Abteilung Oberflächengewässer, Eawag
Die revidierte Gewässerschutzgesetzgebung verlangt die Revitalisierung von Fliessgewässern und Seeufern, die Ausscheidung eines ausreichenden Gewässerraums sowie die Sanierung der negativen ökologischen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung (Geschiebe, Fischgängigkeit, Schwall-Sunk). Eine wirkungsvolle Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele ist nur durch eine grossräumige und umsichtige Planung möglich, die die bestehenden Rahmenbedingungen sowie zukünftigen Herausforderungen Rechnung trägt. Eine enge Zusammenarbeit aller Akteure aus Praxis und Wissenschaft ermöglicht einen kontinuierlichen Lernprozess und einen effektiven Einsatz der Ressourcen.

14.10 – 14.35
Restwassersanierung und Sanierung Wasserkraft im Oberhasli

Dr. Steffen Schweizer, KWO Kraftwerke Oberhasli AG
Seit 2012 wird im Oberhasli die schweizweit grösste Restwassersanierung durchgeführt. Mit dem Bau eines Beruhigungsbeckens erfolgte 2016 die Schwallsanierung. Für beide Sanierungen liegen Ergebnisse des Monitorings vor. Zusätzlich laufen zum Thema Schwall-Sunk Forschungsarbeiten, die sich mit dem Stranden von Fischen und der saisonalen Verdriftung von Wirbellosen beschäftigen. Das Variantenstudium der Geschiebesanierung des Gadmerwassers dient als Pilot der neuen Vollzugshilfe.

14.35 – 15.00 Kaffeepause

Neue Energien aus Wasser und Abwasser

15.00 – 15.20 
Energie in Kläranlagen – Beispiel Klärwerk Werdhölzli

Dr. Christian Abegglen, Klärwerk Werdhölzli, Entsorgung und Recycling Zürich
Das Thema Energie in Kläranlagen beschäftigt die Fachwelt seit Jahren. Kläranlagen benötigen viel Energie in Form von Strom und Wärme, tragen mit der Klärgasverstromung aber auch wesentlich zur erneuerbaren Stromproduktion bei. Zunehmend geraten weitere Aspekte wie die Notstromversorgung, das Regelpooling oder die Einbindung in lokale Wärmenetze in den Fokus. Am Beispiel des Klärwerks Werdhölzli werden die verschiedenen Energieaspekte von Kläranlagen näher beleuchtet.

15:20 – 15:50
Potenzial und Grenzen der Wärmenutzung aus Flüssen und Seen

Prof. Dr. Alfred Johny Wüest, Abteilung Oberflächengewässer, Eawag
Patrik Rust, ewl energie wasser luzern

Im Sommerhalbjahr speichern unsere Gewässer natürlicherweise enorme Wärmemengen, die sich in der kalten Jahreszeit zum Heizen von Gebäuden bestens eignen. Genügend grosse Gewässer kommen neben dem Heizen auch zum Kühlen von Siedlungen und Infrastrukturanlagen in Frage. Das grosse Potenzial dieser erneuerbaren Energiequelle soll möglichst ohne negative Auswirkungen für die Gewässer genutzt werden. Anhand der künftigen Anlage «Horw Kriens» werden die betrieblichen, technischen, wirtschaftlichen und planerischen Überlegungen für eine erfolgreiche Umsetzung dargelegt.

15:50 – 16:10 Schlussdiskussion und Fazit

16:10 Apéro