Infotag

Der Eawag-Infotag widmet sich jedes Jahr einem aktuellen Forschungsthema. Er richtet sich an alle am Thema interessierten Personen, insbesondere an Fachleute aus der Praxis. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Vorträge von Expertinnen und Experten der Eawag, ergänzt mit spezifischen Beiträgen von externen Referierenden. Der  Eawag-Infotag dient als Plattform für den Austausch zwischen Forschung und Praxis. Er bietet ausreichend Zeit für Diskussionen im Plenum sowie informelle Gespräche.

Infotag 2018

Abwasser als Ressource – zukunftsweisende Technologien zur Rückgewinnung von Wertstoffen

11. September 2018, Campus Eawag-Empa: AKADEMIE, Dübendorf, Schweiz

Mit dem Abwasser gelangen zahlreiche Wertstoffe aus Haushalten, Industrie und Gewerbe in die Kläranlagen. Aus Abwasser lässt sich Energie gewinnen und mit der Nutzung von aufbereitetem Grauwasser Frischwasser sparen. Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist es wünschenswert, auch Nährstoffe zurückzugewinnen und wieder nutzbar zu machen.

Am diesjährigen Eawag-Infotag werden bewährte und vielversprechende Technologien für Kläranlagen und Haushalte diskutiert, mit denen sich Energie und Wertstoffe aus dem Abwasser extrahieren und rezyklieren lassen. Die Verfahren sollen in Zukunft nicht nur dazu beitragen, die natürlichen Ressourcen zu schonen, sondern auch negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu reduzieren.

Leitung : Prof. Dr. Tove Larsen, Dr. Anne Dietzel

Programm Infotag 2018

Ab 9:00 Registrierung, Kaffee und Gipfeli

9:30 Begrüssung
Prof. Dr. Janet Hering, Direktorin der Eawag

9:40 – 10:10
Ressourcen im Abwasser: Rückgewinnung und Verwertung

Prof. Dr. Tove Larsen, Abteilung Siedlungswasserwirtschaft, Eawag
Abwasser enthält viele Wertstoffe. Fachleute diskutieren darüber, ob und falls ja mit welchem Verfahren es sich lohnt diese Wertstoffe zurückzugewinnen. Welche Ressourcen sind von besonderer Bedeutung und an welchem Ort sollen sie, zentral oder dezentral, zurückgewonnen werden? Wie viel darf die Rückgewinnung kosten und welche Technologien sollen für die Aufbereitung gefördert werden? Diese übergeordneten Fragestellungen und Herausforderungen bestimmen den Diskurs über Ressourcenrückgewinnung aus Abwasser.

10:10 – 10:30
Rückgewinnung und Wiederverwertung von Stickstoff aus Abwasser

Marc A. Böhler, Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag
Stickstoff ist ein Hauptnährstoff und gilt als Motor des Pflanzenwachstums. Das industrielle Haber-Bosch-Verfahren kann heute den immensen Bedarf einer intensiven Landwirtschaft decken und ermöglicht die Ernährung der Weltbevölkerung. Der lebenswichtige Nährstoff kann aber auch ein gefährlicher Schadstoff sein. Aus erhöhten Einträgen von reaktiven Stickstoffverbindungen in die Atmosphäre, in Böden und aquatische Systeme resultieren schwerwiegende regionale und globale Probleme. Es sind technische Möglichkeiten vorhanden, die dazu beitragen, den Stickstoffkreislauf zu schliessen und diese Probleme zu lösen.

10:30 – 11:00 Kaffeepause

11:00 – 11:20
P-Recycling aus Klärschlamm – Strategie des Kantons Zürich

Dr. Leo Morf, Sektion Abfallwirtschaft, AWEL
Mit dem Phos4Life®-Verfahren als wichtigem Baustein der P-Mining-Strategie könnte Phosphor (P) zu über 95 Prozent zurückgewonnen und als handelsübliche, schwermetallarme Phosphorsäure vermarktet werden. Auch 90 Prozent der weiteren Wertstoffe könnten wiedergewonnen, Deponievolumen entscheidend reduziert und überzeugende ökologische Vorteile genutzt werden. Zusammen mit Klärschlamminhabern und weiteren Schweizer Akteuren laufen im Rahmen einer verfahrenstechnischen Marktanalyse Abklärungen zur Umsetzung und Finanzierung.

11:20 – 11:40
Ohne Kanalisation? Nährstoffrückgewinnung an der Quelle

Prof. Dr. Kai Udert, Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag
Die konventionelle Abwasserreinigung beruht auf einem ausgedehnten Kanalisationsnetz mit grossen zentralen Kläranlagen. Unsere Ausscheidungen werden mit viel Wasser vermischt und wegtransportiert. Statt die Ressourcen zu verdünnen, können die Abwasserströme an der Quelle getrennt erfasst und somit effizienter behandelt werden. Diese neuen Ansätze eignen sich besonders für Städte und Regionen ohne bestehende Abwasserinfrastruktur. Sie können aber auch für die Schweiz interessant sein.

11:40 – 12:00
Die getrennte Sammlung von Urin – Herausforderungen und Perspektiven für die Region Paris

Caroline Marc, SIAAP, Le Service public de l’assainissement francilien
(Vortrag auf Französisch, Folien auf Deutsch)
Die öffentliche Abwasserentsorgung des Grossraums Paris (SIAAP) sorgt für die Reinigung des Abwassers von 9 Millionen Einwohnern und leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Region. In diesem Zusammenhang konzentrierte sich die Pariser Abwasserentsorgung auf die getrennte Sammlung von Urin als Alternative zur konventionellen Abwasserreinigung. Eine von ihr unterstützte Forschungsarbeit zu dieser Entwicklung konnte die Herausforderungen der getrennten Stickstoffbehandlung in grossen Metropolen wie der Pariser Region herausstellen.

12:00 – 12:15 Diskussion Vormittag

12:15 – 13:30 Mittagessen, optional: Führung im NEST

13:30 – 13:50
Energie aus Kläranlagen und der Kanalisatio
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Beat Kobel, Ryser Ingenieure AG, Bern
Mit der Energiestrategie 2050 soll der Energieverbrauch gesenkt, die Energieeffizienz erhöht und die erneuerbaren Energien gefördert werden. Die Energiepotenziale von Infrastrukturanlagen können hierzu einen Beitrag leisten. Auch in der Kanalisation und in Kläranlagen geht immer noch viel Energie ungenutzt verloren. Energetisch optimierte Abwasserreinigung, die Nutzung des anfallenden Klärgases zur Strom- und Wärmeproduktion, sowie die Wärmenutzung aus dem Abwasser vor und auf der Kläranlage können wirtschaftlich und ökologisch interessante Lösungen darstellen.

13:50 – 14:10
Management von Fäkalschlamm für die Ressourcenrückgewinnung in Entwicklungsländern

Dr. Linda Strande, Abteilung Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung, Eawag
(Vortrag auf Englisch, Folien auf Deutsch)
In vielen Entwicklungsländern fehlen für Sanitäranlagen klare rechtliche Rahmenbedingungen und die nötige Finanzierung. Kläranlagen, die Ressourcen aus Fäkalschlamm zurückgewinnen, können dort vielversprechende Lösungen bieten. Durch die Aufbereitung von Fäkalschlamm können Energie, Nährstoffe, Wasser und sogar Nahrung gewonnen werden. Die richtige Wahl eines auf die Kunden und den Markt ausgerichteten Produkts generiert Einkünfte und ermöglicht die Realisierung und den nachhaltigen Betrieb von Kläranlagen für Fäkalschlamm.

14:10 – 14:30
Grauwasser an der Quelle zurückgewinnen und nutzen

Prof. Dr. Eberhard Morgenroth, Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag
Der grösste Teil des häuslichen Schmutzwassers ist sogenanntes Grauwasser, das nicht mit Fäkalien oder Urin vermischt wurde (z.B. aus Dusche oder Lavabo). Durch Wiederverwendung von aufbereitetem Grauwasser kann der häusliche Trinkwasserverbrauch signifikant reduziert werden. Aufbereitetes Grauwasser ist damit bei Wasserknappheit eine verlässliche Wasserressource und kann, je nach Aufbereitungsverfahren, für die WC-Spülung, die Waschmaschine, zur Bewässerung oder sogar zum Duschen eingesetzt werden.

14:30 – 15:00 Kaffeepause

15:00 – 15:20
Grenzen der Ressourcenrückgewinnung

Dr. Adriano Joss, Abteilung Verfahrenstechnik, Eawag
Die Anforderungen an die Abwasserbehandlung werden komplexer. Die Elimination von Mikroverunreinigungen und die Rückgewinnung von Phosphor sind bereits gesetzlich geregelt. Die Nutzung anderer Wertstoffe wird an verschiedenen Standorten diskutiert oder getestet. Der Gewässerschutz muss jedoch verschiedenen Ansprüchen genügen. So geraten die aquatischen Ressourcen durch die zunehmende Siedlungsdichte verstärkt unter Druck und die Gewässer werden auch als Erholungsraum immer wichtiger für die Gesellschaft.

15:20 – 15:40
Das Forschungsprogramm Wings
 
Dr. Sabine Hoffmann, Abteilung Umweltsozialwissenschaften, Eawag
Konventionelle, leitungsgebundene Wasser- und Abwassersysteme sind nicht die einzige Lösung für schnell wachsende Städte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das inter- und transdisziplinäre Forschungsprogramm Wings erforscht innovative, ressourcenschonende und netzunabhängige Systeme. Diese sollten bezüglich ihrer Leistung mit konventionellen Systemen vergleichbar sein und zukünftigen Herausforderungen der Siedlungswasserwirtschaft in Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländern standhalten.

15:40 – 16:00 Schlussdiskussion und Fazit

ab 16:00 Apéro, optional: Führung im NEST


Moderation
Dr. Judit Lienert, Abteilung Umweltsozialwissenschaften, Eawag
Prof. Dr. Max Maurer, Abteilung Siedlungswasserwirtschaft, Eawag

Bildergalerie (Fotos: Eawag, Nicola Pitaro)